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Wirtschaftsboom unter harter Führung – ein Entwicklungsmodell für Afrika? - Journalistenreise zu UN-Projekten in Ruanda

Viele Motorradfahrer warten an einer Straßenkreuzung in Ruandas Hauptstadt Kigali

Im Zentrum von Kigali UN photo/Rick Bajornas

Der Völkermord in Ruanda hat das Land und seine Gesellschaft nachhaltig traumatisiert und geprägt. Etwa eine Million Menschen starben, die Infrastruktur wurde fast vollständig zerstört. Vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht hat sich der ostafrikanische Staat in den letzten 24 Jahren jedoch schnell erholt. Vielfach ist im internationalen Kontext vom Musterbeispiel und der Erfolgsgeschichte Ruandas die Rede.

Die Wachstumsraten des Staates lagen im vergangenen Jahrzehnt stetig um die sieben Prozent. In der Hauptstadt Kigali entstehen Shoppingcenter, Bürokomplexe und Hotels. Die Straßen sind sauber, beleuchtet und sicher. Ruanda wirbt offensiv um ausländische Investitionen und gilt laut der Weltbank als besonders unternehmerfreundlich. Zuletzt eröffnete der Volkswagenkonzern eine Fabrik, bereits im Mai sollen erste Fahrzeuge – made in Ruanda – vom Band gehen.

Auch in anderen Fragen leistet die Republik Pionierarbeit:  Um die Umwelt zu schützen, hat das Land ein komplettes Plastiktütenverbot erlassen. Im Parlament liegt der Anteil von Frauen bei über 60 Prozent und ist damit höher als in jedem anderen Land. Auch bei der Gesundheitsversorgung ist Ruanda auf dem afrikanischen Kontinent führend. Fast 100 Prozent der Bevölkerung sind krankenversichert.

Doch die Vorreiterrolle Ruandas hat ihre Schattenseiten. Der Präsident Paul Kagame führt das Land seit dem Jahr 2000 mit harter Hand. Den einen gilt er als Garant für Stabilität, anderen als unerbittlicher Autokrat. Eine lebendige Zivilgesellschaft, der freie Austausch von Meinungen sowie ein echter demokratischer Wettbewerb werden kaum zugelassen. Während Ruanda in wirtschaftlichen Rankings Spitzenplätze belegt, liegt das Land auf der internationalen Rangliste der Pressefreiheit auf dem 156. Platz. Auch der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen hat das Land gemahnt, Presse-und Versammlungsfreiheit konsequent umzusetzen.

Für die Vereinten Nationen ist Ruanda nicht nur aufgrund dieser zweischneidigen Entwicklung ein herausfordernder und spezieller Partner. Der brutale Völkermord von 1994 gilt als beispielhaft für das Versagen der Weltgemeinschaft und insbesondere des Sicherheitsrates. Im Rahmen des Wiederaufbauprozesses wiederum spielten die Vereinten Nationen eine entscheidende Rolle und arbeiteten eng mit der Regierung des Landes zusammen.

Die UN sind derzeit mit 16 residierenden und 8 nicht-residierenden Organisationen und Programmen im Land vertreten. Als einer von acht Staaten wurde Ruanda zudem als Pilotland für die neue UN-Strategie unter dem Titel „Delivering as One“ ausgewählt. Dabei experimentieren die Länder mit Möglichkeiten, die Wirkung des UN-Systems durch kohärentere Programme zu erhöhen und Kosten für Regierungen und UN durch Nutzung von Synergien zu senken.

Ein Schwerpunkt der Vereinten Nationen in Ruanda liegt in der Förderung eines Wirtschaftswachstums, das Armut reduziert, umweltverträglich und inklusiv ist. Diese drei Aspekte bestimmen auch die Regierungsagenda zur ökonomischen Transformation. Die verschiedenen Organisationen der Vereinten Nationen unterstützen die Regierung  durch die Aus- und Weiterbildung von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen, Erarbeitung grüner Wachstumsstrategien, Innovationsförderung sowie der Erschließung globaler Märkte.

Auf der Reise wollen wir den Aufschwung Ruandas näher unter die Lupe nehmen – die Herausforderungen, die Erfolgskonzepte und die Schattenseiten. Und wir wollen beleuchten, welche Rolle die Vereinten Nationen dabei spielen. Wie gehen die Organisationen mit den Widersprüchen des Landes um? Lassen sich Kooperation mit der Regierung auf der einen und der deutliche Einsatz für Menschenrechte auf der anderen Seite verbinden? Was bringt die „Delivering as One“-Strategie? Und kann Ruanda in Sachen moderner Entwicklungsstrategien wirklich als Muster für andere Staaten dienen?

