IV. Zusammenfassende Gesamtdarstellungen

In diesem abschließenden Teil erfolgen Darstellungen zu den Finanzströmen insgesamt, die sowohl die Pflichtbeiträge an die Vereinten Nationen, deren Sonderorganisationen und die UN-Friedensoperationen als auch die freiwilligen Finanzleistungen nicht nur an die Vereinten Nationen und ihre Sonderprogramme und -fonds, sondern auch an die Sonderorganisationen umfassen.

A. Pflichtbeiträge und freiwilligen Beitragsleistungen aller Mitgliedstaaten

In Tabelle IV.01-01 und der dazugehörenden Abbildung IV.01-01 werden die Pflichtbeiträge und freiwilligen Beitragsleistungen aller Mitgliedstaaten im Zeitraum 1991 bis 2015 dargestellt.

Im Einzelnen handelt es sich zunächst um die Pflichtbeträge zum ordentlichen UN-Haushalt und zu den ordentlichen Haushalten der Sonderorganisationen (ohne Bretton-Woods-Organisationen und IFAD) sowie zur Finanzierung der UN-Friedensoperationen. Die Wellenbewegungen bei den Pflichtbeträgen insgesamt erklären sich durch den Anstieg der Kosten für eine erhöhte Anzahl von UN-Friedensoperationen. In den Jahren 1993 bis 1995 sowie seit 2005 liegen die Pflichtbeiträge für UN-Friedensoperationen deutlich höher als für die aufaddierten Haushalte der Vereinten Nationen und der Sonderorganisationen. Im Zeitraum 1991-2015 stiegen die gesamten Pflichtbeiträge nominal von 2,8 auf 14,1 Mrd. US-Dollar, wobei der Anteil der Pflichtbeiträge für die UN-Friedensoperationen 2015 über 62 Prozent ausmachte (vgl. auch Tabelle IV.01-01, Spalten (1) bis (4) ).

Bei den freiwilligen Beitragsleistungen aller Mitgliedstaaten wird zwischen den Beiträgen an ausgewählte UN-Sonderprogramme und -fonds sowie den freiwilligen Beiträgen an die UN-Sonderorganisationen unterschieden (vgl. die Spalten (5) und (6) in Tabelle IV.01-01. Während die freiwilligen Beitragsleistungen an die Sonderprogramme und -fonds im Zeitraum 1991-2015 von 4,8 auf 21,1 Mrd. US-Dollar, das heißt um das 4,4fache anstiegen, ist der Anstieg für die Sonderorganisationen von 1,4 auf 4,3 Mrd. US-Dollar deutlich geringer gewesen. Hier betrug er lediglich das Dreifache.

Seit 1996 lagen die jährlichen, freiwilligen Beiträge an die UN-Sonderprogramme und -fonds stets über den Pflichtbeiträgen insgesamt (vgl. Spalten (5) und (4) in Tabelle IV.01-01. Dies ist auch in den Jahren erhöhter Pflichtbeiträge für UN-Friedensoperationen ab 2007 der Fall gewesen.

Während in den drei Kategorien der Pflichtbeiträge die Zahlungen für UN-Friedensoperationen den größten Anteil ausmachten, waren es die freiwilligen Beitragsleistungen für ausgewählte Sonderprogramme und -fonds, die in den Jahren 2014 und 2015 mit 51,4 Prozent den höchsten Anteil an den Beiträgen insgesamt hatten.

Zusammenfassend sei darauf hingewiesen, dass sämtliche Zahlenangaben mit der gebotenen Vorsicht zu  interpretieren sind. Schließlich handelt es sich nicht um deflationierte Werte „in Preisen von 1991“. Außerdem erfolgten im Zeitablauf definitorische Änderungen bei der Erfassung der Daten. Ferner entsprach der jährliche Haushalt für UN-Friedensoperationen nicht dem Kalenderjahr und musste jeweils als Durchschnitt aus zwei Jahren ermittelt werden. Schließlich können Doppelzählungen nicht ausgeschlossen werden, wenn zum Beispiel  Spezialorgane (Sonderprogramme und -fonds) zweckgebundene Beiträge an Sonderorganisationen geleistet haben. Auch fehlen die Angaben für freiwillige Beitragsleistungen an die UN selbst ebenso wie freiwillige Beitragsleistungen für die Durchführung der UN-Friedensoperationen. Außerdem fehlen Aussagen über die „Qualität“ der freiwilligen Beitragsleistungen, das heißt über die Frage, ob es sich um freiwillige Beiträge ohne Zweckbindung handelt (= Kernbeiträge; „core contributions“; Basismittel) oder zweck- bzw. projekt-gebundene Beiträge (=“non-core contributions“; Zusatzmittel) handelt. Letztere werden nach den OECD-Vereinbarungen nicht als multilaterale, sondern als bilaterale Entwicklungshilfe verbucht.

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B. Finanzleistungen Deutschlands an das UN-System

In diesem Teil wird methodisch analog zum Teil A vorgegangen. Sämtliche Vorbehalte, die im Teil A genannt wurden, gelten auch in diesem Teil und müssen daher nicht wiederholt werden. Während im Teil A eine Analyse der Entwicklung der Pflichtbeiträge und freiwilligen Beitragsleistungen aller Mitgliedstaaten an das UN-System  für den Zeitraum 1991-2015 erfolgte, geht es in Tabelle IV.01-02 und der daraus entwickelten Abbildung IV.01-02 um die Finanzleistungen Deutschlands an das UN-System in diesem Zeitraum.

Zunächst wird die Entwicklung der Pflichtbeiträge Deutschlands für den ordentlichen UN-Haushalt, die ordentlichen Haushalte der UN-Sonderorganisationen (ohne Bretton-Woods-Institutionen und IFAD) und die UN-Friedensoperationen für den Zeitraum 1991-2015 dargestellt. Besonders auffällig sind dabei die deutlichen Schwankungen bei den Pflichtbeiträgen für die UN-Friedensoperationen in Relation zu den anderen Pflichtbeiträgen. Sowohl in den Jahren 1993-1995 als auch in den Jahren 2001 und 2005-2011 lag deren Anteil jeweils über 50 Prozent aller Pflichtbeiträge, oftmals deutlich darüber. Insgesamt sind die Pflichtbeiträge im gesamten Zeitraum von 305 auf rund 1030 Mio. US-Dollar gestiegen, das heißt um etwa das 3,4fache gestiegen.

Betrachten wir die Entwicklung der freiwilligen Beitragsleistungen Deutschlands in diesem Zeitraum, so ist diese weitaus geringer ausgefallen. Sie stieg von 288 auf rund 522 Mio. US-Dollar, das heißt lediglich um das 1,8fache. Dabei fällt auf, dass der Wert von 1996 nach einer Talbewegung erst wieder 2007 mit 292,5 Mio. US-Dollar erreicht wurde. Der tiefste Wert lag mit 105,4 Mio. US-Dollar im Jahre 2000.

Betrachten wir die Entwicklung sowohl der Pflichtbeiträge als auch der freiwilligen Beitragsleistungen Deutschlands zwischen 1991 und 2015, so stellen wir fest, dass sie in diesem Zeitraum  nominal von 593 auf 1 553 Mio. US-Dollar gestiegen sind, das heißt um das 2,6fache. Dabei betrug im Jahre 2011 der Anteil der freiwilligen Beitragsleistungen an ausgewählte UN-Sonderprogramme und -fonds sowie an UN-Sonderorganisationen an den Gesamtbeiträgen 33,6 Prozent, während der Anteil der Pflichtbeiträge für UN-Friedensoperationen bei 40,7 Prozent lag. 

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