III. Sonderorganisationen

III.16 IFAD - Der internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung

Einen Monat nach der Welternährungskonferenz hat im Dezember 1974 die UN-Generalversammlung beschlossen, den Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (International Fund for Agricultural Development - IFAD) zu gründen. Aber offene Fragen wie Sitzland, Stimmrechtsverteilung zwischen Industrie- und Entwicklungsländern sowie Finanzierungsmechanismen erforderten mehrere Vorbereitungstreffen zur Gründung der Organisation, so dass die Satzung erst am 30. November 1977 in Kraft treten konnte.

Der Gründungsprozess wurde vor allem verzögert, weil es sehr lange dauerte, bis eine Einigung darüber erzielt wurde, dass als Sitzland des Fonds ein OECD-Staat, nämlich Italien, bestimmt wurde sowie das Amt des Präsidenten durch einen Vertreter eines OPEC-Staates besetzt werden sollte. Die Bundesrepublik Deutschland gehört zu den Gründungsmitgliedern.

Nach dem Übereinkommen zur Errichtung des IFAD besteht sein Zweck darin, „zusätzliche Mittel zu mobilisieren, die zu Vorzugsbedingungen (concessional terms) für die landwirtschaftliche Entwicklung der sich in der Entwicklung befindlichen Mitgliedstaaten zur Verfügung gestellt werden sollen“ (Artikel 2). Konkret geht es darum, Systeme der Nahrungsmittelproduktion einzuführen, auszuweiten oder zu verbessern. Dabei steht im Vordergrund die notwendige Steigerung der Nahrungsmittelproduktion in den ärmsten Entwicklungsländern mit Nahrungsmitteldefiziten. Im Rahmen der UN-Agenda 2030 arbeitet der Fonds innerhalb eines Strategic Framework 2016-2025.

Der Fonds mit Sitz in Rom hat 176 Mitglieder (Stand: Mitte 2016) mit rund 530 Mitarbeiter/innen, darunter etwa 310 im höheren Dienst.

Die außergewöhnliche Struktur des IFAD (Einteilung der Mitglieder in drei Kategorien mit je 600 Stimmen sowie besondere Entscheidungsmechanismen, um die Interessen jeder Kategorie abzusichern) verlangt von den Mitgliedstaaten, alle Entscheidungen im Konsens zu tragen. Die Mitgliederzahl ist zwischen 1996 und 2016 von 160 auf  176 angestiegen (darunter 24 OECD-Staaten (Liste A), 12 OPEC-Staaten (Liste B) sowie 140 Entwicklungsländer (Liste C), unterteilt in Sub-Liste C1 (50 afrikanische Staaten), Sub-Liste C2 (58 Staaten in Europa, Asien und Pazifik) und Sub-Liste C3 (32 Staaten in Lateinamerika und Karibik).

Die Stimmrechte der Mitgliedstaaten sind gewichtet. 790 der insgesamt 1.800 Erststimmen werden durch die Zahl der Mitgliedstaaten geteilt. Das ergibt gegenwärtig 4,489 Stimmen je Mitglied. Dieser Stimmenanteil wird jedes Mal bei einer Erhöhung der Mitgliederzahl neu bestimmt. Die restlichen 1.010 Stimmen werden entsprechend dem Anteil der Finanzierung bis einschließlich der 3. Wiederauffüllung aufgeteilt. Die Gesamtzahl der neuen Stimmen wird in einem komplizierten Verfahren in Verbindung mit der „Effektivität“ einer jeden Wiederauffüllung ab der 4. Runde berechnet, wobei 100 Stimmen 158 Mio. US-Dollar, gezahlt  in konvertibler Währung, entsprechen. Derzeit verfügt Deutschland über 202.884 von insgesamt 4.961.026 Stimmen; dies entspricht 4,09 Prozent aller Stimmen. Gemeinsam mit Japan (ebenfalls 4,09 Prozent) steht Deutschland nach den USA (6,98 Prozent) und Italien (4,22 Prozent) an dritter Stelle. Bezogen auf die Listen, sieht die Verteilung der Stimmrechte wie folgt aus: Liste A: 48,7 Prozent; Liste B: 12,5 Prozent; und Liste C: 38,8 Prozent.

