Reformbedarf kein Grund für Beitragsverweigerung Rede des deutschen Außenministers vor der 51. UN-Generalversammlung (25. September 1996)

Im letzten Jahr haben wir die Bilanz eines halben Jahrhunderts UN-Geschichte gezogen. Der Stein, den wir wie Sisyphus den Berg hinaufschleppen, scheint immer wieder ein Stuck zurückzurollen. Das darf uns nicht entmutigen. Es bleibt unsere Verantwortung, dem gerecht zu werden, was wir anläßlich des fünfzigjährigen Jubiläums der Weltorganisation feierlich bekräftigt haben: den Frieden zu wahren und Menschen in Not und Armut zu helfen. Sie, Herr Präsident, haben uns allen für diese 51. Generalversammlung eine Mahnung mit auf den Weg gegeben: Wir müssen über den Horizont unserer nationalen Grenzen hinaus denken und handeln! Wir dürfen nach den Versprechungen des Jubiläumsjahres jetzt nicht in Routine und Rituale zurückfallen. Die Vision einer friedlicheren und gerechteren Welt darf nicht verlorengehen. Diese Weltorganisation muß das Weltgewissen bleiben! Wer sonst als dieses Forum sollte denn darüber wachen, daß nicht gemordet und gefoltert wird, daß Flüchtlinge mit dem Notwendigsten versorgt werden und unsere Kinder Schutz und Fürsorge bekommen?

Download (pdf) 0.9 MB

Das könnte Sie auch interessieren

  • Redaktion

    42. Generalversammlung

    42. Generalversammlung: Glanzlichter fehlen, Geldsorgen bleiben - Gastland will nicht alle Gäste - Gewaltverzicht bekräftigt - Globale Umweltperspektive verabschiedet (13). mehr

  • Wolfgang Münch, Joachim Müller

    Die neue Finanzordnung der Vereinten Nationen Ein weiterer Schritt auf dem Wege der Reformen

    Wer mit der Finanzordnung der Vereinten Nationen und ihren nachgeordneten Vorschriften umzugehen hat – die Bediensteten des UN-Sekretariats, Ministerialbeamte in den Hauptstädten der Mitgliedstaaten, Rechnungsprüfer, Staatenvertreter – mußte sich bis vor kurzem mit einem aus dem Jahre 1985 stammenden und damit mehr als nur leicht veralteten Dokument zufriedengeben. Eine bereinigte Fassung der… mehr

  • Reinhard Drfite

    Wendung zum Multilateralismus - mit Vorbehalten Die japanische UN-Politik vor dem Hintergrund der Bestrebungen zur Reform des Sicherheitsrats

    Als Japan Ende 1956 Mitglied der Vereinten Nationen wurde, erfüllte sich nicht nur für die Regierung, sondern auch für die meisten Japaner ein langgehegter Wunsch. Die Aufnahme in die UN wurde als ein weiterer Schritt auf dem Wege der Reintegration Japans in die westlich geprägte Weltgemeinschaft gesehen. Viele Japaner verbanden mit der Aufnahme auch die Hoffnung, daß in Zukunft die… mehr

  • Richard von Weizsäcker

    Alles steht und fällt mit dem politischen Willen der Mitglieder UN-Reform als Vorbereitung auf die nächsten 50 Jahre

    Nach allem, was an ›UN-bashing‹ seit den letzten Wahlen von der republikanischen Mehrheit im amerikanischen Kongreß zu hören war, klang es fast verheißungsvoll, was Präsident Clinton am 26. Juni in San Franzisko sagte: Die USA könnten weder einen isolationistischen Kurs steuern noch anderen Ländern vorschreiben, was sie zu tun hätten. Und vor allem: Die Vereinigten Staaten seien nach wie vor das… mehr

  • VEREINTE NATIONEN Heft 4/1996