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Städte nachhaltig entwickeln – Ergebnisse der Journalistenreise nach Nairobi und Addis Abeba

Private Busse (Matatus) ersetzen ein öffentliches Nahverkerssystem in Nairobi, Kenia, das es so nicht nicht gibt.

Private Busse (Matatus) ersetzen ein öffentliches Nahverkerssystem in Nairobi, Kenia, das es so noch nicht gibt.

Weltweit sehen sich Städte unvergleichlichen sozialen, demographischen, ökonomischen und ökologischen Herausforderungen ausgesetzt. In den letzten Jahren hat der Grad der Urbanisierung und der Zuwanderung vom Land in die Städte in hohem Maße zugenommen. Seit einigen Jahren gibt es global erstmalig mehr Stadt- als Landbewohner. Und der Trend der Verstädterung verstärkt sich noch. Ein paar Zahlen: 2050 werden weltweit 2,5 Milliarden Menschen mehr als heute Stadtbewohner sein – insgesamt 70% der Weltbevölkerung. Die Zahl der Städte mit einer bis fünf Millionen Einwohnern wird Prognosen zufolge von heute 417 auf 558 im Jahr 2030 ansteigen. Im Vergleich zum Jahr 1970 ist dies eine Vervierfachung. In den Entwicklungsländern in Asien, Afrika und Lateinamerika ist der Zuwachs an Stadtbewohnern – hervorgerufen durch Landflucht und hohe Geburtenraten – am größten. Gerade dort finden sich auch die drängendsten Herausforderungen. Es fehlt häufig an bezahlbarem Wohnraum, Gesundheitsversorgung und nachhaltigen Entwicklungskonzepten. Alleine in Afrika leben 225 Millionen Menschen in Slums – das ist mehr als jeder zweite afrikanische Stadtbewohner – und die Slums wachsen jeden Tag.

Genügend Argumente also, das im letzten Jahr nach den Konferenzen in Vancouver 1976 und Istanbul 1996 die sogenannte „Habitat III“-Konferenz, die "Third United Nations Conference on Housing and Sustainable Urban Development" in Ecuador stattfand. Habitat III war die erste große UN-Konferenz, die sich nach der Verabschiedung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) im September 2015 mit ihrer Umsetzung befassten. Die Mitgliedstaaten verabschiedeten dort die sogenannte "New Urban Agenda" als Leitbild für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Und auch die globale Zivilgesellschaft spielte beim Verhandlungsprozess eine wichtige Rolle. Sicherlich ein sinnvoller Anfang, schließlich findet in den Städten bereits heute 70% der globalen Wirtschaftsleistung statt – sie produzieren jedoch auch 70% des Mülls und verbrauchen 60% der Energie. Ausreichend Anknüpfungspunkte sind also vorhanden.

Hauptquartier der Vereinten Nationen in Nairobi, Kenia
Hauptquartier der Vereinten Nationen in Nairobi, Kenia. Der Gebäudekomplex zeichnet sich durch einen nachhaltigen Baustil aus. Innerhalb des Gebäudes sind unterschiedliche Klimazonen mit unterschiedlichen Vegetationen angelegt.
In Addis Abeba gibt es seit kurzem eine Hochbahn. Sie soll in den nächsten Jahren erweitert werden.
Um das Stauproblem in Addis Abeba in den Griff zu bekommen, gibt es seit kurzem eine Hochbahn. Sie soll in den nächsten Jahren erweitert werden und wurde von chinesischen Firmen errichtet.

UN-Habitat und UNEP: Zwei Organisationen, die sich den Herausforderungen stellen

Mit der Recherchereise vom 24. bis 31. Januar 2017 in die kenianische Hauptstadt Nairobi und nach Addis Abeba, Hauptstadt des benachbarten Äthiopien, bot die DGVN sechs Journalistinnen und Journalisten die Möglichkeit, die urbanen Chancen und Herausforderungen sowie die Arbeit der UN in diesem Bereich in zwei wachsenden afrikanischen Großstädten genauer unter die Lupe zu nehmen. Als politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentren in Ostafrika beheimaten die beiden Städte mehrere UN-Organisationen. Sowohl das Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP als auch das Programm der Vereinten Nationen für menschliche Siedlungen UN Habitat haben ihren Hauptsitz in Nairobi, das mit dem United Nations Office in Nairobi (UNON) gleichzeitig der UN-Standort in Afrika ist. Das häufig als „heimliche Hauptstadt Afrikas“ bezeichnete  Addis Abeba ist u.a. Sitz der United Nations Economic Commission for Africa und zudem eine Stadt mitten im Umbruch – unzählige Baustellen und wie Pilze aus dem Boden schießende Wohnblöcke zeugen davon.

Sowohl in der kenianischen als auch in der äthiopischen Hauptstadt standen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern hochrangige und fachkundige Gesprächspartner der UN zur Verfügung: Ibrahim Thiaw, stellvertender UNEP-Exekutivdirektor und Aisa Kirabo Kacyira, stellvertende Exekutivdirektorin von UN-Habitat gaben Einblicke in die verschiedenen Dimensionen von Urbanisierung und ihren Herausforderungen, brachten aber auch ihre Hoffnung zu den vielfältigen Chancen, die in diesem Prozess stecken, zum Ausdruck. So bieten Städte beispielsweise gute Voraussetzungen für Armutsbekämpfung, Wirtschaftswachstum, energieeffizientes Bauen, technische Innovation oder kulturelle Entwicklung.

