Menschliche Entwicklung

Sicherheit und Menschenrechte am seidenen Faden

Eine Textilarbeiterin in Gazipur, Bangladesch (Foto: UN Photo/Kibae Park)

Über tausend Menschen starben im April beim Einsturz des achtstöckigen Rana Plaza-Fabrikgebäudes bei Dhaka in Bangladesch - die größte Industriekatastrophe in der Geschichte des Landes. Mit einem Abkommen für Gebäudesicherheit und Brandschutz sollen solche Katastrophen in Zukunft verhindert werden. Über 30 ausländische Unternehmen, darunter auch mehrere deutsche Ketten, haben zugesagt, das Abkommen zu unterzeichnen. Mehr als 1.000 Fabriken in Bangladesch sollen an dem Verbesserungsprogramm teilnehmen.

Der Einsturz des Rana Plaza war der größte in einer Reihe von Unfällen in der Textilindustrie des Landes. Bei einem Feuer in der Tazreen-Fabrik waren im November 2012 über hundert Menschen ums Leben gekommen. Die Bekleidungsindustrie in Bangladesch beschäftigt geschätzte drei bis fünf Millionen Arbeitskräfte, die meisten davon Frauen, und viele von ihnen im informellen Sektor. Neben ausbeuterischen Arbeitsbedingungen wurden immer wieder Sicherheitsmängel in bangladeschischen Betrieben beklagt.

Nun sieht das neue, rechtlich bindende Sicherheitsabkommen unabhängige Sicherheitsinspektionen vor, verpflichtende Reparaturen und Renovierungen, Trainingsprogramme für Arbeiterinnen und Arbeiter sowie Möglichkeiten für Handelsketten, Geschäftsbeziehungen mit den Fabriken zu beenden, wenn sie notwendige Sicherheitsmaßnahmen ablehnen. Ein Plan zur Umsetzung soll innerhalb von 45 Tagen nach Unterzeichnung erarbeitet werden.

Die Kampagne für saubere Kleidung bewertet das Abkommen als einen "Meilenstein für die bangladeschische Bekleidungsindustrie". Es sei transparent und praxisorientiert und werde von allen relevanten Interessensgruppen in Bangladesch unterstützt. "Das Abkommen sieht für die Beschäftigten und ihre lokalen Gewerkschaften zentrale Funktionen vor und beteiligt die Unternehmen finanziell an den Sanierungen der Fabriken", erklärt Frauke Banse von der Kampagne für saubere Kleidung. Das Abkommen garantiert Arbeiterinnen und Arbeitern auch das Recht, gefährliche Arbeit zu verweigern, wie es die ILO-Konvention 155 vorsieht.

ILO-Delegation in Bangladesch

Auch die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) begrüßte das Sicherheitsabkommen sowie die Unterstützung durch internationale Gewerkschaften, Markenanbieter und Einzelhändler. Vom 1. bis 4. Mai hatte eine hochrangige ILO-Delegation Bangladesch besucht, um mit der Regierung und den Sozialpartnern des Landes sowie weiteren Interessengruppen über notwendige Maßnahmen zur Verhinderung weiterer Katastrophen zu diskutieren. 

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