Klimawandel und private Wetterdienstleister

Beitrag von Dipl. Met. Dennis Schulze  -  Vorsitzender des Verbandes Deutscher Wetterdienstleister  e.V. (VDW) zur WCC3 Konferenz

Der Prozess des Klimawandels wurde schon um 1900 vom schwedischen Chemiker Svante Arrhenius benannt und auch mit dem Anstieg von Kohlendioxid in Zusammenhang gebracht. Damals wurde er sogar erhofft, um ein milderes Klima genießen zu können.

Heute dagegen wird Klimawandel hauptsächlich mit der durch uns Menschen verursachten globalen Erwärmung gleichgesetzt. Ziel einer weltweiten gemeinsamen Arbeit ist die Beherrschung und Eingrenzung der schädigenden Folgen. Die Notwendigkeit zum Handeln wird noch immer unterschiedlich betrachtet und durch verschiedene Interessen beeinflusst. Aufhalten können wir die in Gang gesetzte globale Erwärmung nach Aussage der Wissenschaft wohl nicht mehr; allenfalls eine Begrenzung und das Abmildern der Folgen erscheinen möglich. Und auch dies steckt – mit Blick auf die fehlenden Unterschriften unter das Kyoto-Protokoll – noch immer in den Kinderschuhen.

Voran gegangen sind vor allem die Finanzdienstleister als Versicherer der Unwetterschäden, die sich schon seit Jahren der marktwirtschaftlichen Schadensbegrenzung angenommen haben und in dem Wandel mittels Risikomanagement auch neue Chancen und Gestaltungsmöglichkeiten für die Wirtschaft sehen. Dazu benötigen sie genaue Informationen einer auf hohem Niveau angelegten Quelle.

Wir begrüßen als private Beratungsunternehmen im Bereich Wetter und Klima jeden weiteren Anstoß zur genaueren Erforschung und Aufklärung der Klima-Veränderungen und den damit verbundenen Folgen. Um Reaktionen, vor allem Innovationen zu provozieren sind genaue Daten zu den einzelnen Wirkungen des Klimawandels nötig.

Einen großen Beitrag dazu leistet der zum ersten Mal 2006 erstellte Globale Klima-Risiko-Index. Jedoch fehlt es noch an einem Regionalen Klima-Risiko-Index. Diese Thematik greift die dritte World Climate Conference auf und regt die Betrachtung der Unterschiede der Wirkungen des Klimawandels in den einzelnen Regionen an.

Diese Anregung zur regionalen Differenzierung sollte neben den staatlichen Forschungs- und Prognoseeinrichtungen auch das Know-how der privatwirtschaftlichen Dienstleister nicht vernachlässigen. Auf nationaler Ebene haben Großstädte wie Frankfurt a.M. und Berlin Kooperationen mit dem DWD zur Entwicklung von Klimamodellen für die regional eingegrenzten Bereiche geschlossen. Private Unternehmen sind daran bis jetzt nicht beteiligt. Dabei ist gerade der Wettbewerb um die besten Verfahren auch und gerade in diesem Bereich geeignet, effizient hochqualitative Forschungs- und Entwicklungsergebnisse zu liefern.

Auch in dem 2007 gegründeten Deutschen Klima Konsortium (DKK) sind private Wetter- und Klimaberatungsunternehmen rar. Dabei strebt das Konsortium Forschungsinitiativen zur Verbesserung der Genauigkeit von Klimaprognosen an und verfolgt das Ziel einer Website-Erstellung mit Informationen zu Klimawandel, Klimafolgen und Klimaschutz. Beide Ziele sind auch Themen der dritten World Climate Conference. Dabei sollen die gesammelten Daten der so genannten „Klima-Dienstleistungszentren“ jedem frei und kostenlos zur Verfügung stehen.

Dies ist ein richtiger Schritt, um die individuelle Beratung über die Folgen des Klimawandels auf eine breite Basis zu stellen. Darin enthalten sein müssen aber auch klimatologische Daten der Vergangenheit, die heutzutage vielfach in den Archiven ruhen und aufgrund hoher Zugangskosten nicht für die Allgemeinheit nutzbar gemacht werden.

Andererseits ist ein fairer Wettbewerb in der Beratung von Wirtschaft und Verwaltung wichtig, um die Potentiale historischer Wetter- und Klimadaten wie auch der langfristigen Klimaprognosen voll auszuschöpfen. Der Staat alleine wird die individuelle Beratung über die Folgen des Klimawandels auf einzelne Betriebe, Branchen oder Verwaltungsbereiche nicht leisten können. Private Wetterdienstleistungsunternehmen können hier unterstützen, um das Wissen rasch, umfassend und individualisiert möglichst breit verfügbar zu machen.

Mit ihren vielfältigen Kontakten in die Medien sind die privaten Wetterdienstleister zudem hervorragende Multiplikatoren, um das Wissen über den Klimawandel, aber auch die Unsicherheiten möglicher Auswirkungen fachlich fundiert und dennoch allgemeinverständlich darzustellen. Hier ist eine engere Partnerschaft zwischen privaten und staatlichen Dienstleistern und der Forschung wichtig und wünschenswert.

Wir wünschen der World Climate Conference 2009 eine beschleunigende Wirkung der weltweiten Aktivitäten gegen die fortschreitende Erderwärmung.