Katastrophenvorsorge: Ein unerlässlicher Bestandteil der Anpassung an den Klimawandel

Beitrag von Dr. Irmgard Schwaetzer, Vorsitzende des Deutschen Komitee Katastrophenvorsorge e.V. (DKKV)

Der 4. Bericht des Weltklimarates (IPCC) hat – deutlich wie noch nie zuvor – auf die zu erwartenden negativen Auswirkungen des Klimawandels hingewiesen. Es herrschte Konsens, dass der Klimawandel bereits statt findet und wir auch bei einem sofortigen Stop aller CO2-Emissionen in den kommenden Jahrzehnten mit einem sich verändernden Klima und seinen Auswirkungen leben müssen.

Diese Aussagen haben die Diskussion über Anpassungsmöglichkeiten an den Klimawandel – als zweite gleichwertige Säule neben der Minderung der Treibhausgasemissionen (Mitigation) - in den Vordergrund gebracht. Das Klimasekretariat der Vereinten Nationen (UNFCCC) hat mit seinem Nairobi-Arbeitsprogramm die Anpassung (Adaptation) an den Klimawandel als zweiten wichtigen Komplex als Aufgabe erhalten. Während die Europäische Kommission mit ihrem Grünbuch zur Anpassung an den Klimawandel auf der regionalen Ebene einen intensiven Diskussionsprozess begonnen hat, schreiten auf der nationalen Ebene die Entwicklung von nationalen Anpassungsstrategien voran. In Deutschland ist das Umweltbundesamt im Auftrag des BMU federführend mit der Entwicklung der DAS (Deutschen Anpassungs-Strategie) beauftragt.

Bereits heute sind wetterbedingte Extremereignisse für mehr als 75 % der Naturkatastrophen verantwortlich. Zusätzlich zu diesen beeindruckenden Zahlen weisen die Entwicklungen der letzten Jahre eine steigende Tendenz aus. Ursache hierfür ist neben dem Klimawandel eine zunehmende Verwundbarkeit (Vulnerabilität) der menschlichen Gesellschaft. Als Beispiel seien hier nur das Bevölkerungswachstum, die zunehmende Abhängigkeit von Versorgungswegen, die unkontrollierte Stadtentwicklung und die Übernutzung von Ressourcen zu nennen. Die negativen Auswirkungen des Klimawandels tragen zu einer nochmaligen Verschärfung dieser Risiken bei. Wetterbedingte Extremereignisse nehmen sowohl in ihrer Intensität als auch Häufigkeit zu.

Entwicklungsländer werden durch diese negativen Entwicklungen besonders hart betroffen. Sie verfügen nur über unzureichende Möglichkeiten, auf solche Ereignisse zu reagieren bzw. sich darauf vor zu bereiten. Die entstehenden Schäden vernichten Entwicklungsfortschritte der vergangenen Jahre. Katastrophenvorsorge und Anpassung an den Klimawandel sind eigenständige Themen, die allerdings eine große inhaltliche Schnittmenge haben.

