Die Generalsekretäre der Vereinten Nationen

Der Generalsekretär steht als höchster Verwaltungsbeamter an der Spitze des Sekretariats der Vereinten Nationen, eines der sechs Hauptorgane der Weltorganisation. Er wird in geheimer Abstimmung für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt. Im Mittelpunkt seiner Tätigkeit stehen u.a. seine politischen Funktionen, insbesondere im Bereich der friedlichen Streitbeilegung.

Siehe auch: UN-Generalsekretär (UN-Basis-Information) (Stand: 2007; überarbeitete Ausgabe in Planung)

António Guterres (Portugal)

António Guterres während einer Rede vor dem UN-Sicherheitsrat

Am 1. Januar 2017 trat António Guterres das Amt des UN-Generalsekretärs an. Nach Ban Ki-moon ist er der neunte Generalsekretär und wird für die kommenden fünf Jahren dieses Amt ausüben.

Der Portugiese kann auf viele Jahre in der Regierung und dem öffentlichen Dienst zurückblicken: 1976 begann seine Amtszeit als Abgeordneter im portugiesischen Parlament. Von 1981 bis 1983 war er außerdem Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates und agierte als Vorsitzender des Ausschusses für Demografie, Migration und Flüchtlinge. 1995 bis 2002 war er Premierminister in Portugal. Außerdem war Guterres von November 1999 bis Juni 2005 Präsident der Sozialistischen Internationalen. 2005 wurde António Guterres von der Generalversammlung zum 10. UNO-Flüchtlingskommissar gewählt. Diese Amtszeit endete 2015, im gleichen Jahr wurde er für sein Engagement mit dem Deutschen Nchhaltigkeitspreis ausgezeichnet.

Guterres hat zwei Kinder aus erster Ehe und ist seit April 2001 in zweiter Ehe verheiratet.

Ban Ki-moon (Südkorea)

Der 8. Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Ki-moon.

UN-Generalsekretär von 2007 bis 2016

Ban Ki-moon, früherer südkoreanischer Außen- und Handelsminister, bekleidete das Amt des Generalsekretärs ab dem 1. Januar 2007 und war damit der achte Generalsekretär der Vereinten Nationen. Am 21. Juni 2011 wurde er einstimmig für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Diese endete am 31. Dezember 2016.

Ban Ki-moon trat 1970 in den Auswärtigen Dienst seines Heimatlandes ein. Als Diplomat wurde er u.a. in Neu Delhi, New York und Washington eingesetzt. Zudem war er Leiter der Nordamerika-Abteilung im koreanischen Außenministerium. Hervorzuheben sind insbesondere die Stationen als Ständiger Vertreter bei den Internationalen Organisationen in Wien und New York. Im UN-System selbst war er schon als Kabinettchef des Präsidenten der UN-Generalversammlung tätig. Ban Ki-moon engagierte sich aber auch für die Verbesserung der zwischenstaatlichen Beziehungen zu Nordkorea: Er war 1992 Vizevorsitzender der South-North Joint Nuclear Control Commission und beteiligte sich im September 2005 mit großem Einfluss an den sogenannten Sechser-Gesprächen zur Lösung der nuklearen Krise in Nordkorea. Der Südkoreaner hat in Seoul Internationale Beziehungen studiert und absolvierte später ein Aufbaustudium im Bereich der Öffentlichen Verwaltung an der renommierten Harvard University. Er ist verheiratet, hat zwei Töchter und einen Sohn.

Kofi Annan (Ghana)

Kofi Annan, 7. Generalsekretär der Vereinten Nationen

UN-Generalsekretär von 1997 bis 2006

Der siebte UN-Generalsekretär gilt als einer der herausragenden Generalsekretäre in der Geschichte der Vereinten Nationen, der in einer sehr schwierigen Umbruchsphase in der Weltpolitik und trotz aller Rückschläge weltweit das Ansehen der Vereinten Nationen mehren konnte. Er war der erste Genralsekretär, der aus der Weltorganisation selbst kam. In mehr als dreißig Berufsjahren hat er auf hochrangigen Posten in Afrika, Europa und am Sitz in New York enorme Erfahrungen über Struktur und Arbeitsweise der Vereinten Nationen gesammelt. So war er verantwortlich für Verwaltung, Budget- und Personalfragen, aber auch in der Flüchtlingshilfe und Friedenssicherung tätig. Seine höchste Auszeichnung erhielt er mit der Verleihung des 100. Friedensnobelpreises am 10. Dezember 2001. Er und die Vereinten Nationen wurden gewürdigt für ihr Wirken zugunsten des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit, für die Achtung der Menschenrechte und den Ausgleich zwischen Nord und Süd.

