Veranstaltungsbericht Nachhaltigkeit COP23

Präsentation des "Momentum of Change Lighthouse Activities 2017"

 Am 12. Oktober lud die DGVN, gemeinsam mit dem UN-Klimasekretariat und der Hertie School of Governance, zur Präsentation der „Momentum of Change 2017 Lighthouse Activities“. Die Generalsekretärin des UN-Klimasekretariats Patricia Espinosa, Christian Flachsland, Assistent Professor an der Hertie School of Governance, und DGVN-Generalsekretärin Lisa Heemann unterstrichen den Beitrag der insgesamt 17 ausgewählten Projekte zu einer nachhaltigeren Welt. Anschließend konnten die Gäste drei der Projekte näher kennenzulernen, die beispielhaft zeigen, wie auch Unternehmen sich sowohl im sozialen als auch ökologischen Bereich engagieren.

Für weitere Informationen zu dem „Momentum for Change Award 2017“ sowie den weiteren Projekten verweisen wir Sie gerne auf die offizielle Pressemitteliung.

 

 

 

Pressemitteilung

Bekanntgabe der Gewinner des UN-Klimaschutz-Preises 2017 -
Auszeichnung für 19 Klimaschutz-Projekte aus aller Welt bei der UN-Klimakonferenz COP23 in Bonn

(Berlin, 12. Oktober 2017) – Heute wurde bekannt gegeben, welche neunzehn wegweisenden Initiativen aus der ganzen Welt mit dem „Momentum for Change”-Preis für Klimaschutz-Lösungen ausgezeichnet werden.

Die Preisträger verdeutlichen, wie sehr der weltweite Klimaschutz, der die nationalen Pläne auf Regierungsebene flankiert und unterstützt, zwei Jahre nach Verabschiedung des internationalen Klima-Abkommens von Paris an Fahrt aufnimmt.

Bei der Bekanntgabe in Berlin am Morgen waren auch Vertreter von drei der mit dem Preis ausgezeichneten Initiativen zugegen und sprachen über ihre innovativen Lösungen zum Klimaschutz.

  • Ein weiblich-geführtes ökologisches Modeunternehmen, das seine Kollektion aus recycelten Stoffen herstellt und darüber hinaus auch behinderten Frauen Arbeit bietet.
  • Ein Zusammenschluss der Unternehmen TerraCycle, SUEZ, und Procter & Gamble, der Strände von Plastik befreit und dieses dazu verwendet, Flaschen für Haarwaschmittel herzustellen, die zu 25 Prozent aus dem an den Stränden gefundenen Plastik bestehen.
  • Das britische Warenhaus Marks & Spencer, dessen Nachhaltigkeitsstrategie es dem Unternehmen bereits seit 2014 ermöglicht, weltweit klimaneutral tätig zu sein.

 Zu den Preisträgern gehören auch ein südafrikanisches Finanzunternehmen, dass privatwirtschaftliches Kapital einsetzt, um die weltweit erste große Solarthermie-Anlage zu errichten; ein südkoreanisches Kreditkartenunternehmen, dessen Kunden Bonuspunkte für nachhaltiges Verhalten bekommen; sowie ein benutzerfreundliches IT-Tool, das Bauern in Kolumbien und Honduras dabei hilft, klimafreundliche Entscheidungen zu treffen.

Des Weiteren: Das erste kalifornische Weingut, das zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben wird, und eine Firma, die entlegene Kliniken in Afrika mit Solarenergie versorgt und so dazu beiträgt, dass ansonsten unter der Geburt gefährdete Leben von Müttern und Babys gerettet werden.

Die Initiative „Momentum for Change“, die vom UN-Klimasekretariat ins Leben gerufen wurde, zeichnet einige der innovativsten, praktischsten und vorbildhaftesten Projekte und Aktivitäten aus, mit deren Hilfe sich Menschen auf der ganzen Welt dem Klimawandel entgegen stellen.

Ausgewählte Projekte, so genannte „Leuchtturm-Projekte”, veranschaulichen, in welchem bislang nicht gesehenen Ausmaß auf der ganzen Welt aktiv Klimaschutz betrieben wird. Die heutige Bekanntgabe ist aber auch in dem Kontext zu sehen, dass es darum geht, Klimaschutz auf allen Ebenen zu mobilisieren - parallel zu den Bemühungen auf Regierungsebene, das Klimaabkommen von Paris und die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen umzusetzen.

