VENRO fordert die Unterstützung der Entwicklungsländer bei der Anpassung an den Klimawandel

Beitrag von Monika Dülge, Vorstandsmitglied, Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen e.V.

Der Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO) fokussiert seine Perspektive zum Thema Klimawandel auf die Situation der Entwicklungsländer, insbesondere derjenigen in Sub-Sahara-Afrika. VENRO betont zudem die Notwendigkeit, die Bekämpfung des Klimawandels und die Umsetzung von Klimaanpassungsstrategien mit der Aufgabe der Armutsbekämpfung und der Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele zu verknüpfen. Dazu VENRO-Mitglied Germanwatch: „Jedoch bleibt die nachhaltige Armutsbekämpfung immer noch eine zentrale Herausforderung. Indem sie die Vulnerabilität verringert, kann sie auch zur Erhöhung der Anpassungsfähigkeit beitragen. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Anpassungsmaßnahmen Synergien mit Bemühungen zur Erreichung der MDGs bringen können. Dies ist äußerst wichtig, um integrierte Strategien einer ‚anpassenden Entwicklung‘ zu entwerfen.“(2007).

VENRO begrüßt Initiativen zur besseren und vor allem kurzfristigeren Aufklärung von Klimaveränderungen auf regionaler Ebene, zu dem die 3. Weltklimakonferenz wichtige Beiträge leisten möchte. Es ist eine dringende Aufgabe, die Ergebnisse aus der regionalen Forschung und die Umsetzung der Ergebnisse in die Praxis stärker zu verbinden. Die Einrichtung und der Ausbau regionaler Forschungs- und Beratungszentren zur Anpassung an den Klimawandel sind hier wichtige Elemente und werden daher beispielsweise von einigen Entwicklungsländern im Rahmen der aktuellen UN-Klimaverhandlungen gefordert. Hier können die vor Ort tätigen Nichtregierungsorganisationen wichtige Partner sein. Denn diese sind häufig den armen Bevölkerungsschichten am nächsten, die am meisten unter den Klimaveränderungen leiden.

Anpassung an den Klimawandel

Die Anpassung an den Klimawandel stellt für die Entwicklungsländer eine riesige Herausforderung dar, insbesondere in finanzieller Hinsicht. Nach unterschiedlichen Schätzungen, z.B. von Oxfam oder dem UN-Entwicklungsprogramm UNDP sind zusätzlich mindestens 50 Milliarden US-Dollar jährlich erforderlich. Diese Zahl dürfte weiter steigen, solange die Treibhausgasemissionen zunehmen. Die bereits von den Industrieländern bereitgestellten Mittel zur Anpassungsförderung belaufen sich jedoch derzeit auf weniger als ein Prozent der erforderlichen Anpassungsfinanzierung.

Anpassungsmaßnahmen unterstützen: eine Frage der Gerechtigkeit

Da der Klimawandel von den Ländern mit einem hohen Ausstoß an Treibhausgasen verursacht wird, müssen zusätzliche finanzielle Mittel für die Bewältigung seiner negativen Auswirkungen aufgewendet werden. Dies ist keine Frage von freiwilliger Geberfreudigkeit, sondern von Gerechtigkeit. Die riesige Lücke zwischen dem Finanzbedarf für die Anpassung und den von den Industrieländern bereitgestellten Mitteln wächst.

Die Anpassung an den Klimawandel findet auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene statt und wird lokal den größten Nutzen bringen, wo die Auswirkungen des Klimawandels zuerst und am gravierendsten zu spüren sind. Beispielsweise bemühen sich Projekte in Benin, die klimabedingte Holzknappheit durch die Ausgabe effizienterer Kochherde auszugleichen. Dies ist ein Weg zur Bewältigung klimabedingter Probleme, der gleichzeitig mit einem Nutzen für die Gesundheit und Umwelt einhergeht. Die Unterstützung zur Verbesserung der Anpassungsfähigkeit der afrikanischen Bevölkerung ist entscheidend für die Bewältigung des Klimawandels. Die Finanzierung zur Unterstützung entsprechender Maßnahmen sollte praxisorientiert erfolgen. Eine besseren und an den Bedürfnissen dieser Menschen orientierte Wettervorhersage und Klimaanalyse kann wichtige Beiträge für eine effektive Anpassung leisten, regionale Forschungszentren können hier eine wichtige Funktion einnehmen.

Die EU spielt eine wichtige Rolle im Prozess zur Klimarahmenkonvention der UN (UNFCCC). Ihre Haltung zur Aufstockung der Anpassungsfinanzierung sowie ihrer Instrumente als auch Angebote der EU für geringere Emissionen werden Diskussionen über ein zukünftiges internationales Übereinkommen zum Klimawandel entscheidend beeinflussen.