Diverse heikle diplomatische Missionen hat er erfolgreich abgeschlossen, unter anderem seine Vermittlungsreise in den Irak. Im Juli 1997 stellte Annan sein umfassendes Reformprogramm zur Erneuerung der Vereinten Nationen vor: Es rückt wirtschaftliche und soziale Aktivitäten wieder ins Zentrum der UN-Arbeit und die noch stärkere Beachtung der Menschenrechte. Regionale Staatenbündnisse wie z.B. die OSZE sollen nach Ermächtigung durch den UN-Sicherheitsrat stärker an friedenserhaltenden Maßnahmen beteiligt werden. Annan schlug auch eine Reform des Sicherheitsrates vor, der immer noch die politischen Verhältnisse der Nachkriegszeit widerspiegelt. Auch im Management der UN-Organisation hat er umfassende Reformen eingeleitet: So wurden beim Personal rund 1.000 Stellen abgebaut, der Etat um 120 Millionen Dollar gekürzt und Bürokratie und Verwaltung gestrafft. Zu seiner Entlastung hat er das Amt eines stellvertretenden Generalsekretärs geschaffen, in das zunächst die Kanadierin Louise Fréchette und 2006 der Brite Mark Malloch Brown berufen wurde.
Wesentliche Reformvorschläge hat er zum Weltgipfel 2005 geliefert, die aber mangels Unterstützung der UN-Mitgliedsländer nur zum Teil umgesetzt werden konnten. Seinen größten Erfolg hatte er mit der Aufstellung der Millenniums-Entwicklungziele, die inzwischen im Zentrum internationaler Aufmerksamkeit stehen. Die Ziele wurden auf dem Millenniumsgipfel 2000 von über 180 Regierungen beschlossen, in dem man sich verpflichtete, bis zum Jahr 2015 u.a. die Armut weltweit zu halbieren und die Ausbreitung von AIDS zu stoppen. Inzwischen sind die Millenniums-Entwicklungsziele die am breitesten unterstützten, umfassendsten und konkretesten Vorgaben zur Verringerung der Armut, die die Welt je aufgestellt hat.

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Boutros Boutros-Ghali (Ägypten)

Boutros Boutros-Ghali, 6. Generalsekretär der Vereinten Nationen

UN-Generalsekretär von 1991 bis 1996

Der sechste Generalsekretär der Vereinten Nationen begann sein Amt in einer Zeit der Hoffnung, die UN könne anstelle der Supermächte die Rolle als Sicherer des Weltfriedens spielen. Fast alle Weltprobleme wurden in New York abgeladen - und das bei anhaltender Finanzkrise der Organisation. Die enttäuschenden Erfahrungen in Ex-Jugoslawien und Somalia haben gezeigt, dass die Vereinten Nationen überfordert sind, in allen Konflikten weltweit einzugreifen und Frieden zu sichern. Mit seiner "Agenda für den Frieden" hat Boutros-Ghali ein Programm erarbeitet, um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden und gleichzeitig die überhöhten Erwartungen an die UN auf ein realistisches Maß zu bringen. Er kritisierte das mangelnde Engagement der Großmächte in vielen Konfliktfällen und bedauerte, dass Misserfolge den Vereinten Nationen oftmals ungerechtfertigt angelastet wurden. Seine zunehmend kritische Position gegenüber der US-Administration im Laufe seiner Amtszeit wurde ihm zum Verhängnis. Die USA verweigerten Boutros Ghali die Zustimmung für eine weitere Amtsperiode.

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Javier Pérez de Cuéllar (Peru)

Perez de Cuellar, 5. Generalsekretär der Vereinten Nationen

UN-Generalsekretär von 1981 bis 1991

Pérez de Cuellar musste während seiner Amtszeit die angespannten Haushaltslage der UN bewältigen. Die Finanzkrise verschärft sich, weil Mitgliedsländer wegen ihrer Ablehnung bestimmter UN-Aktivitäten Pflichtbeiträge zurückhielten. Zu den bedeutenden Niederlagen in seiner Amtszeit zählen seine vergeblichen Vermittlungsbemühungen im Vorfeld des Falkland- und des letzten Golfkriegs. Er kann aber auch auf eine erfolgreiche Friedenstiftung zurückblicken, so in der Unabhängigkeit Namibias. Zu den Höhepunkten seiner Tätigkeit gehören seine Mitwirkung an der Beilegung des Iran-Irak-Konflikts wie auch an der Beendigung des Bürgerkrieges in Kambodscha und dem folgenden Friedensprozeß. Vor dem Hintergrund des weltpolitischen Ost-West-Umbruchs erlebte die Organisation unter de Cuéllars Führung eine Renaissance, die sich u.a. in einer dramatischen Zunahme von UN-Blauhelm-Einsätzen niederschlug.

