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Gleichstellung der Geschlechter als Schlüssel zum Erreichen aller globalen Nachhaltigkeitsziele

Geschlechts-spezifische Gehaltsunterschiede, Gewalt an Frauen sowie zu wenige Frauen in Führungspositionen und viele weitere Probleme – die Liste, die Ingrid-Gabriela Hoven, Leiterin der Abteilung „Globale Zukunftsaufgaben – Sektoren“ vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, in ihrer Eröffnungsrede als Ungleichheiten nennt, ist lang. Mit dem neuen Bericht „Den Versprechen Taten folgen lassen: Gleichstellung der Geschlechter in der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung" von UN Women wurden nun Ungleichheiten statistisch gemessen.

Dr. Silke Staab stellt den Bericht vor. © DGVN

Geschlechtsspezifische Gehaltsunterschiede, Gewalt an Frauen sowie zu wenige Frauen in Führungspositionen und viele weitere Probleme – die Liste, die Ingrid-Gabriela Hoven, Leiterin der Abteilung „Globale Zukunftsaufgaben – Sektoren“ vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, in ihrer Eröffnungsrede als Ungleichheiten nennt, ist lang. Mit dem neuen Bericht „Den Versprechen Taten folgen lassen: Gleichstellung der Geschlechter in der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung" von UN Women  wurden nun Ungleichheiten statistisch gemessen. Zur Veröffentlichung und Vorstellung des Berichtes luden die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V. (DGVN), UN Women, UN Women Nationales Komitee Deutschland e.V. und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zusammen am 15.02.2018 ins BMZ in Berlin ein.

Der Bericht ist fokussiert auf die Gleichstellung der Geschlechter bezogen auf die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals). Zudem wurden in den Ländern Pakistan, Nigeria, Kolumbien und den Vereinigten Staaten von Amerika Fallstudien durchgeführt. Dabei wurde untersucht, welche Bevölkerungsgruppen besonders marginalisiert und diskriminiert werden. Diese Untersuchungen sind besonders wichtig, um die Umsetzung und den Handlungsbedarf von dem Leitziel „Niemanden zurücklassen“ der Agenda 2030 zu messen. Dr. Silke Staab, zuständige Mitarbeiterin von UN Women für die Erstellung des Berichts, stellte die wichtigsten zusammenfassend vor und zeigte auf, dass Gleichstellung wesentlich für die Umsetzung aller Nachhaltigkeitsziele ist.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion debattierten Sascha Gabizon, Exekutivdirektorin von Women Engage for a Common Future (WECF), Dr. Yannick Glemarec, Beigeordneter Generalsekretär und Stellvertretender Exekutivdirektor von UN Women, Ingrid-Gabriela Hoven und Prof. Dr. Ute Klammer, Vorsitzende der Sachverständigenkommission Gleichstellung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von Conny Czymoch.

In der Gleichstellungspolitik braucht es verlässliche Daten

Die Podiumsdiskussion machte deutlich, wie wichtig Datenerhebung ist. Für viele frauenrechtsbezogene Themen gibt es keine ausreichenden Daten, um Ungleichheit bestimmen zu können. Prof. Klammer machte an dieser Stelle auf die fehlenden Daten über Risikogruppen aufmerksam. Während es in Deutschland eine vergleichsweise gute Datenlage gibt, besteht in vielen anderen Ländern Nachholbedarf. Aus Sicht von Prof. Klammer gibt es in Deutschland „kein Datendefizit, sondern ein Actiondefizit“.

Podiumsgespräch © DGVN

Während der Podiumsdiskussion betonten die Teilnehmenden jeweils ihre eigenen Schwerpunktthemen. So kam es zu einer lebendigen und vielfältigen Diskussion. Sascha Gabizon sprach zum Beispiel das lokale Empowerment von Frauen an. Frauen sollen sich mit Themen lokal auseinandersetzen, sich mobilisieren und mit Frauenorganisationen zusammenarbeiten. Dr. Yannick Glemarec betonte die Vielzahl von Schwierigkeiten, auf die Frauen stoßen. Als Beispiele nannte er Unterernährung während der Schwangerschaft und Diskriminierung. Ingrid-Gabriela Hoven legte den Fokus auf Entwicklungspolitik bei der Umsetzung von Gleichstellung. Schon von klein auf müssten Mädchen unterstützt werden. Außerdem sei eine gute Infrastruktur notwendig.

Noch viel Diskussionsbedarf bei der Umsetzung von Frauenrechten 

Nach der Podiumsdiskussion konnte sich das Publikum beteiligen. Eine Anmerkung war, dass das Konzept von sozialen Geschlechtern nicht genügend im Bericht berücksichtigt werde. Außerdem gab es mehrere Fragen, ob und wie Digitalisierung eine Chance für benachteiligte Frauen darstellen kann. Besonders bei Minderheitssprachen sei der Zugriff auf viele Internetseiten oft beschränkt, so eine Mitarbeiterin der GIZ. Der größte Diskussionsbedarf zeigte sich bei den Prostitutionsgesetzen. Hier gab es leider nicht genügend Zeit, um das Thema umfassend zu diskutieren.

Neben den vielen benannten Problemen gab es aber auch positive Handlungsbeispiele. Simone Klawitter von UNICEF berichtete von ihrer Arbeit für die Verbesserung der Wasserversorgung u.a. in Pakistan. Laut dem UN-Women Bericht sind in 80 Prozent der Haushalte ohne direkten Zugang zu Trinkwasser Mädchen und Frauen dafür verantwortlich, Wasser zu holen. Die Umsetzung vom sechsten Nachhaltigkeitsziel, eine gute Wasserversorgung zu gewährleisten, hilft den Frauen dort wesentlich, ihren Alltag zu erleichtern. Außerdem berichtete Dr. Lea Ackermann von ihrer wichtigen Arbeit in Afrika mit ihrer Organisation SOLWODI (Solidarity with Girls in Distress).

„Wo auch immer sie stehen, wofür auch immer sie kämpfen, wünsche ich Ihnen viel Erfolg dabei.“

Mit diesen passenden Worten beendete die Moderatorin Conny Czymoch die Veranstaltung. Durch die Podiumsdiskussion wurde deutlich, welchen wichtigen Beitrag der neue Bericht zur Datenlage über Gleichstellung beiträgt. Die Fragen vom Publikum zeigten zudem, wie vielfältig das Thema Gleichstellung ist und bei wie vielen Punkten es noch Handlungsbedarf gibt.

Kathrin Remus

 

Die Zusammenfassung des Berichts auf Deutsch kann hier gelesen werden

 

Hier können Sie sich zudem die Aufzeichnung des Livestreams der Veranstaltung ansehen: