Wirtschaftliche Entwicklung

Internationales Jahr der Hülsenfrüchte 2016

Logo mit unterschiedlichen bunten Hülsenfrüchte, die über einem Löffel fliegen

Logo des „Internationalen Jahres der Hülsenfrüchte“

Erbsen, Bohnen, Kichererbsen, Linsen und andere Hülsenfrüchte (Leguminosen) können einen wesentlichen Beitrag zur Überwindung von Hunger und Unterernährung sowie zu einer vielfältigen, gesunden Ernährung leisten. Sie besitzen einen hohen Eiweißgehalt und können auch auf kleinen Anbauflächen große Erträge liefern. Die Vereinten Nationen versprechen sich vom Internationalen Jahr mehr Aufmerksamkeit für die Bedeutung der Hülsenfrüchte, von denen es mehrere Hundert Arten und Sorten gibt.

Die UN-Generalversammlung hat im Dezember 2013 beschlossen, das „Internationale Jahr der Hülsenfrüchte“ auszurufen. Mit der Koordination der Informationsarbeit und Aktivitäten wurde die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO beauftragt. Sie arbeitet dabei eng mit Regierungen, nichtstaatlichen Organisationen und anderen relevanten gesellschaftlichen Gruppen zusammen.

Als Hülsenfrüchte werden die Kulturpflanzen bezeichnet, die ausschließlich zur Gewinnung von Trockenkörnern angebaut werden. Nicht zu den Hülsenfrüchten gehören all jene Kulturpflanzen, die für Nahrungszwecke grün geerntet werden, die in erster Linie zur Ölgewinnung dienen oder die als Gemüsepflanzen klassifiziert werden.

Ein Lob der boden- und klimafreundlichen Pflanzen

Zu den Besonderheiten von Hülsenfrüchten gehört es, dass ihre Wurzelknöllchen eine Symbiose mit Bakterien eingehen. Diese können Stickstoff aus der Luft binden, die dann den Hülsenfrüchten zur Bildung von Eiweiß oder den nachfolgenden Kulturen als Pflanzennährstoff zur Verfügung stehen. Im Beschluss der UN-Generalversammlung wird deshalb festgestellt, dass die stickstoffbindenden Eigenschaften der Hülsenfrüchte „zur Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit beitragen und sich positiv auf die Umwelt auswirken können“.

In Tüten auf dem Boden befinden sich verschiedene Hülsenfrüchte, eine Person hält eine Sorte in der Hand
Eine Vielzahl von Hülsenfrüchten trägt seit Jahrtausenden zu einer vielfältigen, gesunden Ernährung der Menschheit bei. Foto: FAO

Es hat sich erwiesen, dass ein verstärkter Anbau von Hülsenfrüchten wesentlich zu Schutz, Erhaltung und nachhaltiger Nutzung der biologischen und genetischen Vielfalt beiträgt, ebenso zur Vielfalt der Agrarökosysteme. So erweitert dieser Anbau das Fruchtfolgespektrum. Außerdem werden die Leguminosen als Bodendecker und für die Bekämpfung von Bodenerosion geschätzt. Viele Arten wachsen auch auf degradierten Böden.

Durch die Einsparung von mineralischen Stickstoffdüngemitteln werden zugleich die CO2-Emissionen verringert. Zu erwähnen ist außerdem, dass blühende Leguminosen eine ausgezeichnete Nahrungsgrundlage für Nektar sammelnde Insekten bieten.

Fast unverzichtbar für eine gesunde Ernährung

Hülsenfrüchte wie Erbsen und Bohnen können dabei helfen, das für Herz und Gefäße schädliche Cholesterin im Blut zu senken. Für die Ernährung ist bedeutsam, dass Hülsenfrüchte doppelt so proteinreich wie Weizen sind und sogar drei Mal mehr Eiweiß als Reis enthalten. Vor allem bei fleischarmer, vegetarischer und veganer Ernährung sind sie fast unverzichtbar. Da sie kein Gluten enthalten, sind sie ideal für Zöliakier geeignet.

Internationale Gesundheitsexperten empfehlen den Verzehr von Hülsenfrüchten als Teil einer gesunden Ernährung. Sie können Übergewicht, Diabetes, Herzerkrankungen und Krebs vorbeugen. Die Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet müssen aber noch intensiviert werden. Sie sind Erfolg versprechend, weil Hülsenfrüchte nur wenig Fett und kein Cholesterin enthalten. Der Reichtum an Mineralien und Vitamin B kann ebenfalls die Gesundheit fördern.