Globale Energiewende vorantreiben – Entwicklung klimaverträglich gestalten

Die Zeit drängt. Um eine Begrenzung der Erderwärmung auf 2° zu erreichen und damit der Forderung nach einer adäquaten „Mitigation“, also Milderung der Auswirkungen des Klimawandels  Rechnung zu tragen,  sind Einsparungen an Treibhausgasemissionen in Höhe von 50-85% bis zum Jahr 2050 gegenüber dem Referenzjahr 2000 vonnöten, stellt der IPCC fest. Letztlich geht es dabei um den Ausstieg aus der fossilen Weltwirtschaft und Energieversorgung, denn nur so kann ein wirklich nachhaltiger Umgang mit den weltweiten Ressourcen auf die Dauer erreicht werden. Für die Übergangszeit bis dahin braucht es einen Mix, in dem insbesondere die Energieeffizienz, die Energieeinsparung und der Ausbau der Erneuerbaren Energien vorangetrieben werden.

Nachhaltige Energienutzung ist eine Voraussetzung für das Erreichen der Millenniums-Entwicklungsziele. Der Zugang zu sauberer und erschwinglicher Energieversorgung ist unentbehrlich für nachhaltige Entwicklung und Armutsbekämpfung und von großem Nutzen für die Bereiche Gesundheit, Alphabetisierung, Schaffung von Arbeitsplätzen, Einkommenssicherung, Stärkung der Wirtschaftskraft benachteiligter Gruppen und Gerechtigkeit.

Die derzeitigen Energieszenarien für das 21. Jahrhundert geben jedoch Anlass zur Sorge: Das heutige Energiesystem mit seinen in die Höhe schießenden Preisen für fossile Brennstoffe kann die moderne Energieversorgung für die unversorgten 1,6 Milliarden Menschen nicht bereitstellen. Eine Fortführung der aktuellen Energiepolitik hätte Umweltkatastrophen zur Folge, unter denen die Ärmsten am meisten zu leiden hätten, und eine wachsende Kluft zwischen Arm und Reich sowohl inner- als auch zwischenstaatlich. Steigende Erdöl- und Erdgaspreise würden zu einer weniger sicheren Welt führen, in der die Länder um knappe fossile Energieressourcen konkurrieren.

Der Anstieg der Erdölpreise der letzten Jahre hat in vielen Entwicklungsländern, insbesondere in Afrika, bereits zu Mehrausgaben geführt, die ihre Einnahmen aus der öffentlichen Entwicklungshilfe oder ihren Schuldenerlass übersteigen. Die Entwicklungsländer brauchen dringend einen besseren Zugang zur Energieversorgung, bei dem jetzt die Weichen in Richtung Nachhaltigkeit gestellt werden müssen.

Erneuerbare Energie zugunsten von Entwicklung nutzen

VENRO ist überzeugt, dass Energieversorgung nicht allein eine Frage von Technik, sondern entscheidend für wirtschaftliche Entwicklung, weniger Armut und ökologische Nachhaltigkeit von Entwicklung ist. Die Regulierung des Energiesektors ist dabei von zentraler Bedeutung. Die Herausforderungen im Energiebereich erfordern koordinierte nationale politische Handlungsrahmen für die Reform des Energiesektors. Ziel muss die Schaffung günstiger Bedingungen für dezentrale, demokratische und partizipatorische Lösungen sein. Zentrale Voraussetzung hierfür ist die Verbesserung der Wirtschaftskraft benachteiligter Gruppen auf lokaler Ebene, damit diese einen besseren Zugang zu moderner Energieversorgung erhalten. Die Nachahmung der zentralisierten Energiestrukturen und -märkte der EU ist keine Erfolg versprechende Strategie für Afrika.

Insbesondere in Ländern, die fossile Brennstoffe importieren, muss in jedem politischen Handlungskonzept zur Erweiterung des Zugangs zur Energieversorgung dezentralen erneuerbaren Energieträgern Priorität eingeräumt werden. Erneuerbare Energieträger gelten oft als zu teuer und müssen häufig subventioniert werden. Sie sind jedoch nur in der Anschub-Phase kostenaufwendig, im laufenden Betrieb jedoch billiger, und sie verwenden vor Ort verfügbare Ressourcen. Die hohen Subventionen für konventionelle Energieträger müssen zu erneuerbaren umgeleitet werden. Notwendig sind innovative Finanzierungsinstrumente für Ansätze zu einer dezentralen Versorgung mit erneuerbaren Energieträgern, zu denen zivilgesellschaftliche Organisationen, die Bevölkerung vor Ort, der Privatsektor und Regierungen Zugang haben müssen.