III. Sonderorganisationen

III.14 IDA – Die Internationale Entwicklungsorganisation

Die IDA (International Development Association) ist eine Tochtergesellschaft der IBRD (vgl. III.5); beide firmieren unter dem Dach der Weltbank. Die IDA wurde 1960 gegründet. Politisch-administrativ ist die IDA sehr eng mit der IBRD verflochten; Personal und Einrichtungen der IBRD handeln zugleich für die IDA; daher gilt auch hier das gewichtete Stimmrecht der Mitgliedstaaten. Obwohl rechtlich und finanziell selbständig, ist die IDA faktisch ein Fonds der IBRD, der aus staatlichen Quellen gespeist wird und Darlehen zu konzessionären Bedingungen vergibt (= öffentliche Entwicklungshilfe; Official Development Assistance; ODA). Die Mitgliederzahl beträgt derzeit 173 (Stand: Mitte 2016). Voraussetzung ist eine Mitgliedschaft in der IBRD.

Mittelbeschaffung

Nach Artikel I der IDA-Satzung „stellt die Organisation insbesondere Finanzierungsmittel zur Deckung der wichtigsten Entwicklungsbedürfnisse dieser Gebiete zu Bedingungen bereit, die elastischer sind und die Zahlungsbilanz weniger belasten als die Bedingungen bei herkömmlichen, d.h. kommerziellen Darlehen; hierdurch sollen die Entwicklungsziele der Weltbank gefördert und ihre Tätigkeit ergänzt werden“.

Da die IDA ihre Kredite zu besonders günstigen Bedingungen vergibt, kann sie ihre Finanzmittel  nicht  - wie die IBRD – auf privaten Kapitalmärkten aufnehmen. Sie ist daher angewiesen auf 1) ursprüngliche und zusätzliche Zeichnungen ihrer Mitglieder; 2) Wiederauffüllungen durch ihre reichen Mitgliedstaaten; 3) Sonderzu­wendungen einiger Mitgliedstaaten; 4) Überweisungen aus den Gewinnen der IBRD und des IFC (vgl. III.12); sowie 5) Tilgung von Krediten durch die Empfängerstaaten (=Rückzahlungen).

Bei ihrem Beitritt zeichnen die Mitgliedstaaten einen Betrag proportional zu ihrer Kapitalbeteiligung an der IBRD (Erstzeichnungen).

Seit 1965 finden – normalerweise alle drei Jahre – Wiederauffüllungsrunden statt, in denen das Kapital der IDA aufgestockt wird (vgl. Tabelle III.14-1). Zunächst beteiligten sich nur Geberländer der Gruppe I an diesen Runden, später kamen auch Entwicklungsländer hinzu, vor allem „Schwellenländer“ (New Industrialized Countries; NICs).

Die Beiträge werden überwiegend in Form von unverzinslichen, bei der IDA hinterlegten Schuldscheinen geleistet. Barabrufe erfolgen nur dann, wenn die Gelder vor der IDA für Auszahlungen benötigt werden.

Die Wiederauffüllungsrunden sind regelmäßig mit zahlreichen Kontroversen über den Umfang der Wiederauffüllung, die Festsetzung des jeweiligen Anteils der Geberländer und die Handhabung von Beitragsverzögerungen verbunden. Darüber hinaus geht es um die Anpassung der Stimmrechte.

Die letzte Wiederauffüllungsrunde (IDA-17) erfolgte für die Geschäftsjahre vom 1. Juli 2014 bis zum 30. Juni 2017. Sie führte zu einem Gesamtvolumen in Höhe von 52,100 Mrd. US-Dollar (vgl. Tabelle III.14-1, in der sämtliche Wiederauffüllungsrunden mit ihrem jeweiligen Gesamtvolumen aufgeführt werden). Gegenüber IDA-16 (2011-2014) bedeutet dies eine Steigerung um rund 5,42  Prozent. 

