Ziele für nachhaltige Entwicklung/Agenda 2030

Von der Politik zur Umsetzung: Bonn Conference for Global Transformation

Jeffrey D. Sachs, Sonderberater des UN-Generalsekretärs Ban Ki-moon für die Milleniumsentwicklungsziele auf der Bonn Conference for Global Transformation

Jeffrey D. Sachs, Sonderberater des UN-Generalsekretärs Ban Ki-moon für die Milleniums-Entwicklungsziele auf der Bonn Conference for Global Transformation 2015 (Foto: GIZ/photothek)

Um die Armut abzuschaffen und die Erderwärmung unter zwei Grad Celsius zu halten, muss sehr viel mehr passieren und das sehr viel schneller als bisher. So die wiederholte Erkenntnis auf der Bonn Conference for Global Transformation am 12. und 13. Mai in Bonn. Unter dem Motto „Von der Politik zur Umsetzung“ präsentierten und diskutierten Expertinnen und Experten aus 70 Ländern Strategien und Lösungen auf dem Weg zu Nachhaltigkeit. 

„Es geht nicht um das Ob, sondern um das Wie“, betonte Jeffrey Sachs, Sonderberater des UN-Generalsekretärs Ban Ki-moon für die Milleniums-Entwicklungsziele. Das Richtige sei, jetzt zu versuchen, das Richtige zu tun. "Wir stehen mit dem Rücken zur Wand", so Sachs.

Um Nachhaltigkeit zu erreichen, braucht es neue kreative Denkweisen und bedeutende Verhaltensänderungen. Auf der internationalen Verhandlungsebene soll das Jahr 2015 wesentliche Weichenstellungen bringen. Die Entwicklung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) und die Verhandlungen im Rahmen der Klimarahmenkonvention (UNFCCC) sind "Zwillingsprozesse" und hängen eng miteinander zusammen. Im September sollen die richtungsweisenden SDGs in New York auf den Weg gebracht werden. Die neuen Klimaziele sollen auf dem UN-Klimagipfel im Dezember in Paris rechtlich bindend verabschiedet werden. Vorab wird im Juli in Addis Abeba die dritte UN-Konferenz zu Entwicklungsfinanzierung („Monterrey III“) stattfinden.

Zentrale Herausforderungen

Im Gegensatz zu den stärker fokussierten Millenniums-Entwicklungszielen sind die neuen SDGs sehr viel breiter angelegt. Sie sollen dann auch für Industrieländer gelten. Für die konkrete Umsetzung müssen die globalen Ziele auf die nationale Ebene heruntergebrochen werden. Dazu muss jedes Land die entsprechenden besonders relevanten SDGs auswählen und strategisch unterfüttern.

Die globale Energiewende und die "Inklusivität" – d.h. der Einbeziehung aller Menschen, einschließlich benachteiligter Gruppen, in eine nachhaltige Entwicklung, waren zentrale Themenschwerpunkte der Konferenz, die in zahlreichen Workshops ausführlich diskutiert wurden.

Zentrale Akteure

Als besonders wichtige Akteure für den globalen Wandel gelten die zivilgesellschaftlichen Organisationen. Beim Monitoring der neuen Ziele für nachhaltige Entwicklung werde ihnen eine entscheidende Rolle zukommen, in der sie deutlich gestärkt werden sollten.

Dass Armut weiblich sei, betonte die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Claudia Roth, mit deutlichem Bezug auf die Situation in Deutschland. Aber gerade die Frauen seien der Schlüssel, um der Armut zu entkommen, sagte Sanjit "Bunker" Roy, dessen Barefoot College im indischen Bundesstaat Rajasthan Großmütter zu Solar-Ingenieurinnen ausbildet. Eine seiner wichtigsten Erkenntnisse: Niemals die Kompetenz der Armen zu unterschätzen, ihre Probleme selbst zu identifizieren und selbst zu lösen. Dass viele der Frauen in Analphabetinnen seien, stelle im Barefoot College kein Hindernis dar. "Sie lernen mehr als Studierende in fünf Jahren", so Roy.

Wie Informations- und Kommunikationstechniken nachhaltige Entwicklung fördern können, zeigte die kenianische Bio-Landwirtin und Vorreiterin im Bereich Bio-Lebensmittel in Afrika, Su Kahumbu Stephanou. Sie hat mit "iCow" eine Handy-Anwendung entwickelt, die kenianische Bauern bei der Viehzucht unterstützt.

Ebenfalls eine entscheidende Rolle spielen die Städte als Innovatoren für nachhaltige und inklusive Entwicklung. Aromar Revi vom Indian Institute for Human Settlements in Bengaluru (Bangalore) machte deutlich, wie Städte Skaleneffekte realisieren: Wenn ein Stadt auf ihre doppelte Größe anwachse, brauche sie nicht doppelt so viel Infrastruktur, sondern "nur" zusätzliche 75 Prozent. So konzentrieren sich in den Städten die Chancen, aber auch viele Risiken. Ein Hauptaugenmerk sollte auf den wichtigen sozialen Funktionen der Städte, auf ihrer Vernetzung und auf den Potenzialen zur bürgerschaftlichen Mobilisierung liegen.

Ed Gillespie, Mitbegründer von Futerra in London, zeigte mit seiner "Bonner Rede zum globalen Wandel", dass positive Denk- und Sichtweisen Veränderungen befördern können. Nachhaltigkeit müsse so wünschenswert gemacht werden, dass sie zur Norm werde. Was immer man heute tut, müsse menschliches Leid in der Zukunft verringern, so Gillespie.

Weitere Informationen:

Bonn Conference for Global Transformation: www.bonn-conference.net/de

Christina Kamp

Die Bonn Conference for Global Transformation

Die Bonn Conference for Global Transformation wurde vom Land Nordrhein-Westfalen und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) organisiert und soll in Zukunft alle zwei Jahre stattfinden. Inhaltlich befasst sie sich mit den Nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen nach 2015. Die United Nations University (UNU), das Sustainable Development Solutions Network (SDSN) und die Deutsche Welle unterstützen die Konferenzreihe.