Das Hauptziel der Katastrophenvorsorge ist es, durch eine Steigerung ihrer Widerstandsfähigkeit und die Reduzierung der Verletzlichkeit der Gesellschaft zu verhindern, dass extreme Naturereignisse zu Katastrophen führen. Anpassung an sich in ihrer Intensität und Wiederkehrhäufigkeit verändernde Extremereignisse ist ein Bereich, in dem Katastrophenvorsorge über ein Bündel von Instrumenten verfügt und wichtige Konzepte liefern kann. Sie reichen von der Risikoanalyse über risikosensitive Maßnahmen im längerfristigen Bereich (Berücksichtigung des Risikos in der Raumplanung und bei Baunormen, landwirtschaftlichen Praktiken) bis hin zur Vorbereitung auf den Katastrophenfall. Vielfach sind Planungswerkzeuge zu gestalten, die Planungsziele gesellschaftlich zu sichern und zu verankern. Die Gestaltung von allen Infrastrukturbereichen und Siedlungsstrukturen erfordert eine regional aufgegliederte Kenntnis sowohl über aktuell vorhandenes Extremwetter als auch über die tatsächlich aufgetretenen Katastrophen, vor allem aber Langfristvorhersagen über deren Entwicklung im Zuge des Klimawandels. Die Bereitstellung solcher Werte stellt zunächst eine große Herausforderung an die Klimamodellvorhersagen dar. Vor allem ist es dringend erforderlich, Informationen über die Genauigkeit und die regionale Verteilung bereit zu stellen. Nur auf einer solchen Grundlage kann Anpassung an den Klimawandel konkret gestaltet werden. Auch die zukünftige Entwicklung der Einrichtungen zur Katastrophenintervention erfordert regional aufgegliederte Vorhersagen über die Veränderungen von Wetterextremen. Dazu gehören nicht nur klassische Katastropheninterventionskapazitäten, sondern auch Kurzfristvorhersagen und –warnungen. Zusätzlich zu Langfristvorhersage sind zur Optimierung der Katastrophenvorsorge auch Klimavorhersagen im Bereich von einem bis zu einigen Jahrzehnten in regionaler Untergliederung dringend erforderlich. Nur bei Verfügbarkeit auch solcher Vorhersagen und Informationen über deren Genauigkeit können Anpassungsmaßnahme gestaltet werden.

Die Minderung der Treibhausgase ist eine globale Aufgabe. Im Gegensatz dazu muss die Anpassung an negative Auswirkungen des Klimawandels immer regional verankert sein. Dazu werden dringend Informationen über die zu erwartenden Auswirkungen des Klimawandels auf regionaler Ebene benötigt. Genauso wichtig sind Prognosen über die Entwicklung der gefährdeten Gesellschaft. Nur so kann sichergestellt werden, dass Katastrophenvorsorge die Dynamik des Risikos berücksichtigt und somit auch über einen längeren Zeitraum wirksam ist. Zur Zeit noch bestehende Unsicherheiten müssen nach Möglichkeit reduziert und wo dieses nicht möglich ist, müssen bestehende Unsicherheiten klar benannt werden, um eine realistische und transparente Entscheidungsfindung zu ermöglichen. Die Einbeziehung aller Akteure – gerade der gefährdeten Bevölkerung – ist hierfür wichtig. Die WCC3 wird sich mit diesen Fragestellungen befassen und so einen wichtigen Beitrag Klärung offener Fragestellungen leisten.

Klimabedingte Risiken müssen in allen Entwicklungsentscheidungen Berücksichtigung finden. Nur so kann erreicht werden, dass unsere Entwicklungsschritte dazu beitragen, Gefährdungen zu reduzieren oder mit den Worten des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) „Katastrophen sind das Ergebnis falscher Entwicklung“.

Katastrophenvorsorge muss fester Bestandteil aller Anpassungsstrategien an den Klimawandel werden. Nur so kann den derzeit vorhandenen beängstigenden Trends der Zunahme von wetterbedingten Katastrophen entgegen gewirkt werden. Der bereits stattfindende Austausch zwischen den Akteuren aus den verschiedenen Bereichen muss weiter intensiviert werden. Der Herausforderung „Anpassung an den Klimawandel“ können wir nur erfolgreich begegnen, wenn die vorhandenen Kapazitäten, Ressourcen, Wissen und Instrumente gebündelt und gemeinsam für die Katastrophenvorsorge eingesetzt werden. Das Deutsche Komitee Katastrophenvorsorge (DKKV) als Nationale Plattform innerhalb der International Strategy for Disaster Reduction (ISDR) der Vereinten Nationen leistet als Netzwerk, dass die verschiedensten Akteure der Katastrophenvorsorge zusammen bringt, einen Beitrag die verschiedenen Gruppen zu einem konstruktiven miteinander zusammen zu führen. Das DKKV ist offizieller Partner des Klimasekretariates der VN (UNFCCC) im Rahmen des Nairobi Arbeitsprogramms und ist in die Entwicklung der DAS eingebunden.