Finanzierung des IFAD

Der IFAD finanziert sich – im Unterschied zur IBRD (vgl. III.05) – nicht über den internationalen Kapitalmarkt, sondern – über sog. Wiederauffüllungsrunden (vgl. Tabelle III.16-01) – aus Beiträgen seiner Mitgliedstaaten. Die Mittel des Fonds bestehen aus (1) Anfangsbeiträgen, (2) zusätzlichen Beiträgen, (3) Sonderbeiträgen von Nichtmitgliedstaaten und aus anderen Quellen sowie (4) Mitteln, die aus der Geschäftstätigkeit des Fonds oder auf andere Weise anfallen.

Grundsätzlich sind die Beiträge in konvertierbarer Währung zu entrichten; lediglich den Entwicklungsländern ist es freigestellt, ihre Zahlungen auch in nationalen, nicht-konvertierbaren Währungen zu leisten. Der Teil der Beiträge, die der IFAD nicht sofort für seine Geschäfte benötigt, kann in nichtübertragbaren, unwiderruflichen, zinslosen Schuldscheinen oder Schuldverschreibungen (promissory notes) beglichen werden, die dann bei Vorlage einzulösen sind.

Mittelverwendung

Finanzmittel dürfen nur Entwicklungsländer, die Mitglieder des Fonds sind, oder zwischenstaatliche Organisationen, denen solche Mitglieder angehören, erhalten. Dabei wird zwischen Zuschüssen und Darlehen unterschieden. Zuschüsse erfolgten erst ab 2006. Bis 2012 war es rund eine Mrd. US-Dollar, von der etwa zwei Drittel nach Afrika (außer Nordafrika) ging.  

Für die Darlehen wurden – neben hardened loans, deren Anteil jedoch bis 2012 nur bei 0,36 Prozent lag –  drei Grundtypen geschaffen (bezogen auf das jährliche Pro-Kopf-Einkommen (Gross National Product) in Preisen von 1992):

1.  highly concessional, d.h. zinslose Darlehen mit einer Laufzeit von 40 Jahren und 10 tilgungsfreien Jahren für Entwicklungsländer mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen bis zu 805 US-Dollar (oder von der IDA (vgl. III.14) entsprechend eingestuft). Die jährliche Bearbeitungsgebühr beträgt 0,75 Prozent.

2.  blend (intermediate), d.h. Darlehen zu einem variablen Zinssatz, der 50 Prozent des halbjährlich ermittelten Referenz-Zinses ausmacht, mit einer Laufzeit von 20 Jahren und 5 tilgungsfreien Jahren (ohne Bearbeitungsgebühr) für Entwicklungsländer mit einem Pro-Kopf-Einkommen zwischen 806 und 1.305 US-Dollar.

3.  ordinary, d.h. Darlehen zu einem Zinssatz entsprechend der Referenz-Rate mit einer Laufzeit von 15-18 Jahren und 3 tilgungsfreien Jahren (ohne Bearbeitungsgebühr) für Entwicklungsländer mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 1.306 US-Dollar und mehr.

Zwei Drittel aller Darlehen sollen dem Grundtyp 1 entsprechend vergeben werden.

In Tabelle III.16-02 werden ausgewählte Daten zu den IFAD-Aktivitäten für den Zeitraum 1991-2015 aufgeführt, die den Übersichten „IFAD at a Glance“ entnommen wurden. In den Spalten (1) bis (4) erfolgen eine Darstellung der gesamten Darlehen und Zuschüsse des Fonds (Spalte 1), der vor allem multi- oder bilateral abgewickelten Ko-Finanzierung (Spalte 2) sowie der Eigenbeteiligung der Nehmerstaaten (Spalte 3), die zu der Entwicklung der gesamten Programm- und Projektkosten führen (Spalte 4). In den Spalten (5) und (6) werden Abflüsse und Rückflüsse der Darlehen (loan disbursements and repayments) aufgeführt (vgl. auch Abbildung III.16-01).

Satzungsgemäß überträgt der Fonds die Verwaltung, Abwicklung und Überwachung der Projekte anderen zuständigen internationalen Organisationen. Dadurch soll sichergestellt werden, dass der Fonds mit einem relativ kleinen Verwaltungsapparat mit entsprechend geringen Verwaltungsausgaben (vgl. Tabelle III.16-03) und alle Projektaktivitäten delegiert, so dass seine Hauptfunktion darin besteht, zusätzliche Finanz-Ressourcen zu mobilisieren.

 

International Fund for Agricultural Development
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Italien
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