UN-Aktuell Meinung

Deutschlands freiwillige Zahlungen sind auch im letzten Jahr noch deutlicher gestiegen

Auch in diesem Jahr veröffentlicht die DGVN eine Rangliste zu den freiwilligen Beitragsleistungen an das UN-System (vgl. die beiliegende Tabelle mit den Daten bis einschließlich 2016). Im Einzelnen handelt es sich um sieben UN-Fonds und -Programme, die ihre Aktivitäten über freiwillige Beitragsleistungen der UN-Mitgliedstaaten finanzieren. Dabei ist zwischen Beiträgen zu unterscheiden, die nicht-zweckgebunden sind (Kernbeiträge), und solchen, die für die Durchführung bestimmter Programme oder Projekte zweckgebunden sind (Nicht-Kernbeiträge).

In der beiliegenden Tabelle geht es um die Positionierung Deutschland unter den jeweiligen „TOP 10“ Mitgliedstaaten im Zeitablauf, wobei insbesondere die Entwicklung in den letzten Jahren von Interesse ist. Im Vordergrund stehen hier die freiwilligen Beiträge, die aus Kernbeiträgen und/oder Nicht-Kernbeiträgen bestehen. Bei den aufgeführten Institutionen steht das „Ranking“ im Zentrum des Interesses. Zusätzliche Informationen, wie die Nennung absoluter Zahlen-Werte, sollen lediglich das Bild abrunden.

In Spalte 1 werden die Kernbeiträge an das UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) aufgeführt.  Hier lag Deutschland weiterhin mit 4,47 Prozent am unteren Ende auf Platz 10. Aber bei den Gesamtbeiträgen (d. h. einschließlich der zweckgebundenen Mittel) hat Deutschland einen gewaltigen Sprung gemacht. Waren es 2015 insgesamt 150,26 Mio. US-Dollar, so ist dieser Betrag 2016 auf 258,01 Mio. US-Dollar gestiegen. Damit lag Deutschland 2016 nach Japan und den USA auf dem 3. Platz.

Beim Umweltfonds des UN-Umweltprogramms (UNEP) lag Deutschland 2016 mit 8,41 Mio. US-Dollar an 1. Stelle. Es folgten Frankreich mit 7,55 und die Niederlande mit 6,36 Mio. US-Dollar. Bei den zweckgebundenen Beiträgen nahm Deutschland mit 10,90 Mio. US-Dollar den 3. Rang nach Norwegen mit 23,06 und den USA mit 15,35 Mio. US-Dollar ein.

Ranking-Tabelle
Um die Tabelle zur deutschen UN-Finanzierung näher zu betrachten, klicken Sie bitte auf das Bild.

In der dritten Spalte wird der UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA) aufgeführt. Hier lag Deutschland bei den Kernbeiträgen mit  24,4 Mio. US-Dollar an 7. Stelle. Die USA lagen 2016 mit ihrem Kernbeitrag in Höhe von 30,7 Mio. US-Dollar an 4.  Stelle. Wie bereits von der US-Administration angekündigt, werden die USA ihrer freiwilligen Beitragsleistungen ab sofort einstellen.

Es folgt das Amt des Hohen Kommissars der UN für Flüchtlinge (UNHCR). Hier belegte Deutschland mit 360,1 Mio. US-Dollar nach den USA den 2. Rang.  Die Steigerung gegenüber 2015 um 216 Mio. US-Dollar ist beträchtlich gewesen. Die Kernbeiträge beliefen sich nur auf 12,6  Mio. US-Dollar; das entspricht 4 Prozent des deutschen Gesamtbeitrags. Ausschließlich bezogen auf die nicht-zweckgebundenen Beiträge belegte Deutschland daher 2016 nur den 16. Rang.

UNICEF erhielt 2016 insgesamt 226,2 Mio. US-Dollar. Deutschland lag damit unter den staatlichen Beitragszahlern wiederum auf dem 3. Rang nach den USA und Großbritannien. Addiert man die Beiträge der UNICEF-Nationalkomitees, lagen die USA mit 931 Mio. US-Dollar vor Großbritannien mit 475, Japan mit 331 und Deutschland mit 320 Mio. US-Dollar.

Bei dem Hilfswerk der UN für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) ist Deutschland um einen Platz höher auf Rang 3 gekommen. Nach den USA mit 368,43 und Saudi-Arabien mit 148,00 Mio. US-Dollar hat Deutschland im letzten Jahr  einen freiwilligen Beitrag in Höhe von 73,63 Mio. US-Dollar gezahlt.

Beim UN-Welternährungsprogramm (WFP) nahm  Deutschland 2016 nach den USA mit 2028 Mio. US-Dollar den 2. Rang mit 885 Mio. US-Dollar ein. Im Vergleich zu 2015 bedeutete dies einen deutlichen Sprung um rund 556 Mio. US-Dollar.

Wie der beiliegenden Tabelle zu entnehmen ist, hat Deutschland sich innerhalb eines Jahres bei vier Organisationen um jeweils einen Rang und beim UNHCR sogar um zwei Plätze verbessert. Lediglich beim Kernbeitrag für das UNDP wurde eine Verschlechterung um einen Platz festgestellt.

Bei den absoluten Zahlen-Werten sind die Steigerungen gegenüber 2015 beim UNHCR und WFP besonders herausragend.

Sämtliche Daten wurden den Jahresberichten der genannten UN-Institutionen entnommen. Bei dieser Analyse blieben die Beiträge der Europäischen Kommission unberücksichtigt. Auffällig ist, dass der Anteil der zweckgebundenen Beiträge gegenüber den Kernbeiträgen deutlich überwiegt – ein Trend, der generell im UN-System zu beobachten ist.

Klaus Hüfner

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