III. Sonderorganisationen

III.05 IBRD – Die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung

Die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (International Bank for Reconstruction and Development - IBRD) mit Hauptsitz in Washington, D.C., deren Mitgliederzahl zwischen 1996 und 2016 von 180 auf 188 angestiegen ist, verfügt über rund 13.000 vollbeschäftigte Mitarbeiter/innen mit festen Arbeitsverträgen, darunter etwa 5.000 im „internationalen“ Dienst (die Zahlen beziehen sich auf die Weltbank-Gruppe insgesamt, d.h. einschließlich III.12 IFC und III.14 IDA).

Die Bundesrepublik Deutschland ist seit dem 14. August 1952 Mitglied der Organisation. Sie verfügt gegenwärtig über einen Kapitalanteil von 4,35  Prozent und einen Stimmrechtsanteil von 4,14 Prozent und ist damit nach den USA (17,33 bzw.16,39 Prozent), Japan (7,46 bzw. 7,07 Prozent) und China (4,80 bzw. 4,57 Prozent) der viertgrößte Anteilseigner.

Voraussetzung für die Mitgliedschaft in der IBRD ist die IMF-Mitgliedschaft (vgl. III.04); die IBRD-Mitgliedschaft ist wiederum Voraussetzung für eine Mitgliedschaft in der IDA (vgl. III.14) und der IFC (vgl. III.12).

Das Geschäftsjahr der IBRD ist nicht identisch mit dem Kalenderjahr; 2015 bedeutet daher: 1. Juli 2014 bis 30. Juni 2015. Die IBRD vergibt ihre Darlehen zu kommerziellen Bedingungen. Dies bedeutet, dass diese Finanztransfers nicht zur öffentlichen Entwicklungshilfe gezählt werden.

Entsprechend ihrer Satzung verfolgt die IBRD drei Zielsetzungen, nämlich den Wiederaufbau der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Produktionsstätten, die entsprechende Umstellung der Produktionsanlagen sowie die Förderung der Entwicklung von Produktionsmöglichkeiten in den Entwicklungsländern (vgl. Artikel 1 IBRD-Abkommen). Nach der Wiederaufbau-Phase bis Mitte der 1950er Jahre steht die letztgenannte Zielsetzung im Mittelpunkt der Tätigkeiten; seit Anfang der 1990er Jahre gehören auch Staaten des ehemaligen sozialistischen Lagers dazu, die in der Mehrzahl jahrzehntelang nicht Mitglied der IBRD waren.

Aufgaben

Die zentrale Aufgabe der IBRD besteht in der Vergabe von langfristigen Darlehen an die Regierungen von Mitteleinkommensländern  (middle-income developing countries) zu marktnahen Bedingungen. Es handelt sich um Investitionskredite, um konkrete Projekte zu finanzieren, die für die wirtschaftliche Entwicklung der betreffenden Staaten von Bedeutung sind, wie zum Beispiel im Infrastrukturbereich. Ferner geht es um die Finanzierung von Reformprogrammen im Rahmen von direkter Budgethilfe.

Eine weitere Aufgabe besteht in der Beratung und Katalysatorfunktion zur Stimulierung von Investitionen durch Dritte (IBRD als knowledge bank). Weiterhin wichtig ist die begleitende „technische Hilfe“, um einerseits die technische Qualität von Projekten sicherzustellen und andererseits durch projektbezogene Schulung und Ausbildung die notwendigen Voraussetzungen für erfolgsversprechende Investitionen zu schaffen.

Mittelbeschaffung

Die IBRD finanziert ihre Darlehen in erster Linie über Mittel, die sie auf den internationalen Kaptalmärkten aufnimmt. Der größte Teil ihrer Aufnahmen erfolgt auf den privaten Kapitalmärkten, aber es werden auch erhebliche Beträge zu Marktbedingungen bei den Regierungen ihrer Mitgliedstaaten aufgenommen. Dabei bemüht sich die IBRD, die Quellen ihrer Mittelbeschaffung möglichst breit zu streuen, um eine zu große Abhängigkeit von einzelnen Märkten zu vermeiden. Nach den Bestimmungen des IBRD-Abkommens ist die Bank verpflichtet, die Genehmigung des Mitglieds einzuholen, auf dessen Kapitalmarkt und/oder in dessen Währung sie die Anleihen emittiert.

Das Grundkapital der IBRD, das als Finanzierungsquelle nur in der Anfangszeit eine nennenswerte Rolle spielte, belief sich 2016 auf 222 Mrd. US-Dollar (1944: 10 Mrd. US-Dollar). Grundsätzlich müssen die Mitglieder zwei Prozent ihrer gezeichneten Kapitalanteile in US-Dollar zur freien Verfügung der Bank und weitere 18 Prozent in der jeweiligen Landeswährung einzahlen. Den nicht gezahlten Teil des gezeichneten Kapitals kann die Bank jederzeit abrufen, um ihre Verbindlichkeiten aus Kreditaufnahmen oder Bürgschaften zu erfüllen. Diese Haftungsfunktion ist eine wesentliche Voraussetzung für die Kreditwürdigkeit der Bank.

Die Erträge der IBRD stammen vor allem aus Zinsen für Darlehen. Bereitstellungsgebühren für Darlehen, Zinserträgen aus Anlagewerten. Insgesamt belief sich im Geschäftsjahr 2015 der Netto-Ertrag auf 686 Mio. US-Dollar (vgl. Tabelle III.05-02, Spalte A). Diesen standen Aufwendungen in Höhe von 2 155 Mio. US-Dollar gegenüber (abzüglich der Korrekturen für Preisfaktor, Zuschüsse, Aufsichtsratsbudget und Pensionszahlungen).

Mittelverwendung

Grundsätzlich gewährt die IBRD den Mitgliedern nur Darlehen für wirtschaftlich sinnvolle und technisch machbare Vorhaben, die für das Nehmerland eine hohe entwicklungspolitische Priorität bewirken müssen. Für die IBRD-Darlehen ist eine Regierungsgarantie notwendig. Da die Darlehensvergabe in Devisen erfolgt, wird besonderer Wert auf Höhe und Struktur der Auslandsverschuldung gelegt. Da die IBRD keine Konkurrenz für andere Kapitalgeber sein soll, werden Darlehen nur dann vergeben, wenn es keine ausreichenden Finanzierungsquellen zu angemessenen Bedingungen auf den privaten Kapitalmärkten gibt.

Die durchschnittliche Laufzeit der IBRD-Darlehen liegt zwischen 15 und 20 Jahren, die Rückzahlung beginnt nach drei bis fünf Jahren.

In Tabelle III.05-01 werden die Entwicklungen aufgezeigt, die sich seit 1991 in Bezug auf Kreditneuzusagen (commitments), Brutto-Auszahlungen (disbursements) und Netto-Transfers beziehen. Im Geschäftsjahr 2016 erfolgten Kreditneuzusagen in Höhe von knapp 20 Mrd. US-Dollar; die Netto-Auszahlungen betrugen rund 13 Mrd. US-Dollar.

 

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