In beiden Städten wird urbane Entwicklung jedoch nicht „nur“ theoretisch von den UN geplant und gedacht. Besuche von Entwicklungsprojekten in zahlreichen Slumgebieten, in Universitäten, Schulen und Verwaltungen, einem öffentlichen Park sowie auf Straßenbahnbrücken, Busspurbaustellen und einer Müllhalde gaben den Reiseteilnehmern die Möglichkeit, ganz konkret zu recherchieren und zu erfahren, was die Vereinten Nationen und auch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit in Kooperation gemeinsam mit den Partnerorganisationen vor Ort leisten. Die Gruppe besuchte auch ein für Nairobi neuartiges Fahrradverleihsystem, das von UN-HABITAT direkt unterstützt wird und Studierende zunächst testen. Durch diverse Hintergrundgespräche in den deutschen Botschaften, mit lokalen und internationalen Experten und natürlich mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der UN konnten viele Perspektiven eingebracht und unterschiedliche Meinungen eingeholt werden.

Teilnehmerinne und Teilnehmer der DGVN-Journalistenreise
Teilnehmerinnen und Teilnehmer der DGVN-Journalistenreise am UN-Hauptquartier in Nairobi, Kenia

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Für eine Reiseteilnahme konnten sich Journalistinnen und Journalisten der über einhundert Tageszeitungen in Deutschland mit einem regionalen Fokus bewerben. Ausgewählt wurden Theresa Dräbing (Berliner Zeitung), Jenny Friedrich-Freksa (Kulturaustausch), Hindia Kiflai-Monim (freie Journalistin für Hörfunk und Blogs), Dieter Klink (Badisches Tagblatt), Ulrich Mendelin (Schwäbische Zeitung) und Karsten Versick (Mindener Tageblatt). In insgesamt 22 Beiträgen in einem Zeitraum von Februar bis Juni 2017 berichteten die Journalistinnen und Journalisten in regionalen Tageszeitungen und Hörfunk über nachhaltige Stadtentwicklung in Nairobi und Addis-Abeba und die unterstützende Arbeit der UN. Gemeinsam verfügen die auf der Recherchereise vertretenen Tageszeitungen über eine tägliche verkaufte Auflage von rund 570.000 Exemplaren. Hinzuzurechnen sind die Onlineberichterstattung über die häufig frequentierten Regionalportale der Zeitungen sowie die Hörfunkbeiträge.

Die Reise wurde aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert. 


Veröffentlichungen

Die folgende chronologische Liste dokumentiert die Veröffentlichungen zur Reise:


Badisches Tageblatt
, 11. Februar 2017, Aus aller Welt "Nur die Käsespätzle kommen nicht gut an" - DIETER KLINK

Badisches Tageblatt
, 14. Februar 2017, Themen der Zeit "Jeden Morgen, jeden Abend Stillstand" - DIETER KLINK

Mindener Tageblatt, 14. Februar 2017, Thema des Tages "Nicht nur "Flying Toilets" ein Problem" - KARSTEN VERSICK

Mindener Tageblatt, 20. Februar 2017, Thema des Tages "Der Traum von der Stadt ohne Staus" - KARSTEN VERSICK

Mindener Tageblatt
, 21. Februar 2017, Thema des Tages "Bildung ist der Schlüssel" - KARSTEN VERSICK

Badisches Tageblatt, 25. Februar 2017, Politik "Kenia regelt sein Wasserproblem" - DIETER KLINK

Schwäbische Zeitung
, 25. Februar 2017, Seite Drei "Erfolg mit Blondy" - ULRICH MENDELIN

Badisches Tageblatt
, 28. Februar 2017, Themen der Zeit "Polit-Berater kämpfen für Städte und für sich selbst" - DIETER KLINK

Schwäbische Zeitung
, 4. März 2017, Menschen "Fahrräder für Indien, Busse für Kenia" - ULRICH MENDELIN

Berliner Zeitung, 15. März 2017, Wirtschaft "Der langsame Abschied vom Bargeld"  - THERESA DRÄBING

Frankfurter Rundschau
 (online), 16. März 2017, Panorama "Ein Kanister Leben"  - THERESA DRÄBING

Berliner Zeitung, 17. März 2017, Politik "Wasser vom Kiosk" - THERESA DRÄBING

Schwäbische Zeitung
, 17. März 2017, Wirtschaft "Das zweite Leben der Uralt-Autos" - ULRICH MENDELIN

Deutschlandfunk Kultur, 27. März 2017, Radiobeitrag Die heimliche Hauptstadt Afrikas - HINDIA KIFLAI-MONIM

Schwäbische Zeitung, 5. Mai 2017, Meinung&Dialog "Äthiopiens Wachstum birgt sozialen Sprengstoff" - ULRICH MENDELIN

WDR COSMO
, 26. Juni 2017, Cities Äthiopiens boomende Hauptstadt und 27. Juni 2017, Radiobeitrag- HINDIA KIFLAI-MONIM

Schwäbische Zeitung, 28. Juni 2017, Nachrichten&Hintergrund "Metropolen im Dauerstau" - ULRICH MENDELIN

KulturaustauschSchöne neue Welt - JENNY FRIEDRICH-FREKSA

 

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