Nachhaltigkeit Internationales Jahr der Wasserkooperation

„Wasser muss im Zentrum der Post-2015 Entwicklungsagenda stehen“

Seit November 2012 ist Ben Braga Präsident des Weltwasserrats, einer 1996 gegründeten Denkfabrik. Weltweit jat jede sechste Person immer noch keinen Zugang zu sauberem Wasser. Foto: UN-Water

Seit November 2012 ist Ben Braga Präsident des Weltwasserrats, einer 1996 gegründeten Denkfabrik. Weltweit jat jede sechste Person immer noch keinen Zugang zu sauberem Wasser. Foto: UN-Water

Ben Braga, Präsident des Weltwasserrats, spricht über zukünftige Prioritäten der internationalen Wasser-Gemeinschaft, die Zusammenarbeit mit UN-Water und den Stellenwert des Themas Wasser bei der Ausarbeitung neuer Entwicklungsziele.

Herr Braga, Sie wurden im November 2012 zum Präsidenten des Weltwasserrats gewählt. Was müssen Ihrer Meinung nach die Schwerpunkte sein, mit denen sich die Wasser-Gemeinschaft innerhalb der nächsten drei Jahre beschäftigt?

Im November 2012 legte die Generalversammlung des Weltwasserrats ihre neue Strategie vor, die sich vor allem mit politischen Aspekten, innovativem Denken zu Schlüsselthemen und der Organisation von Veranstaltungen wie des Weltwasserforums auseinandersetzt. Die zwei wichtigsten Schwerpunkte der nächsten drei Jahre befassen sich zum einen mit unserem verstärkten Engagement, den Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Einrichtungen global voranzutreiben und zum anderen die Idee von Wasser als Motor für soziales und wirtschaftliches Wachstum zu verbreiten. Das Konzept der Sicherheit der Wasserversorgung wird ebenfalls vorangebracht werden müssen. Damit kann sichergestellt werden, dass in allen Regionen ausreichend Wasser zur Verfügung steht, um beispielsweise Nahrungsmittelproduktion, Energieerzeugung und die Bewahrung einzigartiger Ökosysteme nicht zu gefährden.

Der Weltwasserrat steht in enger Verbindung zu verschiedenen Organisationen der UN und UN-Water. Was ist der größte Beitrag des Rats an die internationale Staatengemeinschaft?

Die Beziehung zwischen Weltwasserrat und Vereinten Nationen lässt sich bis auf die Gründung des Rats im Jahr 1996 zurückverfolgen. Zwei UN-Organisationen, die UNESCO und das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen UNDP, gehörten zu den Gründungsmitgliedern des Rats und sind auch heute noch aktiv dabei. Mit dem UN-System als Ganzes arbeiten wir vor allem bei Schwerpunkten und Veranstaltungen zum Thema Wasser zusammen. Im Oktober dieses Jahres sind wir zum Beispiel Co-Organisator der Budapest Water Summit, deren Gastgeber die Regierung Ungarns sein wird. Viele UN-Organisationen helfen uns auch dabei, das Weltwasserforum zu gestalten, beispielsweise indem sie Veranstaltungen thematisch und politisch begleiten. Meiner Meinung nach ist der Hauptbeitrag des Weltwasserrats, dass all seine Mitglieder durch ihn mit einer Stimme sprechen und gehört werden. Da der Rat kein zwischenstaatliches Organ ist, kann zudem in informeller Art und Weise schneller gehandelt werden.

Die Zusammenarbeit zwischen Weltwasserrat und UN-Water ist von besonderer Bedeutung und wird von uns überaus geschätzt. Gerade im UN-System spielt UN-Water eine Schlüsselrolle, da es keine gesonderte Behörde für Fragen des Wassers gibt. Als Vermittler zwischen verschiedensten Gruppen hat UN-Water eine zentrale Verantwortung und benötigt daher auch Hilfe von außerhalb. Genau an diesem Punkt möchten wir ansetzen.

UN-Water leitet derzeit die Bestrebungen, das Thema Wasser in den neuen nachhaltigen Entwicklungszielen zu verankern. Auch der Weltwasserrat wirkt dabei unterstützend. Wie sehen Sie, als Präsident einer Organisation die viele verschiedene Stimmen umfasst, diesen Prozess voranschreiten?

Sicher ist, dass alle Mitglieder des Weltwasserrats Wasser als Schlüssel für Entwicklung und als grundsätzliches Menschenrecht anerkennen. Dennoch leben heute noch 780 Millionen Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser und noch weitaus mehr ohne einfachste sanitäre Einrichtungen. Wir können nicht nur von einem Wasserziel für die neuen nachhaltigen Entwicklungsziele sprechen - es sollte mehrere Ziele zum Thema Wasser geben. Beispielsweise wurde dem Thema Wasser und Katastrophen bei der Entwicklung der Millenniums-Entwicklungsziele seitens der UN keinerlei Beachtung geschenkt. Dasselbe gilt für den Aufbau von Widerstandskraft gegen die Folgen des Klimawandels. Wir alle wissen, dass die Konsequenzen der Erderwärmung vor allem im Wasserbereich zu spüren sein werden. Anpassungsmechanismen und die entsprechenden Daten sollten daher ebenfalls in die Überlegungen zu neuen Entwicklungszielen einbezogen werden. Nichtsdestotrotz können wir das Ziel, allen Menschen einen Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen zu gewährleisten, nicht aufgeben. Alle Mitgliedsstaaten sollten dieses Ziel weiterhin verfolgen.

Quelle: UN-Water

Der 1996 gegründete Weltwasserrat (WWC) ist ein Thinktank zum Thema Wasser und sanitäre Einrichtungen. Die mehr als 300 Mitglieder kommen aus den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Ministerien und Vereinte Nationen. Alle drei Jahre veranstaltet der Rat das Weltwasserforum.

Ben Braga, geboren im Juni 1947, ist Präsident des Weltwasserrats und lehrt außerdem als Professor für Umweltingenieurwissenschaften an der Universität São Paulo. Braga leitete das International Hydrological Programme (IHP) der UNESCO und war Direktor der nationalen Wasseragentur Brasiliens.

Florian Demmler