Von Märchen und Mechanismen Gefahren und Chancen der Sanktionen des Sicherheitsrats

In den Annalen der UN-Debatten spielt das literarische Kulturerbe der Menschheit mit seinen Sprüchen, Fabeln und Märchen eine nicht zu unterschätzende Rolle, weil man mit seiner Hilfe komplizierte Sachverhalte auf den allgemein verständlichen Punkt bringen kann. Was wäre etwa die Abrüstungsdebatte der frühen Jahre ohne die russischen Fabeln gewesen? »Ja fein, sagte der Bär, dann bleibt uns nur noch die alles umfassende Umarmung.« Als deutscher Beitrag böten vor allem die Grimmschen Märchen ein vorzügliches Anschauungsmaterial für viele Nuancen der Weltpolitik, zumal einige von ihnen durch Walt Disney weltweit popularisiert worden sind. Nehmen wir das Instrument der Sanktionen nach Artikel 41 der Charta der Vereinten Nationen als Beispiel: Ist dieses Instrument, möglicherweise sogar das ganze Kapitel VII, ein Dornröschen, das, in den letzten Jahren aus der Starre des Kalten Krieges erwacht, sich nun munter an glückselige Friedensarbeit machen kann? Oder ist es eher ein Aschenputtel, das 45 Jahre allenfalls an der Peripherie wirken durfte, wenn sich die mächtigen Schwestern in Ost und West ausnahmsweise einmal einig waren? Manche sehen sogar ein Happy-End. Denn die Hochzeitskutsche ist seit dem Jahre 1990 mehrmals vorgefahren, und die Falken finden die Kandidatin recht attraktiv; nur die Tauben rufen ihre besorgte Warnung: »Blut ist im Schuh.« Sollte es die falsche Braut gewesen sein? Man erkennt das Dilemma der Sanktionen.

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