II. Ausgewählte UN-Fonds und -Programme

II.01 UNCDF – Kapitalentwicklungsfonds

Der Kapitalentwicklungsfonds der Vereinten Nationen (United Nations Capital Development Fund – UNCDF) wurde im Jahr 1966 in einer Kampfabstimmung bei 19 Gegenstimmen der westlichen Industrieländer und 19 Enthaltungen hauptsächlich der Länder des Ostblocks von der UN-Generalversammlung gegründet (A/Res. 2186 (XXI) vom 13. Dezember 1966).

UNCDF gilt zwar als eine autonome, freiwillig finanzierte UN-Organisation, ist aber aufs engste mit dem UNDP (vgl. II.04) verbunden. Der Exekutivrat von UNDP ist zugleich auch Exekutivrat von UNCDF; dies gilt auch für den UNDP-Administrator (= UNCDF’s Managing Director).

Der Arbeitsbeginn von UNCDF wird auf 1973/1974 datiert, weil vorher die Entwicklungsländer faktisch unter sich waren, so dass die Beitragszusagen gering blieben und die Einzahlungen in konvertierbarer Währung, das heißt in US-Dollar noch niedriger lagen. Mit der erstmaligen Zahlung eines westlichen Industrielandes von rund 5 Mio. US-Dollar 1973/1974 durch die Niederlande wurde eine tatsächliche Arbeitsaufnahme ermöglicht. Danach schlossen sich auch zahlreiche andere westliche Staaten mit kleineren Zahlungen an. Lediglich die Bundesrepublik Deutschland hat aus prinzipiellen Gründen bis heute eine Unterstützung abgelehnt. In Tabelle II.01-01 werden im Einzelnen für den Zeitraum 1991-2011 aufgeführt:

A: Erhaltene freiwillige Beitragsleistungen (voluntary contributions received)

B: Projektausgaben aus regulären Ressourcen;

C: vergebene Darlehen; und

D: vorhandene Finanzmittel am Jahresende.

Die jährlichen, freiwilligen Beitragsleistungen (Spalte A) fallen recht bescheiden aus; sie sind nach einem Maximum von über 40 Mio. US-Dollar im Jahre 1991 deutlich gesunken und liegen derzeit jährlich bei deutlich unter 20 Mio. US-Dollar. Diese Beiträge bilden den Kern-Haushalt, das heißt sie sind nicht zweckgebunden. Zusätzlich zu den in Spalte A genannten freiwilligen Beiträgen sind auf der Einkommensseite noch Beiträge zur Projektumsetzung (cost-sharing) und zu zweckgebundenen Treuhandfonds (non-core contributions) zu berücksichtigen.

Weitere kleinere Einkommensquellen stellen Zinsträge und Entgelte als bezahlte Dienstleistungen (reimbursable support services) dar, so dass die jährlichen Gesamteinnahmen deutlich höher liegen (2009: 38,4 US-Dollar; 2010: 42,2 Mio. US-Dollar; 2011: 52,6 Mio. US-Dollar). Dementsprechend ist auch die Ausgabenseite über Spalte B hinaus zu ergänzen. 2009 betrugen die Gesamtausgaben 43,3 und 2010 42,1 Mio. US-Dollar, 2011 stiegen sie auf insgesamt 52,7 Mio US-Dollar. Spalte C zeigt auf, dass lediglich 1992 eine Darlehensvergabe in Höhe von 5 Mio. US-Dollar erfolgte.

Im Laufe der Entwicklung seit 1974 hat der UNCDF eine deutliche Wandlung erfahren. Waren es in den ersten 20 Jahren vor allem Kapitalhilfsmaßnahmen in Afrika für Infrastrukturprojekte (Straßen- und Brückenbau, Bewässerung), so sind es seit Mitte der 1990er Jahre folgende allgemeine Schwerpunkte:

  • Öffentliche Finanzierung von lokalen Entwicklungsmaßnahmen sowie
  • Finanzdienstleistungen für die Armen (unter anderem Mikrokredite)

Die dem UNCDF zur Verfügung stehenden Ressourcen bleiben vergleichsweise weiterhin bescheiden. Aber es wurden „Nischen“ entdeckt, um die lokalen Einrichtungen in den ärmsten Entwicklungsländern in die Lage zu versetzen, größere öffentliche und private Finanzquellen zu erschließen („Katalysator-Funktion“). Bei einer Analyse der Finanzierungsquellen bzw. Finanzgeber im Zeitablauf wird deutlich, dass der UNCDF heute aus fünf verschiedenen Quellen gespeist wird: 1) freiwillige Kernbeiträge, 2) bilaterale Geber-Ressourcen, 3) UNDP, 4) multilaterale Geber-Ressourcen (Europäische Kommission, Afrikanische Entwicklungsbank, IFAD, UN-Fonds) und 5) andere Fonds-Ressourcen (Stiftungen, NGOs, Privatsektor).

Eine Analyse der größten Geber (top contributors) mit jeweils über 4 Mio. US-Dollar jährlich führt zu folgenden Ergebnissen:

2008: 1. Gates-Stiftung, 2. Schweden, 3. UNDP, 4. Luxemburg, 5. Norwegen;

2009: 1. Belgien, 2. Schweden, 3. Spanien, 4. Europäische Kommission;

2010: 1. Gates-Stiftung, 2. Schweden, 3. Australien, 4. Belgien.

2011: 1. Master Card Foundation, 2. Schweden; 3. Belgien, 4. Australien, 5. Kanada.

Insgesamt stieg die Zahl der Geber im letzten Jahr von 29 auf 33. UNDP sorgt durch eime entsprechende finanzielle Unterstützung für gesicherte Programm-Ressourcen (2010: 3,1; 2011: 2,9 Mio. US-Dollar).


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