UNO-Standort Bonn


Bonn hat sich in der letzten Dekade erfolgreich ein neues Profil als deutsche Stadt der Vereinten Nationen (UN, VN, UNO) und Ort internationalen Dialogs zu Zukunftsthemen gegeben. Seit Juli 1996 kann Bonn sich “UN-Stadt“ nennen. Zehn Jahre später, im Juli 2006, konnte Bundeskanzlerin Angela Merkel den neuen Dienstsitz der Vereinten Nationen in Bonn an den ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan übergeben. Die Bundesregierung hat im Jahr 2003 entschieden, das ehemalige Abgeordnetenhochhaus, auch als der Lange Eugen bekannt und das Bundeshaus als ehemalige Parlamentsgebäude den Vereinten Nationen zur dauerhaften Nutzung zu überlassen. Dort arbeiten die Bonner UN-Organisationen unter einem Dach. 

Der Lange Eugen ist das Zentrum des am 11. Juli 2006 vom ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan eröffneten „UN-Campus“. Deutschland gehöre zu den wenigen Ländern, so Kofi Annan, die ideale Mitgliedsstaaten der UNO seien und dort eine wichtige Rolle spielten. Annan hob die immer stärker werdende Präsenz der Vereinten Nationen in der Bundesstadt hervor und lobte die großartige Gastfreundschaft der Stadt.  Für ihn gehöre sie zu den lohnenswertesten und attraktivsten UN-Standorten. „Mit der heutigen Eröffnung dieses Campuskomplexes wird das Engagement Deutschlands für die Vereinten Nationen noch enger“, sagte Annan. Mit dem neuen Gelände werde die „bisher schon enge Partnerschaft“ zwischen Deutschland und der UNO noch tiefer, sagte Annan in einer Rede nach der Pressekonferenz. Es sei seit langem ein Schwerpunkt der deutschen Außenpolitik, die Weltorganisation zu unterstützen. „Man könnte sogar sagen, dass die Ideale der Vereinten Nationen Teil der Identität des Landes selbst geworden sind. Als künftiger Sitz des UN-Klimasekretariats wurde das alte Abgeordnetenhochhaus als bauökologisches Modellprojekt umgebaut. Die meisten Organisationen verbindet der Einsatz für eine nachhaltige Entwicklung der Erde. Mehr als 800 UN-Mitarbeiter sind in Bonn in Bereichen Klimawandel, Wüstenbildung, Katastrophenvorsorge, Bildung, Gesundheit, menschliche Sicherheit und Artenschutz tätig. 

UN-Einrichtungen in Bonn

Mit der Überschrift „UNO in Bonn - für nachhaltige Entwicklung weltweit“ haben sich die Vereinten Nationen in Bonn ein thematisches Dach gegeben. Die Zahl und Vielfalt der Organisationen mit dem Sitz in Bonn ist seit 1996 rasch angestiegen. Zu ihnen gehören:

1.      Das Freiwilligenprogramm der Vereinten Nationen (UNV)
UNV ist das UN-Programm in Bonn mit den meisten Mitarbeitern (etwa 150). Das Freiwilligenprogramm unterstützt weltweit die nachhaltige menschliche Entwicklung durch Förderung des Freiwilligendienstes. UNV-Freiwillige helfen den Vereinten Nationen, Regierungen und Partner aus dem Entwicklungsbereich weltweit bei ihren Anstrengungen, die extreme Armut zu beseitigen. Jährlich setzen über 8000 Freiwillige aus mehr als 165 Ländern ihre Fähigkeiten und Erfahrungen ein, um Initiativen in 140 Ländern zu unterstützen. Die UN-Freiwilligen helfen, die Millenniums-Entwicklungsziele umzusetzen.

2.      Das Sekretariat des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC)
Das Sekretariat steuert die Hauptverhandlungen zum Klimawandel, hilft bei der Entwicklung von Techniken, die die Widerstandsfähigkeit gegen die Folgen des Klimawandels erhöhen, und bei der Umsetzung des Kyoto – Protokolls.

3.      Das Sekretariat des Übereinkommens der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD)
Das Sekretariat hilft den Vertragsstaaten, ihre Verpflichtungen im Rahmen des Übereinkommens zu erfüllen, Wüstenbildung und die Folgen von Dürre zu bekämpfen und deren verheerende Auswirkungen zu verhindern.

4.      Das Sekretariat des Übereinkommens zur Erhaltung der wandernden wild lebenden Tierarten (UNEP/CMS)
Durch den Klimawandel, nicht-nachhaltige Jagd- und Fischereipraktiken und Zerstörung ihres Lebensraumes werden wandernde Tierarten bedroht. Die Aufgabe des Sekretariats ist, diesen Gefahren entgegenzuwirken.

5.      Das Sekretariat des Abkommens zur Erhaltung der afrikanisch-eurasischen wandernden Wasservögel (UNEP/AEWA)
Das Sekretariat steuert den Prozess zum Schutz der wandernden Wasservögel und ihrer Lebensräume auf ihren Flugrouten, der Regelung menschlicher Aktivitäten, Forschung, Überwachung, Bildung und Information. 

6.      Das Sekretariat des Abkommens zur Erhaltung der Kleinwale in der Nord- und Ostsee  (UNEP/ASCOBANS)
Zahlreiche Kleinwalarten sind Gefahren wie Meeresverschmutzung, Verlust ihres Lebensraumes, Lärmbelastungen und unbeabsichtigtem Fang in Fischernetzen ausgesetzt. Das Sekretariat fördert die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten mit dem Ziel, eine günstige Erhaltungssituation zu erreichen.