Abbildung III.14-01:
IDA: Rückzahlungen und Netto-Auszahlungen, Geschäftsjahre 1991-2016 (in Mrd. US-Dollar)

Quelle: Tabelle III.14-02. © K. Hüfner/DGVN, Stand: Dezember 2016

Mittelverwendung

Zunächst ist die Mitgliedschaft Voraussetzung für die Gewährung von IDA-Krediten; dies setzt wiederum voraus, dass das Nehmerland auch Mitglied der IBRD ist. Die IBRD-Mitgliedschaft verlangt wiederum die Mitgliedschaft im IMF (vgl. III.4).

Die IDA fördert nur die ärmsten Länder. Derzeit handelt es sich um insgesamt 81 Staaten, darunter 39 in Afrika. Maßstab hierfür ist das durchschnittliche Brutto­nationaleinkommen pro Kopf der Bevölkerung. Der Schwellenwert dieser Kate­gorie wird jährlich neu festgesetzt; er betrug 2012 1175 US-Dollar pro Kopf und liegt zurzeit bei 1195 US-Dollar pro Kopf. Weitere Kriterien sind Bevölkerungs­zahl, Stand der wirtschaftlichen Entwicklung, Verschuldungsgrad, die Fähigkeit, finanzielle Mittel nutzbringend einzusetzen sowie die Verfügbarkeit geeigneter Investitionsvorhaben.

Kredite werden zu weitaus günstigeren Bedingungen als bei der IBRD vergeben; sie zinslos oder zu einem sehr niedrigen Zinssatz bzw. einer geringen Verwaltungsgebühr verliehen, ursprünglich mit einer Laufzeit von 50 Jahren, derzeit mit einer Laufzeit von 25-40 Jahren. Die ersten zehn Jahre sind tilgungsfrei.  

Damit besitzen die IDA-Kredite einen hohen konzessionären bzw. nicht-kommerziellen Charakter und zählen zur öffentlichen Entwicklungshilfe. Das Kriterium des Entwicklungsausschusses (Development Assistance Committee; DAC) der OECD verlangt mindestens ein Zuschuss-Element (grant element) in Höhe von 25 Prozent. Neben Krediten vergibt die IDA seit 2002 auch verstärkt Zuschüsse zu 100 Prozent, andererseits aber Kredite in Kombination mit IBRD-Darlehen (blend).

In Tabelle III.14-02 werden einerseits die Zusagen der IDA für die Geschäftsjahre 1991 bis 2016 aufgeführt, die von 6,3 auf rund 16,2 Mrd. US-Dollar stiegen; andererseits wird zwischen Brutto- und Netto-Auszahlungen unterschieden, wobei die Differenz sich aus der Summe der Rückzahlungen durch die Empfängerstaaten ergibt. Wegen der Langfristigkeit der bewilligten Kredite erfolgten die Rückzahlungen erst relativ spät und in geringem Umfang; sie betrugen 1991 lediglich 0,275 Mrd. US-Dollar und sind 2016 bereits auf 4,327 Mrd. US-Dollar angestiegen.

Zwischen 1991 und 2016 haben sich die jährlichen  Netto-Auszahlungen von 4,3 auf 8,8 Mrd. US-Dollar verdoppelt. Im Geschäftsjahr 2016, das am 30. Juni 2016 endete, waren die drei größten Kreditnehmer Äthiopien mit 1,86, Vietnam mit 1,67 und Bangladesch mit 1,56 Mrd. US-Dollar.

Beitragsleistungen Deutschlands

Das finanzielle Engagement Deutschlands sowohl bei der Erstzeichnung als in den 17 Wiederauffüllungsrunden findet sich im Einzelnen ebenfalls in Tabelle III.14-1. In den Jahren 1993-1996 (IDA-10) lag der deutsche Beitrag bei fast zwei Mrd. US-Dollar und erreichte damit absolut den höchsten Stand. Anteilsmäßig lag er für die Jahre 1982-1985 (IDA-6) mit knapp 12,5 Prozent am höchsten. Bei der IDA-17 ist Deutschland mit rund 5,5 Prozent nach Großbritannien mit 13,2 Prozent, USA mit 10,15 Prozent und Japan mit 9,35 Prozent viertgrößter Geber; der Stimmenanteil liegt bei 5,47 Prozent.

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