Eva-Maria Hanfstängl: Die Auswirkungen der globalen Wirtschaftskrise auf zivilgesellschaftliche Organisationen

In ihrer aktuell erschienenen Studie untersucht Eva-Maria Hanfstängl die Auswirkungen globaler Krisen auf die Leistungsfähigkeit zivilgesellschaftlicher Organisationen. 640 Organisationen weltweit beantworteten Fragen zu ihrer aktuellen Situation, ihren Strategien und Zukunftserwartungen.

In Zeiten globaler Krisen - der Wirtschaftskrise, der Ernährungskrise und des Klimawandels -,  so das Ergebnis der Studie, können zivilgesellschaftliche Organisationen weniger finanzielle Ressourcen mobilisieren, während gleichzeitig der Bedarf an ihren Unterstützungsleistungen steigt. Die Verschlechterung der finanziellen Situation im Zeitraum 2008 bis 2010 traf insbesondere zivilgesellschaftliche Organisationen in Subsahara-Afrika. In der Folge haben viele humanitäre und Entwicklungsorganisationen ihre Fundraising-Aktivitäten intensiviert. Dennoch blieben die Aussichten für das Jahr 2010 bescheiden.

Die zentrale Schlussfolgerung der Studie ist, dass zivilgesellschaftliche Organisationen Krisenfolgen wie wachsende Armut nicht mit ihren herkömmlichen Finanzierungsquellen eindämmen können. Daher müssen Regierungen eingreifen und Finanzmittel bereitstellen, die in Krisenzeiten zivilgesellschaftlichen Organisationen für ihre notwendigen sozialen Programme zur Verfügung stehen. Dazu ist die Bereitschaft von Regierungen, ihre Entwicklungshilfe zu steigern, unerlässlich. Regierungen sollten sich nach Angaben der befragten Organisationen außerdem für den Globalen Beschäftigungspakt der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sowie für den UN-Vorschlag eines sozialen Grundschutzes (Social Protection Floor) einsetzen, auf nationaler Ebene ihre sozialen Sicherheitsnetze ausbauen, Steuerflucht eindämmen und sich für innovative Entwicklungsfinanzierungs-instrumente wie eine Finanztransaktionssteuer stark machen.

Weltweite Krisen können in einer interdependenten Welt immer wieder auftreten. Deshalb sollte die Ergreifung aller nötigen Maßnahmen, um weitere Krisen zu vermeiden, hohe Priorität auf der politischen Agenda einnehmen. Die Bereitstellung finanzieller Mittel ist zumindest eine erste Maßnahme, um besser auf globale Krisen vorbereitet zu sein. Weitere Maßnahmen sollten die Schaffung eines globalen Wirtschaftsrates innerhalb der UN und die Einführung eines fairen Insolvenzverfahrens für Staaten sein. Zivilgesellschaftliche Organisationen können dabei helfen den Schaden, der den ärmsten und verletzlichsten Mitglieder der Gesellschaft droht, zu begrenzen.


Eva-Maria Hanfstängl: Impact of the Global Economic Crisis on Civil Society Organizations. DESA Working Paper No. 97, September 2010
>>> Die Studie im Volltext (englisch)


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