II. Ausgewählte UN-Fonds und -Programme

II.11 UNU – Universität der Vereinten Nationen

Die Universität der Vereinten Nationen (United Nations University – UNU) wurde im Jahr 1973 als ein Spezialorgan der Generalversammlung mit Resolution 3081 (XXVIII) gegründet. Ihre Aufgabe ist es, als eine internationale Gemeinschaft von Wissenschaftlern durch gemeinsame Forschung, Training und die Verbreitung von Wissen die Ziele und Grundsätze der Charta der Vereinten Nationen zu fördern und zur Lösung von globalen Problemen der menschlichen Entwicklung und Wohlfahrt beizutragen. UNU wurde zu diesem Zweck als reines Koordinierungszentrum eines weltweiten Netzwerks unabhängiger Forschungseinrichtungen konzipiert. Seit einer Änderung ihrer Charta im Dezember 2009 bietet die Universität außerdem eigene Master- und Doktorandenstudiengänge in verschiedenen UN-bezogenen Themen an. Dabei stehen fünf thematische Dimensionen vor dem Hintergrund der Agenda 2030 im Mittelpunkt des Interesses; sie werden eng miteinander verknüpft behandelt und interdisziplinär angegangen:

  • Frieden, Sicherheit und Menschenrechte;
  • Menschliche und sozio-ökonomische Entwicklung und gute Staatsführung;
  • Globale Gesundheit, Bevölkerung und dauerhafte Existenzgrundlagen;
  • Globaler Wandel und Nachhaltige Entwicklung;
  • Wissenschaft, Technologie, Innovation und Gesellschaft.

Hauptsitz der Universität ist Tokyo, Japan. Daneben betreibt UNU 13 eigene Institute und Programme in 12 verschiedenen Staaten, unter anderem das Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit (Institute for Environment and Human Security UNU-EHS) in Bonn und das Institute for Integrated Management of Material Fluxes and of Resources (UNU-FLORES) in Dresden. In Bonn befindet sich zudem das europäische Vizerektorat der Universität (UNU-ViE), welches seinerseits zwei spezialisierte Programme betreibt.

Der Rektor der Universität ist für die Leitung und Verwaltung der Universität verantwortlich und hat den Rang eines Untergeneralsekretärs. Er wird vom UN-Generalsekretär für eine Amtszeit von fünf Jahren ernannt. Seit März 2013 ist der Kanadier David M. Malone Rektor der UNU. Der Verwaltungsrat der Universität (UNU Council) legt die Grundsätze und Richtlinien der Universität fest und verabschiedet den Haushalt. Der Rat besteht aus 13 Mitgliedern (früher: 24), die für eine Amtszeit von sechs Jahren vom UN-Generalsekretär und von der Generaldirektorin der UNESCO ernannt werden. Die Mitglieder des Rates sollen als Individuen und nicht als Staatenvertreter handeln, werden aber unter Berücksichtigung einer breiten geografischen und fachlichen Verteilung ausgewählt. Zu den Mitgliedern gehört auch Angela Kane aus Deutschland. Der Rektor, der UN-Generalsekretär, die UNESCO-Generaldirektorin und der Direktor des Ausbildungs- und Forschungsinstituts der Vereinten Nationen (UNITAR; vgl. II.09) sind außerdem Mitglieder des Rats. Dieser tagt mindestens einmal im Jahr und berichtet über den ECOSOC jährlich der UN-Generalversammlung.

UNU-Haushalt

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon (3.v.r.) und UNU-Rektor Konrad Osterwalder (4.v.l.) sowie Leiterinnen und Leiter von UN-Einrichtungen in Tokyo, Japan im Juli 2009.

Nach Artikel II Ziffer 1 der UNU-Satzung soll die UNU im Sinne der Freiheit von Forschung autonom über die ihr für die Durchführung ihrer Aufgaben zur Verfügung gestellten Finanzmittel verfügen. Sie finanziert sich über freiwillige Beiträge, die entweder aus staatlichen oder nicht-staatlichen Quellen, wie Stiftungen, Universitäten oder Einzelpersonen, stammen. Die Finanzmittel werden in einem vom UN-Generalsekretär im Rahmen der UN-Finanzordnung eingerichteten Sonderkonto ausschließlich für den Eigenbedarf der UNU verwaltet.

Bei der UNU werden zwei Finanzströme unterschieden. Zum einen stammen sie als Zinserträge aus einem ständigen Stiftungsfonds (Endowment Fund), der von den UN-Mitgliedstaaten aus freiwilligen Beiträgen gespeist wird. Außerdem erhält die UNU jährliche Finanzmittel von Regierungen und anderen Geldgebern für die Unterstützung und Durchführung von Programm-Aktivitäten.