Patricia Espinosa spricht auf dem Podium

Patricia Espinosa, Exekutivsekretärin des UN-Klimasekretariats: „Ich gratuliere den diesjährigen Preisträgern von ganzem Herzen. Ihre Leidenschaft und ihre Kreativität, aber auch ihre Fähigkeit, vor Ort Positives zu bewirken, sind herausragende Beispiele dafür, wie sehr auf der ganzen Welt und in allen gesellschaftlichen Bereichen daran gearbeitet wird, das Pariser Klimaabkommen und die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen umzusetzen.“

Espinosa weiter: „Wir wissen, dass in den nächsten Jahren und Jahrzehnten mehr Klimaschutz nötig ist, wenn wir unsere gemeinsam-gesetzten Ziele erreichen wollen. In Entwicklungs- ebenso wie in Industrieländern dienen diese Leuchtturm-Projekte daher als Inspiration für andere, die ihrerseits dann auch auf lokaler, regionaler und Landesebene dafür sorgen, dass wir gemeinsam, schneller und weiter vorankommen.“

Die 19 ausgezeichneten Projekte widmen sich jeweils einem der fünf Schwerpunkte der „Momentum for Change”-Initiative: Frauen erzielen Resultate (Women for Results), Finanzierung für klimafreundliche Investitionen (Financing for Climate Friendly Investment), Lösungen im Informations- und Kommunikationsbereich (ICT Solutions), Globale Gesundheit (Planetary Health), und Klimaneutral Jetzt! (Climate Neutral Now). Alle 19 Projekte werden im Rahmen einer Veranstaltungsreihe bei der UN-Klimakonferenz in Bonn COP23 (6.-17. November 2017) ausgezeichnet.

Die „Momentum for Change” Leuchtturm-Projekte des Jahres 2017 sind:

Frauen erzielen Resultate

  • Aus Müll wird mehr | Italien: QUID ist ein von Frauen geführtes Öko-Modeunternehmen, dass hoch-qualitative Textilabfälle anderer Unternehmen verwendet, um daraus eine Damen-Mode-Linie zu produzieren.
     
  • Mehr Korallen bedeutet mehr Fisch | Belize: Eine Initiative, die häufig von Frauen geleitete Workshops über Meerestourismus und die Ökosysteme in Lagunen besonders für Frauen anbietet mit dem Ziel, Korallenriffe wiederherzustellen.
  • Nachhaltige Landwirtschaft in Quito | Ekuador: Frauen lernen, wie Nahrungsmittel auf nachhaltige Weise produziert werden können – mit Hilfe landwirtschaftlicher Maßnahmen, die Lebensmittelsicherheit erhöhen und gleichzeitig Treibhausgas-Emissionen senken.
  •  Widerstandsfähige Existenzgrundlagen schaffen | Sudan: Im Rahmen dieses Projekts werden weibliche Bauern in der Anwendung landwirtschaftlicher Techniken geschult sowie darauf vorbereitet, Zugang zu Finanzierungsquellen zu erschließen.

Finanzierung für klimafreundliche Investitionen

  • Kaxu Solar One | Südafrika: Die „Internationale Finanz-Corporation”, die sich als Teil der Weltbank-Gruppe auf die Förderung privater Unternehmen spezialisiert hat, hat in der Privatwirtschaft Kapital mobilisiert, um die weltweit erste große Solarthermie-Anlage zu bauen. Diese Anlage verwendet Parabol-Spiegel, um die die Sonnenstrahlen zu reflektieren und konzentrieren und so Hitze zu generieren, deren Dampf Turbinen antreibt und Elektrizität produziert. So wird sauberer Grundlast-Strom ins südafrikanische Netz eingespeist.
  • Grüne Finanzierung für schwedische Kommunen | Schweden: Kommuninvest ist ein kommunale Finanzagentur, die „grüne“ Anleihen herausgibt, um nachhaltige Projekte von Städten und Kommunen zu finanzieren. All diese Projekte müssen gewisse Nachhaltigkeitskriterien erfüllen und werden von einem Umwelt-Ausschuss auf ihre „grüne“ Kreditwürdigkeit geprüft.
  •  Partnerschaften für Klimarisiko-Versicherungen | Grenada, Jamaika, und St. Lucia: Die „Munich Climate Insurance Initiative” hat eine Reihe von Mikro-Versicherungsprodukten entwickelt, bei denen der Versicherer gemeinsam mit Genossenschaftsbanken und Bauerngenossenschaften oder anderen Vereinigungen für durch Extremwetterereignisse verursachte Schäden in der Karibik aufkommen.