Ein Poster mit 13 verschiedenen Hülsenfrüchten, Logo und dem Hashtag #IYP2016
Plakat der FAO, um das Internationale Jahr der Hülsenfrüchte bekannt zu machen.

Fleisch und/oder Hülsenfrüchte?

In Ländern wie Indien, wo traditionell aus religiösen Gründen wenig Fleisch verzehrt wird, haben Hülsenfrüchte eine besonders große Bedeutung für die Ernährung der Bevölkerung. Indien ist mit großem Abstand das wichtigste Anbauland und zusätzlich der bedeutendste Importeur von Hülsenfrüchten. In vielen anderen Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas können sich viele Menschen nur selten Fleisch leisten, sodass auch hier die Hülsenfrüchte eine große Bedeutung für die Proteinernährung besitzen.

In Mitteleuropa ist nach dem Zweiten Weltkrieg mit steigendem Wohlstand der Fleischkonsum gestiegen, und die Bedeutung der Hülsenfrüchte für die Ernährung ging zurück. Sie erleben aber eine Renaissance für den Teil der europäischen Bevölkerung, der bewusst den Fleischkonsum reduziert oder ganz aufgibt, um sich vegetarisch oder vegan zu ernähren.

Ein globaler Markt entsteht

Weltweit steigt die Produktion von Hülsenfrüchten lediglich um etwa ein Prozent im Jahr. Die Steigerungsrate des Weizenanbaus war in den letzten Jahrzehnten mehr als drei Mal so hoch und die von Mais sogar etwa sechs Mal so hoch.

In aufstrebenden Schwellenländern wie China nimmt der Fleischkonsum stark zu, und parallel dazu sinkt die Bedeutung der Hülsenfrüchte für die Ernährung. Das hat dazu geführt, dass der Anbau von Hülsenfrüchten in China in den letzten 40 Jahren um mehr als die Hälfte zurückgegangen ist.

Demgegenüber hat Myanmar (Burma) den Anbau von Hülsenfrüchten in den letzten zehn Jahren so stark erhöht, dass es nach Indien zum weltweit zweitwichtigsten Produzenten aufgestiegen ist. In Afrika hat Äthiopien durch die Verdoppelung des Anbaus von Hülsenfrüchten (vor allem Kichererbsen) in den letzten Jahren neben Nigeria eine führende Rolle übernommen. Unter den Industrieländern hat Kanada den Anbau von Hülsenfrüchten am stärksten ausgeweitet. Weltweit werden etwa 15 bis 20 % aller Hülsenfrüchte als Viehfutter verwendet.

„Das Internationale Jahr der Hülsenfrüchte wird das Bewusstsein schärfen für wichtige Kulturpflanzen, die essenziell sind für eine nachhaltige Landwirtschaft und Ernährung.“

FAO-Generaldirektor José Graziano de Silva

Obwohl es eine Reihe von Hülsenfruchtarten gibt, die nur in einzelnen Ländern oder begrenzten Regionen gegessen werden, hat sich der internationale Handel stark erhöht. Wurden Anfang der 1960er Jahre nur 3 % aller geernteten Hülsenfrüchte exportiert, so stieg dieser Anteil für den Zeitraum 2009-2011 auf 18 %.

Deutsche Bundesregierung will Forschung und Anbau fördern

Nicht zuletzt wegen des geringen Anbaus von Hülsenfrüchten wurde in Deutschland wenig in neue Züchtungen investiert. Forscher und Bauern fordern hier dringend mehr Förderung. Die Bundesregierung hat dazu eigens eine "Eiweißpflanzenstrategie" verabschiedet. Für die Umsetzung trägt das Bundeslandwirtschaftsministerium die Verantwortung. Das Ministerium stellt auf seiner Website fest: „Die Erweiterung der Fruchtfolgen in Deutschland und Europa um weitere Pflanzen, insbesondere um Leguminosen (Hülsenfrüchte), ist ein wichtiger Baustein für eine nachhaltigere Landwirtschaft.“

Auf der englischsprachigen Website des „Internationalen Jahres der Hülsenfrüchte“ finden Sie ausführliche Informationen zur Verbreitung und zum Nutzen dieser Pflanzen.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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