Die Einrichtung eines Stiftungsfonds ist im UN-System einzigartig. Die Initiative ging von Japan aus, dessen Regierung einen Beitrag von 100 Mio. US-Dollar innerhalb von fünf Jahren versprach – vorausgesetzt, dass auch aus anderen Staaten entsprechende Beiträge eingingen. Das 1976 gesetzte Ziel von 500 Mio. US-Dollar war jedoch nicht zu erreichen und wurde dann auf 250 Mio. US-Dollar reduziert. Im Jahre 2010 überschritten die Zusagen erstmals dieses Ziel, während die tatsächlichen Einzahlungen knapp darunter blieben. 2015 befanden sich 272 Mio. US-Dollar in Stiftungsfonds (vgl. Tabelle II.11-02).

Die Bundesrepublik Deutschland hat sich ebenfalls an der Aufstockung des Fonds beteiligt; ihre Zusage im April 1979 in Höhe von acht Mio. DM wurde in sechs Jahresraten realisiert (=3,56 Mio. US-Dollar).

So innovativ die Idee eines Stiftungsfonds auch sein mag, mit gesicherten Zinserträgen kann nur gerechnet werden, wenn (a) der Kurswert des japanischen Yen zum US-Dollar nicht zu großen Schwankungen zu seinen Gunsten unterworfen ist. Wenn zum Beispiel der Kurswert des Yen gegenüber dem US-Dollar beträchtlich ansteigt, wie ab Mitte der 1980er bis in die 1990er Jahre geschehen, und die Hälfte der Ausgaben in Yen erfolgt, während ein Großteil der Fonds-Werte in US-Dollar angelegt wurde, müssen deutliche Sparmaßnahmen ergriffen werden.

In Tabelle II.11-01 findet sich eine Aufstellung der freiwilligen Beiträge aus Deutschland für die Zeitraum 1991-2015. Es konnten erst die Jahresberichte der UNU ab 2000 ausgewertet werden. Die Zahlenwerte für die 1990er Jahre wurden vom UNU-Sekretariat mitgeteilt. Da es sich um gerundete Zahlen handelte, wurden auch die Zahlen für die letzte Dekade entsprechend vom Sekretariat gerundet. Danach erfolgten freiwillige, staatliche Leistungen erst ab 2004, die sich zwischen 2 und 5 Mio. US-Dollar pro Jahr bewegten, anteilsmäßig jedoch zwischen 13,3 und 20 Prozent lagen. Dem Anhang des 2003 UNU Annual Report ist jedoch zu entnehmen, dass die staatlichen Zahlungen bereits in einem bescheidenen Rahmen im Jahre 2003 begannen, als das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das Ministerium für Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen gemeinsam 0,285 Mio. US-Dollar für die Errichtung eines UNU-Instituts für Umwelt und menschliche Sicherheit (UNU Institute for Environment and Human Security; UNU-EHS) in Bonn überwiesen – eine Summe, die einem Anteil von gut zwei Prozent aller staatlichen Leistungen entsprach (= 2,15 Prozent). Gegenwärtig bestehen Finanzierungsabkommen mit dem BMBF und den beiden Landesregierungen sowie der Technischen Universität Dresden, die sich auf maximal 2,18 Mio. Euro belaufen.

In den UNU Annual Reports wird in der Übersicht “Erhaltene Beiträge“ zwischen Regierungen und anderen Beitragszahlern unterschieden. 2015 beliefen sich die Regierungsbeiträge auf 25 Mio. US-Dollar, darunter Deutschland mit 3,96 Mio. US-Dollar. Die anderen Leistungen setzten erst 2005 ein und können oftmals nicht als nicht-staatliche Beitragsleistungen scharf abgegrenzt werden; sie erreichten 2015 7,4 Mio. US-Dollar. (Darunter waren auch insgesamt rund zwei Mio. US-Dollar von anderen UN-Institutionen, wie unter anderem UNICEF, UNDP, UNESCO, UNEP, UNIDO und UNOPS).

Die anderen Zahlern aus Deutschland mit insgesamt etwa 1,24 Mio. US-Dollar wurden für 2015 mit folgenden Beiträgen in US-Dollar genannt:

Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)108 711
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)143 860
Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)240 201
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.583 531
Münchener Rück Stiftung92 302
Münchener Rück Versicherungs-Gesellschaft27 412
Universität Hannover44 618

 

In Tabelle II.11-03 werden die gesamten Einnahmen und Ausgaben für den  Zeitraum 1991-2010 gegenübergestellt. (Dabei handelt es sich oftmals um eine Halbierung der Angaben aus den Zwei-Jahres-Haushalten). Seit 2010 sind sowohl innerhalb als auch zwischen den Einnahmen und Ausgaben erhebliche Schwankungen zu beobachten.

 


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