Lösungen in Informations- u. Kommunikationstechnologie

  • IT-Lösungen für Kleinbauern | Kolumbien und Honduras: Diese leicht zu handhabende Applikation stellt Wetterdaten zusammen und wertet sie aus. Daraus werden Informationen für Kleinbauern erstellt, die diesen helfen, Klimaveränderungen zu erkennen und ihren Anbau entsprechend anzupassen. Sie bekommen auch Informationen, wieviel Wasser beispielsweise verwendet werden muss. So wird der Anbau nachhaltiger und darüber hinaus steigt die Lebensmittelsicherheit.
  •  SmartICE | Kanada: SmartICE ist nichts anderes als ein praktisches Beispiel für Anpassung an den Klimawandel. Weil das Eis in der Arktis schmilzt, wird es für die Einwohner der Küstenorte gefährlicher, zu fischen und zu jagen. Das von der Memorial University von Neufundland entwickelte „SmartICE” genannte Tool liefert den Inuit, den Ureinwohnern der Region, Informationen darüber, welche Routen über das Eis sicher sind so dass sie ungefährdet den Aktivitäten nachgehen können, mit denen sie ihren Lebensunterhalt bestreiten.
  • Grüne Kreditkarte | Südkorea: Die Inhaber einer „Grünen Kreditkarte” werden in Südkorea mit Bonuspunkten belohnt, wenn sie beispielsweise nachhaltige Produkte kaufen, den öffentlichen Nahverkehr nutzen, oder weniger Strom oder Wasser verbrauchen. Die Bonuspunkte können dann in Bargeld eingetauscht werden – oder können an Umweltfonds gestiftet werden.

 

 Globale Gesundheit

  • Wiederherstellung von Moorlandschaften in Russland | Russland: Dieses Projekt, das von der Non-Profit-Organisation Wetlands International und der deutschen sowie der russischen Regierung gefördert wird, bemüht sich um die Wiederherstellung der Moorlandschaften in Russland. Außerdem geht es darum, das Feuer-Risiko in diesen Gegenden zu senken und den sonst daraus entstehenden Ausstoß von CO2 und Rußpartikeln zu vermeiden.
  • Befreiung der Ozeane von Plastik | Haiti, Südostasien: Plastik wird zur Währung gemacht: In Haiti gibt es 20 Recycling-Stellen, bei denen Plastik gegen Bargeld oder andere Leistungen, wie zum Beispiel Schulgeld, umgetauscht werden kann. Indem Gewässer von Plastik befreit werden, werden auch Brutstätten für Moskitos ausgeräumt und so die Verbreitungsgefahr tropischer Krankheiten reduziert.
  • Zurückgewinnung von Gewässern und Stränden | France: TerraCycle und Procter & Gamble, beide international operierende Unternehmen, haben sich zusammengetan, um die weltweit erste recycelbare Schampoo-Flasche herzustellen. Die Flasche wird zu einem Viertel aus Plastik hergestellt, das an Stränden und in Gewässern gefunden wurde. Plastik in den Gewässern ist schädlich für alle Lebewesen in den Gewässern und letztendlich auch für Menschen.
  •  Nachhaltige Energie für sichere Geburten | Äthiopien, Sierra Leone, Liberia, Uganda, Tansania, Kenia und Nepal: Die Initiative „We Care Solar” stellt Kliniken in entlegenen und schlecht ausgetatteten Gegenden einfach zu handhabende „Solar-Koffer” zur Verfügung, die auf einfachem und sauberem Wege Energie liefern. So müssen Krankenschwestern und Geburtshelfern nicht mehr unter der Geburt mit gefährlichen Kerosinlampen, Kerzen oder Dieselgeneratoren hantieren, um gute Sicht zu haben.