Diesen und weiteren Fragen wird die Journalistenreise in Gesprächen mit Vertreterinnen und Vertretern der Vereinten Nationen, Regierung und Zivilgesellschaft sowie in spannenden Projektbesuchen nachgehen.

Journalistenreisen der DGVN

In der deutschen Medienlandschaft spielen entwicklungspolitische Fragestellungen der Vereinten Nationen meist eine untergeordnete Rolle, da sie allzu häufig durch Krisen und konfliktbedingte Themen verdrängt werden. Um einen Beitrag zu einem differenzierteren Bild über die weltweiten Aufgaben und Herausforderungen der Vereinten Nationen zu leisten, bietet die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V. (DGVN) in regelmäßigen Abständen Informations- und Recherchereisen für Journalistinnen und Journalisten an.

Reisezeitraum und Programm

Die Reise findet vom 11. August bis 19. August 2018 (+/- 1 Tag) statt. Zunächst führt die Reise in die Hauptstadt Kigali. Von dort aus werden zum Teil mehrtägige Besuche in andere Teile des Landes stattfinden.  Im Mittelpunkt der Reise stehen Gespräche mit UN-Mitarbeiterinnen und -mitarbeitern sowie Entwicklungsexpertinnen und -experten, überdies erfolgen Besuche und Gespräche mit betroffenen Menschen und politischen Mandatsträgern. Genaue Angaben zur Reiseplanung folgen. Abweichungen der Flüge und der genauen Reiseplanung können sich aus organisatorischen Gründen noch ergeben.

Zielgruppe

Teilnehmen können insgesamt acht Personen. Im Fokus der Ausschreibung stehen Journalistinnen und Journalisten, die für etablierte regionale sowie überregionale Printmedien tätig sind. Radiojournalistinnen und –journalisten sowie freiberuflich Tätige können sich ebenfalls bewerben, insofern sie eine Abnahme ihrer Medienbeiträge sicherstellen können.

Reisestipendium und Kosten

Für die Mitreisenden fällt ein Eigenbeitrag in Höhe von 300€ an, der von den jeweiligen Heimatredaktionen oder den Reisenden übernommen werden kann. Die darüber hinausgehenden Kosten der Reise (Flüge, Unterbringung/Frühstück sowie Transfer- und weitere programmbezogene Kosten vor Ort) werden von der DGVN aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) übernommen. Weitere Kosten des Aufenthalts – z.B. für Mahlzeiten oder sonstige im Zusammenhang mit der Reise entstehende Kosten (Impfungen etc.) – werden nicht übernommen. Da die DGVN nicht als Reiseveranstalter im Sinne des §§ 651a ff. BGB anzusehen ist, akzeptieren alle Reisende gegenüber der DGVN jeglichen Haftungsausschluss.

Bewerbung und Bewerbungsfrist - 30. Juni 2018

Sollten Sie als verantwortliche/r Leiter/in eines regional etablierten Mediums Interesse an der Teilnahme haben, freuen wir uns über eine schriftliche Bewerbung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Ihrem festen Redaktionsstamm. Der Bewerbung beizufügen ist ein Motivationsschreiben mit einer Auflistung möglicher journalistischer Beiträge im Nachgang der Reise sowie

  • drei Arbeitsproben,
  • ein tabellarischer Lebenslauf,
  • eine Einverständniserklärung des Arbeitgebers/Mediums, den Mitarbeiter/die Mitarbeiterin für die Dauer der Reise freizustellen und
  •  die journalistischen Beiträge in Folge der Reise zeitnah zu veröffentlichen.

Die Bewerbung kann per E-Mail an Josephine Schulz (schulz@dgvn.de) übersendet werden. Die Bewerbungsfrist endet am 30. Juni 2018. Über die Auswahl der Reisenden entscheidet die DGVN. Ein Rechtsanspruch besteht nicht.

Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne per E-Mail oder telefonisch unter 030-259375-24 zur Verfügung. Weitere Informationen – auch zu unseren zurückliegenden Journalistenreisen – finden Sie außerdem unter www.dgvn.de/veranstaltungen/journalistenreisen/