Gute Gesundheitsversorgung (SDG 3)

Dicke Luft über den Städten

Rauchende Schornsteine: Starke Luftverschmutzung hat verheerende Folgen für die Gesundheit (Foto: Christina Kamp)

Starke Luftverschmutzung hat verheerende Folgen für die Gesundheit (Foto: Christina Kamp)

Ob Peking, Delhi oder Jakarta – es sind vor allem die asiatischen Megastädte, die mit ihrer dramatischen Luftverschmutzung immer wieder traurige Schlagzeilen machen. Wie besorgniserregend die Situation aber auch in vielen weiteren Städten der Welt ist, zeigt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit ihren neuen Daten zur globalen Luftverschmutzung.

Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung in den Städten, für die entsprechende Belastungsdaten erfasst werden, sind starker Luftverschmutzung ausgesetzt. Zum Teil liegen die Schadstoffwerte erheblich über den von der Weltgesundheitsorganisation festgelegten Grenzwerten. Zwar sei die Luftverschmutzung in allen Regionen der Welt ein Problem, so die WHO, doch gebe es deutliche Diskrepanzen: Während in Ländern mit niedrigem oder mittleren Einkommen 98 Prozent der erfassten Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern die WHO-Grenzwerte überschreiten, seien es in Ländern mit hohem Einkommen „nur“ 56 Prozent.

Wie deutlich Luftverschmutzung mit Armut und kontraproduktiven politischen Entscheidungen zusammenhängen kann, zeigt der „Brennholz-Smog“ in Athen und Thessaloniki, wo sich viele Menschen im Winter das Heizen mit Öl oder Strom nicht mehr leisten können. Sie weichen stattdessen auf minderwertiges, oft chemisch behandeltes Holz und andere problematische Brennstoffe aus.

Gesundheitliche Folgen

Mit Einbußen bei der Luftqualität steigen die Gesundheitsrisiken. Schlaganfälle, Herzerkrankungen, Lungenkrebs, akute und chronische Atemwegserkrankungen (darunter Asthma) gehören zu den Folgen. Kinder, ältere Menschen, Arme und chronisch Kranke sind besonders gefährdet. Über drei Millionen frühzeitige Todesfälle pro Jahr führt die WHO auf die Verschmutzung der Außenluft zurück. Hinzu kommt die Luftverschmutzung in Innenräumen, z.B. durch Kochstellen, die von der WHO separat erfasst wird.

Fortschritte und bessere Datenbasis

In vielen Städten hat sich die Luftqualität verbessert. Mehr als der Hälfte der untersuchten Städte in Ländern mit hohem Einkommen und immerhin ein Drittel der Städte in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen verringerten ihre Luftverschmutzung innerhalb von fünf Jahren um mehr als fünf Prozent.

Eine weitere positive Nachricht: Immer mehr Städte messen den Verschmutzungsgrad ihrer Luft und sehen ein, dass damit erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung verbunden sind. Die Datenbank der WHO erfasst nun die Daten für 3.000 Städte in 103 Ländern – fast doppelt so viel wie noch vor zwei Jahren.

Positive Wirkungen besserer Luftqualität

Anhand der Luftschmutzung zeigt sich, wie sich durch geeignete Maßnahmen eine Vielzahl an Verbesserungen erreichen lassen. Reduziert man den Feinstaub in der Luft von 70 auf 20 Mikrogramm pro Kubikmeter, könnte nach Schätzungen der WHO die Zahl der auf Luftverschmutzung zurückzuführenden Todesfälle um ca. 15 Prozent gesenkt werden. Die Kosten im Gesundheitsbereich sinken, die Produktivität der Menschen steigt, die Lebenserwartung verlängert sich.

Hinzu kommt, dass viele der umweltpolitischen Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität zugleich dem Klimaschutz dienen. Dazu gehören ein umweltfreundlicher öffentlicher Personennahverkehr, eine saubere Energieerzeugung auf Grundlage erneuerbarer Energien und unter Verzicht auf Kohle, die Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden und Produktionsprozessen sowie ein besseres Abfallmanagement.

Auf der Weltgesundheitsversammlung vom 23. bis 28. Mai in Genf wollen die WHO-Mitgliedstaaten verstärkte globale Anstrengungen zur Vermeidung von Gesundheitsschäden durch Luftverschmutzung diskutieren.

Weitere Informationen:

Urban Ambient Air Pollution database – Update 2016 der Weltgesundheitsorganisation. Zusammenfassung der Ergebnisse.

„Air Quality Guidelines“ der Weltgesundheitsorganisation (mit globalen Grenzwerten für ausgewählte Luftschadstoffe)

Christina Kamp

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