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Kurt Waldheim (Österreich)

Kurt Waldheim, 4. Generalsekretär der Vereinten Nationen

UN-Generalsekretär von 1971 bis 1981

Auch die Ära Waldheim war von den Auseinandersetzungen zwischen den Großmächten im Ost-West-Konflikt gekennzeichnet. Als Schlichter bei Ausbruch des Jom-Kippur-Krieges auf dem Sinai 1973 war er erfolgreich, als er rasch den Einsatz von UN-Truppen organisieren konnte. Er brachte die Friedensgespräche auf Zypern wieder in Gang und organisierte massive humanitäre Hilfe für Bootsflüchtlinge aus Vietnam und die Hungernden in Kamputschea. Geschätzt waren seine Dienste als Vermittler u.a. bei der Besetzung Kamputscheas durch Vietnam oder Afghanistans durch die Sowjetunion. Ohne Erfolg waren Waldheims Versuche, die amerikanischen Geiseln aus Teheran zu holen. Zu den Niederlagen der UN, die auch Waldheim nicht verhindern konnte, gehörte die Verabschiedung einer Resolution der Generalversammlung, die Zionismus mit Rassismus gleichsetzte. Viele Beobachter schreiben der mit seinem Namen verbundenen Ära der UN neben den punktuellen Erfolgen eine Stagnation in wesentlichen politischen und wirtschaftlichen Fragen zu. Erst Mitte der 80er Jahre wurden Nachkriegsakten publik, die Waldheim verdächtigten, während seiner Wehrmachtszeit Kriegsverbrechen begangen zu haben.

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Sithu U Thant (Birma)

Sithu U Thant, 3. Generalsekretär der Vereinten Nationen

UN-Generalsekretär von 1961 bis 1971

Zurückhaltung bei den Friedensbemühungen legte sich der dritte Amtsinhaber auf. Die vorsichtige Diplomatie U Thants entsprach dem schwindenden Einfluß der Weltorganisation vor dem Hintergrund des sich verschärfenden Kalten Krieges und den weltpolitischen Ereignissen der 60er Jahren. Die Erfolge während seiner Amtszeit waren die Beendigung der Kongo-Krise und der Zypern-Unruhen (1964), Mißerfolge waren die UN-Tätigkeit im Vietnam-Krieg und im Sechs-Tage-Krieg im Nahen Osten.

Auf den Seiten der folgenden Homepage wird seinem 100. Geburtstag gedacht:
http://unic.un.org/aroundworld/unics/uthant/index.asp

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Dag Hammarskjöld (Schweden)

Dag Hammarskjöld, 2. Generalsekretär der Vereinten Nationen

UN-Generalsekretär von 1953 bis 1961

Er war sicherlich der herausragende Generalsekretär der Vereinten Nationen. Zielbewußt und mit großem Geschick wußte er Lücken der Charta zu nutzen und eröffnete dem Amt des Generalsekretärs Handlungsspielräume und Initiativmöglichkeiten. Er praktizierte auch erstmals die sog. "vorbeugende Diplomatie", d.h. der Versuch, Streitigkeiten ohne eine besondere Ermächtigung eines anderen UN-Organs beizulegen, ehe sie ein akutes Stadium erreichen. In den 50er Jahren hatte sich die Mitgliederstruktur der UN dramatisch geändert und gab der Organisation ein neues Gesicht, das die Amtszeit des zweiten Generalsekretärs prägte: Im Rahmen der Entkolonialisierung traten viele Entwicklungsländer bei, die Gesamtmitgliederzahl stieg bis 1960 auf 100. Zum vorherrschenden Ost-West-Gegensatz in Form des Kalten Krieges kam der Nord-Süd-Konflikt. Dabei buhlten die Supermächte um die Stimmen der Dritten Welt, um ihren Einfluss in der Generalversammlung zu vergrößern. Hammarskjöld musste so zwischen den verfeindeten Großmächten manövrieren und die unterschiedlichen Interessen der Dritte-Welt-Staaten berücksichtigen. Erfolgreich war er bei der Durchführung der Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und den arabischen Staaten, trug zur friedlichen Beilegung der Suez-Krise durch Aufstellung einer Friedenstruppe bei und organisierte den Einsatz einer UN-Beobachtergruppe im Bürgerkrieg Libanons. Seine Haltung in der Kongo-Krise und der Einsatz einer Friedenstruppe brachte ihm heftige Kritik einzelner UN-Mitgliedstaaten. Hammarskjöld starb auf einer UN-Mission im Kongo.

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Trygve Lie (Norwegen)

Trygve Lie, 1. Generalsekretär der Vereinten Nationen

UN-Generalsekretär von 1946 bis 1952

Während eines Großteils seiner Amtszeit war der erste Generalsekretär damit beschäftigt, das Sekretariat aufzubauen und die Organisation in ihrem Hauptquartier arbeitsfähig zu machen. Wenig Erfolg hatten seine Vermittlungsbemühungen beim Palästinakonflikt und beim indisch-pakistanischen Streit über Kaschmir. Bis 1953 hatte die UN nur 60 Mitgliedstaaten mit einem Übergewicht westlicher und lateinamerikanischer Länder und der Dominanz der USA. Dies zog für Lie den Zorn Moskaus nach sich - als er während des Koreakrieges den Vorstoß der Nord-koreaner auf den Süden als Aggression verurteilte, die Mitgliedstaaten aufforderte, Südkorea zu unterstützen und der Sicherheitsrat in Abwesenheit der Sowjetunion das Kommando der UN-Truppe in Korea den Amerikanern übertrug. Trotz Einsatz einer großen UN-Truppe konnte die Teilung Koreas nicht verhindert werden.

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