Der Deutsche Wetterdienst und die WCC3

Beitrag des Präsidenten des Deutschen Wetterdienst Wolfgang Kusch zur  WCC-3

Als 1979 die erste Weltklimakonferenz abgehalten wurde, und auch noch 1990 bei der zweiten Weltklimakonferenz, war das Thema Klimaänderung ein gesellschaftliches Randthema, das nur in Fachkreisen von wenigen Spezialisten diskutiert wurde.

Dass dies heute ganz anders ist, liegt nicht nur an den eingetretenen Umweltveränderungen, sondern auch daran, dass diese beiden Vorgängerkonferenzen Aktivitäten angestoßen haben, die ganz entscheidend zu dieser Bewusstseinsbildung beigetragen haben. Heute sind der zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen (IPCC) und seine Bewertungen zum Zustand des Weltklimas einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Die Verleihung des Friedensnobelpreises Ende 2007 an Al Gore und den IPCC sind ein Ausdruck der Wertschätzung der Leistungen des IPCC und der vielen daran beteiligten Wissenschaftler aus aller Welt. Die Klimarahmenkonvention (UNFCCC) wurde in Folge der zweiten Weltklimakonferenz vereinbart und hat die wissenschaftlichen Erkenntnisse in politische Diskussionen übertragen.

Inzwischen werden Betrachtungen zu Fragen der Klimaänderung und deren Folgen längst nicht mehr nur in der Meteorologie und Klimatologie angestellt, sondern auch in anderen Disziplinen, wie in der Finanzwissenschaft aufgegriffen. Die Klimaforschung hat sich damit zu einer sehr stark interdisziplinären Wissenschaft weiterentwickelt. Sie profitiert dabei nicht nur von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Verständnis des Klimasystems, sondern vor allem auch von Fortschritten in anderen Disziplinen wie etwa der Computertechnik.

Unverändert bilden jedoch weiterhin Beobachtungen des Klimasystems die Grundlage für weitere Erkenntnisgewinne und dienen gleichzeitig als Maßstab für die Güte der Vorhersagen und zur Weiterentwicklung sowohl von Wetter- als auch Klimamodellen. Neben den klassischen in situ Beobachtungen hat hierbei die Bedeutung der mittels Satelliten erhobenen Informationen in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. Das von der zweiten Weltklimakonferenz ins Leben gerufene globale Klimabeobachtungssystem (GCOS), ist jedoch auch fast 20 Jahre nach dessen Gründung noch nicht überall implementiert und voll funktionsfähig. Dies gilt insbesondere für die weniger entwickelten Regionen. Neben Fragen zur Abschwächung des Klimawandels treten zunehmend Fragen zur Anpassung an den nicht mehr zu vermeidenden Klimawandel in der Vordergrund. Hier die richtigen Antworten geben zu können ist eine Herausforderung für alle Nationen dieser Welt. Dies gilt ganz besonders für die am wenigsten entwickelten Länder und Regionen.

Die dritte Weltklimakonferenz (WCC-3) wird, wie ihre beiden Vorgänger auch, von der UN Weltorganisation für Meteorologie (WMO) federführend organisiert. Durch die Einbeziehung möglichst vieler Nutzer von Klimainformationen, vor allem aus dem UN-System, sollen die Ergebnisse auf einer möglichst breiten Basis stehen. Ziel ist es, nächste Schritte anzustoßen, um die Erkenntnisse aus der Klimaforschung, und vor allem aus den nun vielfach routinemäßig vorliegenden Klimavorhersagen, in die täglichen Planungs- und Entscheidungsprozesse in Politik und Wirtschaft einfließen zu lassen bzw. zu verankern. Neue Impulse werden dabei auch für die vollständige Implementierung von GCOS sowie für die Klimaforschungsprogramme erwartet. Die Messlatte wurde dabei von den Vorgängerkonferenzen sehr hoch gelegt. Entsprechend hoch sind daher auch die Erwartungen an die WCC-3.

Der DWD ist an einem Erfolg der WCC-3 sehr interessiert. Hierzu habe ich als Vertreter Deutschlands bei der WMO, mit Unterstützung durch den Verkehrsminister, erreicht, dass Deutschland einen wesentlichen finanziellen Beitrag zur Durchführung der Konferenz leistet. Mit Prof. Dr. Martin Visbeck stellt Deutschland darüber hinaus einen anerkannten Wissenschaftler unter dessen Leitung das Programm der WCC-3 entwickelt wird. Mit Herrn Rösner ist ein Mitarbeiter des DWD unmittelbar an den Vorbereitungen der WCC-3 beteiligt. Als Mitglied des Leitungsgremiums von GCOS vertritt er dabei das globale Klimabeobachtungssystem.

Aber auch in Deutschland werden in immer mehr Disziplinen Klimainformationen benötigt und berücksichtigt. Der DWD ist dabei ein viel gefragter Partner, vor allem wenn es um Fragen der beobachteten Klimaänderungen geht und darum, welche Auswirkungen auf verschiedene Sektoren in den nächsten Jahrzehnten in Deutschland zu erwarten sind. Mit seinem Programm zur Digitalisierung von historischen Klimadaten aus Deutschland trägt der DWD zur Vervollständigung der nationalen Klimadatenbasis bei. Mit der Zusammenstellung von Wirkmodell-Eingangsdatensätzen für die Klimafolgenforschung (ZWEK-Projekt) leistet der DWD bereits einen Beitrag um die zu erwartenden Auswirkungen des Klimawandels für verschiedene Sektoren und Regionen abschätzen zu können. Zum Beispiel im Bereich der Stadtplanung: hier erstellt der DWD Szenarienrechnungen mit seinem bewährten urbanen Klimamodell (MUKLIMO_3), das die Verteilungen des Windes und der Lufttemperatur insbesondere in bebauten Gebieten berechnet. Das städtische Bioklimamodell UBIKLIM des DWD ermöglicht im Anschluss daran dann eine sachgerechte Beurteilung des Stadtklimas für eine klimagerechte Planung. In Verbindung mit dem ebenfalls vom DWD entwickelten Klima-Michel-Modell können daraus hochwertige Bioklima-Karten erzeugt werden, die über die "gefühlte Temperatur", also über den Status der Wärmebelastung des Menschen in den verschiedenen städtebaulichen Umgebungen für die unterschiedlichsten Szenarien, Auskunft geben.

Ich begrüße das Engagement der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V. damit diese wichtige Konferenz auch bei uns in möglichst vielen Gesellschaftskreisen bekannt wird und Beachtung findet. Interessierte Gruppierungen und Verbänden lade ich ein, mir Ihre Erwartungen und Forderungen an die WCC-3 mitzuteilen.