7.      Das Sekretariat des Abkommens zur Erhaltung der europäischen Fledermauspopulationen (UNEP/EUROBATS)
Das EUROBATS–Sekretariat koordiniert und organisiert alle Aktivitäten der Vertragsstaatenkonferenzen, ergreift Initiativen zur Förderung der Bewusstseinbildung in der Öffentlichkeit über die Rolle der Fledermäuse für die Ökosysteme sowie zur Koordinierung internationaler Forschungs- und Beobachtungsinitiativen.

8.      Das Regionale Informationszentrum der Vereinten Nationen für Westeuropa - Verbindungsbüro in Deutschland (UNRIC)
Das Informationszentrum ist die Stimme der Vereinten Nationen in Westeuropa, das Bindeglied zu Medien, Nichtregierungsorganisationen, akademischen Einrichtungen und der Öffentlichkeit. Es lenkt die Aufmerksamkeit auf wichtige Tätigkeiten der Vereinten Nationen und fördert die Millenniums-Entwicklungsziele. 

9.      Das Internationale Zentrum für Berufsbildung der UNESCO (UNESCO/UNEVOC)
Das Zentrum unterstützt die Mitgliedstaaten der UNESCO in der Weiterentwicklung und Verbesserung ihrer Berufsbildungssysteme. Die Arbeit ist darauf ausgerichtet, zur Erreichung der Ziele der UNESCO in der Berufsbildung beizutragen. 

10.  Das Europäische Zentrum für Umwelt und Gesundheit der Weltgesundheitsorganisation (WHO/ECEH)
Das Büro beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Umweltgefahren auf die Gesundheit des Menschen und insbesondere der Kinder in 52 Staaten Europas und Zentralasiens und erarbeitet zu Umwelt- und Gesundheitsfragen Richtlinien und Empfehlungen.

11.  Universität der Vereinten Nationen - Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit (UNU-EHS) 
Das Institut erforscht die Auswirkungen von Umweltschäden und nicht nachhaltiger Bewirtschaftungsmethoden auf die menschliche Sicherheit und die Folgen schleichender Prozesse wie Klimawandel und Bodenerosionen.

12.  Das Vize-Rektorat der Universität der Vereinten Nationen für Europa (UNU-ViE)
Es ist das erste Vize-Rektorat außerhalb Tokios. Es konzentriert sich auf Naturwissenschaft und Technologie um die Sicherheit der Menschen zu sichern. Regionale Schwerpunkte sind Europa, Russland, Zentralasien und Afrika.

13.  Das Sekretariat der Vereinten Nationen für die Internationale Strategie zur Katastrophenvorsorge - Plattform zur Förderung von Frühwarnung (UN/ISDR-PPEW)
Die Einrichtung fördert die Integration von Frühwarnung in führende internationale Politikprozesse, besonders im Hinblick auf Entwicklungsfragen, Katastrophenschutz und Klimawandel und erarbeitet Richtlinien, um Ländern bei der Verbesserung ihrer Frühwarnsysteme zu helfen.

14.  Beratungsstelle der Welttourismusorganisation für biologische Vielfalt und Tourismus für vom Tsunami betroffene Länder (UNWTO)
Die UNWTO unterstützt die im Dezember 2004 vom Tsunami betroffenen Länder Asiens. Im Rahmen der Zusammenarbeit werden den nationalen und lokalen Regierungen der betroffenen Länder Beratungsleistungen beim Wiederaufbau touristischer Infrastrukturen angeboten.

15.  Universität der Vereinten Nationen - International Human Dimensions Programme on Global Environmental Change (UNU-IHDP)
IHDP ist ein Programm zur Erforschung der Ursachen und Konsequenzen menschlicher Einwirkungen auf die globale Umwelt. Zu seinen Aufgaben gehört die Vernetzung von Wissenschaftlern und Forschungseinrichtungen weltweit, die sich mit globalen Umweltveränderungen und ihren gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen beschäftigen.

16.  Programm für Kapazitätsentwicklung im Rahmen der Wasserdekade der Vereinten Nationen (UNW-DPC)
Das Ziel des Programms ist die Stärkung der Aktivitäten der Organisationen, die an der Erfüllung der Ziele der internationalen UN-Wasserdekade arbeiten sowie ihre Koordination und Unterstützung bei Erfüllung der Millenniums-Entwicklungsziele im Bereich Wasser.

17.  Die Ökonomie der Ökosysteme und Biodiversität (UNEP/ TEEB)
UNEP-TEEB ist eine internationale Initiative basierend auf der Studie "The Economics of Ecosystems and Biodiversity (TEEB)". Ziel ist es, Aufmerksamkeit auf die globalen ökonomischen Wohlfahrtwirkungen zu lenken, welche durch die biologische Vielfalt erzeugt werden. TEEB beleuchtet die wachsenden wirtschaftlichen Kosten, die sich aus dem Verlust der Biodiversität und der Degradation von Ökosystemen ergeben.

18.  Plattform der Vereinten Nationen für raumfahrtgestützte Informationen für Katastrophenmanagement und Notfallmaßnahmen (UNOOSA/ UN-SPIDER)
Das UN-SPIDER Programm soll sicherstellen, dass alle Staaten und Hilfsorganisationen schnellen Zugang zu raumfahrtgestützten Informationen erhalten. Hauptaufgaben des Bonner SPIDER- Büros sind die systematische Aufbereitung relevanter Informationen, die Gewährleistung eines einfachen Zugangs zu diesen Informationen, die Etablierung einer praxisbezogenen Nutzergemeinschaft, das Management des Wissenstransfers sowie die Unterstützung des Deutschen Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt.