Ziele für nachhaltige Entwicklung/Agenda 2030 Arbeitsplätze und wirtschaftliche Entwicklung (SDG 8) Klimaschutz (SDG 13)

Die Bedeutung der Sustainable Development Goals für die Wirtschaft

Startschuss für die Arbeitsgruppen des Dialogforums "Wirtschaft macht Klimaschutz" (© BMU/Stefan Röhl)

Startschuss für die Arbeitsgruppen des Dialogforums "Wirtschaft macht Klimaschutz" (© BMU/Stefan Röhl)

Wirtschaft macht Klimaschutz

Es ist eine Tatsache und eine Forderung zugleich, dass nur alle Akteure der Zivilgesellschaft, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam die Agenda 2030  und das Pariser Abkommen zum Erfolg führen können. Die Grundvoraussetzung dafür ist, dass die jeweiligen Akteure sich ihrer Verantwortung darüber bewusst sind. Das Erfreuliche: Große Teile der Deutschen Wirtschaft scheinen dies erkannt zu haben. Als guter Beleg hierzu, kann die Initiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) Wirtschaft macht KLIMASCHUTZ, herangezogen werden. Ziel ist es, ein breit gefächertes deutsches Wirtschaftsnetzwerk des Klimaschutzes zu etablieren und konkrete Maßnahmen in spezifischen Arbeitsgruppen zu entwickeln. Um Barrieren von Anfang an zu überwinden, sollen zudem im Dialog miteinander Zielkonflikte identifiziert werden. Die teilnehmenden Unternehmen der von der Ernst & Young GmbH , des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie und des Ecologic Institut konzipierten und durchgeführten Initiative, findet man hier.  

 

Der Countdown läuft und es bleibt nicht mehr viel Zeit

Solche Initiativen sind lobenswert aber auch dringend notwendig. Denn jedem wird bei einem Blick auf die CO2 Uhr des Mercator Research Institute for Global  Commons and Climate Change (MCC) sehr schnell deutlich, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Die Uhr stellt das verbleibende CO2Budget, das bis 2100 mit einer mittleren Wahrscheinlichkeit noch bis zu einer globalen Erderwärmung von 2°C zur  Verfügung steht, in Relation zu den tatsächlichen globalen Emissionen. Das Ergebnis bietet Anlass zur Besorgnis, denn laut dem MCC verbleiben bis dahin nur noch 720 Gigatonnen CO2 (Stand: 01.01.2018). Gegenwärtig werden, global gesehenen, allerdings 40 Gigatonnen  CO2 pro Jahr emittiert. Dies entspricht einer Emissionsrate von 1268  Tonnen CO2 pro Sekunde und bedeutet, dass wir ohne effektive Klimaschutzmassnahmen schon in 18 Jahren die 2°C Marke überschreiten werden.  Das BUM hat 2017 in einer Studie die aktuelle Emissionsentwicklung für Deutschland offengelegt und für sämtliche Wirtschaftsbereiche dargestellt. Andere Studien sehen die Lage sogar noch dramatischer.

 

Eine Initiative für mehr Nachhaltigkeit im Finanzsektor

Eine weitere zu beachtende und lobenswerte Initiative, seitens der Wirtschaft, hat sich aus dem Zusammenschluss der Accelerating Sustainable Finance Initiative der Deutschen Börse gemeinsam mit dem Green Finance Cluster Frankfurt des Hessischen Wirtschaftsministeriums, zum Sustainable Finance Cluster, ergeben. Die Finanzbranche scheint damit erkannt zu haben, dass sie nur durch einen strukturellen und zukunftsfähigen Umbau den großen sozioökonomischen und ökologischen Herausforderungen im 21. Jahrhundert gerecht werden kann, denen auch sie sich stellen muss. Erklärtes Ziel ist es daher, den notwendigen Transformationsprozess in der eigenen Branche aktiv zu gestalten um eine langfristige Stabilität zu gewährleisten. Eine zusätzliche Initiative mit Fokus auf die 17 globalen Nachhaltigkeitsziele der UN hat die Deutsche Börse gemeinsam mit dem Rat für Nachhaltige Entwicklung ins Leben gerufen, den Hub for Sustainable Finance Germany (H4SF). Dieser hat in 10 Kernthesen seine Hauptthemen definiert und soll vor allem als Dialogplattform für Akteure aus der Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und der Zivilgesellschaft dienen, um nachhaltiges Investieren als Thema im Mainstream Kapitalmarkt zu platzieren.

 

 

Abbildung 1: Fünf Schritte zur Integration der SDGs. Quelle: WBSCD, United Nations Global Compact und GRI (2017): Der SDG Compass
Abbildung 1: Fünf Schritte zur Integration der SDGs. Quelle: WBSCD, United Nations Global Compact und GRI (2017): Der SDG Compass

Auf die SDGs einnorden: Der SDG Kompass

Es gibt also in der Tat etwas Erfreuliches zu berichten. Wieso sollten Unternehmen aber auf die Integration der SDGs in Ihre Unternehmensstruktur wertlegen und wie würden konkret Maßnahmen aussehen? Um langfristig erfolgreich zu bleiben, wird es notwendig, Märkte und Lieferketten zu stabilisieren und dies ist nur durch Nachhaltigkeit möglich. Doch was können Unternehmen dazu konkret beitragen? Mit dieser Fragestellung hat sich der United Nations Global Compact, die Global Reporting Initiative und der Weltwirtschaftsrat für nachhaltige Entwicklung (WBSCD) auseinandergesetzt und daraufhin den SDG Kompass verabschiedet. In fünf Schritten führt der SDG Kompass Unternehmen durch den Prozess, die SDGs nachhaltig in ihre Lieferketten zu integrieren (siehe Abbildung 1). 