Klimaneutral Jetzt!

  • Plan A für die Reduktion von Kohlenstoff | Großbritannien: Das führende britische Einzelhandelsunternehmen Marks & Spencer hat seine „Plan A” genannte Nachhaltigkeitsstrategie bereits vor zehn Jahren ins Leben gerufen. Vor fünf Jahren, in 2012, wurde Marks & Spencer in Großbritannien und Irland kohlenstoffneutral, und in 2014 gelang dieser Schritt für den weltweiten Geschäftsbetrieb.
  • Wein rein aus Erneuerbaren | Vereinigte Staaten von Amerika: Das Weingut Fetzer Vineyards ist schon seit Jahrzehnten führend im Bereich der Nachhaltigkeit und hat es nun als erstes Weingut der Welt geschafft, seinen Betrieb zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen zu betreiben.
  • Klimaneutral-Plan von Aviva | Vereinigtes Königreich: Im Jahr 2006 gelang es dem Aviva, als erster weltweit-operierender Versicherungsgruppe, die aus ihrer Aktivität resultierenden Emissionen komplett auszugleichen. Im Lauf der vergangenen zehn Jahre hat Aviva durch die Finanzierung von Klimaschutzprojekten 1,3 Milliarden Tonnen an CO2-Ausstoß eingespart.
  • Klimaneutrale Truppe | Vereinigte Arabische Emirate: Die Polizei in Dubai erfasst und reduziert ihre Treibhausgasemissionen mit dem Ziel, bis 2020 klimaneutral zu werden – womit sie die erste klimaneutrale Polizei der Welt wäre.

 Die Leuchtturm-Projekte 2017 wurden von einem international-besetzten Beratungsgremium im Rahmen der „Momentum for Change”-Initiative des UN-Klimasekretariats ausgewählt. Diese Initiative wird von der  Rockefeller Foundation unterstützt und in Zusammenarbeit mit dem World Economic Forum, der Global e-Sustainability Initiative (GeSI) und der Initiative Women in Sustainability, Environment and Renewable Energy Forum (WiSER) von Masdar betrieben.

„Das Pariser Klimaabkommen und die jüngst eingerichtete Marrakesch-Partnerschaft für Weltweiten Klimaschutz zeigen, dass wir alle miteinander gemeinsam, schneller und weiter vorangehen müssen, um den Klimaschutz bis 2020 voranzubringen“, so Teresa Ribera, Vorsitzende des „Momentum for Change“-Beratergremiums. „Die Momentum for Change-Initiative, die es jetzt seit bereits sechs Jahren gibt, und auch die neuen Leuchtturm-Projekte 2017, sind optimal, um als Inspiration für schnellen und effizienten und gleichzeitig ganz praktischen und reproduzierbaren Klimaschutz, zu dienen. Die Leuchtturm-Projekte – von kleinen wie großen Unternehmen, Organisationen und Regierungen - zeigen vielfältige Ansätze, das Klima zu schützen sowie Umweltbewusstsein, Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung zu stärken. Die Tatsache, dass wir dieses Jahr über 460 Bewerbungen hatten, verdeutlicht, wie verbreitet Ansätze zum Klimaschutz sind, und wie hochwertig die klimafreundlichen Lösungen sind, die es überall auf der Welt gibt.”&nb

Lisa Heemann spricht auf dem Podium

Hinweis: Am Donnerstag, 12. Oktober, findet von 11 bis 12 Uhr in der Hertie School of Governance, Friedrichstraße 180, in Berlin ein feierliches Event mit der Exekutivsekretärin des UN-Klimasekretariats, Patricia Espinosa, und drei der ausgezeichneten Initiativen statt.

 

Material zum Download:

Bildmaterial und Hintergrund-Infos stehen auf diesem Trello Board zum Download zur Verfügung.

 

Weitere Infos:
Nick Nuttall, Sprecher des UN-Klimasekretariats

nnuttall@unfccc.int | +49 228 815 1400 or +49 152 0168 4831 (mobil)

 

Sarah Marchildon, Teamleiterin Momentum for Change, UN-Klimasekretariat

smarchildon@unfccc.int | +49 228 815 1065