Der Kompass eröffnet Unternehmen die Möglichkeit, auf einfache Weise die SDGs kennenzulernen und die Unternehmensvorteile der SDG -Implementierung  in die Lieferketten zu entdecken. Dabei geht der Kompass nochmals explizit auf den Artikel 67 der Agenda 2030 ein. Darin heisst es: „Privatwirtschaftliche Aktivitäten, Investitionen und Innovation sind wichtige Motoren der Produktivität, eines breitenwirksamen Wirtschaftswachstums und der Schaffung von Arbeitsplätzen. Wir kennen die Vielfalt des Privatsektors an, von Kleinstunternehmen über Genossenschaften bis zu multinationalen Unternehmen. Wir fordern alle Unternehmen auf, ihre Kreativität und Innovationsstärke zur Lösung der Herausforderungen im Bereich der nachhaltigen Entwicklung einzusetzen.“  Man darf gespannt sein, ob die neue Bundesregierung es schafft, mit verbindlichen Gesetzen, dafür den Grundstein zu setzen.  Denn im Umkehrschluss bedeutet der Artikel 67 nichts anderes, als dass die internationale Staatengemeinschaft die Herausforderung  annimmt, jetzt die dazu notwendigen gesetzlichen Rahmenbedingungen zu erschaffen und sich in diesem Kontext global abzustimmen.   

 

Bedeutung der SDGs für die Wirtschaft                                                                                           

Doch welche SDGs sind, aus Sicht der einzelnen Wirtschaftsbereiche, die fünf relevantesten? Das Wirtschaftsberatungsunternehmen PWC  hat die SDG Reporting Challenge 2017 dazu veröffentlicht. Dafür wurde die SDG-Priorisierung von 470 Unternehmen in 17 Ländern, aus den sechs relevanten Wirtschaftssektoren: Stromversorgung, Finanzdienstleistung, Industrie, Retail und Konsum, Technologie, Media/Telekommunikation sowie Transport- und Logistik analysiert (siehe Abbildung 2):

Abbildung 2: Die wichtigsten fünf SDGs in Abhängigkeit der Wirtschaftsbranche. Eigene Darstellung. Quelle: PwC SDG Reporting Challenge 2017.
Abbildung 2: Die wichtigsten fünf SDGs in Abhängigkeit der Wirtschaftsbranche. Eigene Darstellung. Quelle: PwC SDG Reporting Challenge 2017.

Interessanterweise findet man das SDG 13 „Klimaschutz“ in jeder Wirtschaftsbranche unter den ersten fünf SDGs, denen die höchste Priorität zugesprochen wird. Das Ergebnis verdeutlicht, dass gegenwärtig ein Transformationsprozess innerhalb aller Wirtschaftsbranchen stattfindet und viele Unternehmen bereit sind, ihren Teil der Verantwortung auch gegenüber den ökologischen SDGs zu übernehmen. Es erlaubt aber auch die vorsichtige Aussage, dass unternehmerischer Klimaschutz vielfach Teil einer langfristigen  Unternehmensstrategie geworden ist. Schlussfolgernd wird Klimaschutz also zunehmend nicht als Hemmnis, sondern als ein Katalysator für Innovation und Wirtschaftswachstum wahrgenommen. Dieser Prozess ist aber noch nicht abgeschlossen. Man kann daher davon ausgehen kann, dass dies noch nicht von jedem Unternehmen so beurteilt wird. Zumal die Anzahl der 470 befragten Unternehmen nicht unbedingt statistisch relevant ist. Dennoch zeigt es, dass ein schwer aufzuhaltender Prozess in Bewegung kommt.

 

Ein Ausblick kann zum Lichtblick werden

Neben dem SDG 13 gibt es aber noch 16 weitere SDGs. Damit sämtliche SDGs ihren Einzug in die Unternehmen finden, bedarf es regulatorischer Vorgaben aus der Politik. Frankreich beispielsweise hat in Artikel 173 seines Energiewendegesetzes Unternehmen und Finanzmarktakteure dazu verpflichtet, Klima- und Nachhaltigkeitsrisiken offenzulegen. Unser Nachbarland gewinnt damit eine Vorbildfunktion und übernimmt  für die internationale Staatengemeinschaft eine Vorreiterrolle. Frankreich setzt einen Maßstab und sendet ein unübersehbares Signal an andere Länder aus. Es kann gar nicht oft genug betont werden, dass wir in einer interessanten Zeit leben, in der die Weltgemeinschaft den großen sozioökonomischen und ökologischen Herausforderungen gegenüber gestellt ist. Um sie zu meistern, bietet die Agenda 2030 mit ihren SDGs eine einzigartige Orientierungshilfe. Für eine erfolgreiche Umsetzung der Agenda brauchen wir eine Nachhaltigkeitstransformation der Gesellschaft. Ein Prozess, den kein Akteur alleine schultern kann. Es gibt deshalb noch viel zu tun! Packen wir es gemeinsam an, denn eins  wird immer deutlicher: Wir haben nur eine Welt in der wir leben, für deren Gestaltung wir verantwortlich sind!

Text von Jan Tolzmann.

Der Text spiegelt die persönliche Meinung des Autors wider.

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