Klimawandel - Aufhalten oder Anpassung?

Beitrag von Holger Krahmer, Mitglied des Europäischen Parlaments, zur Dritten Weltklimakonferenz

Die Konferenz in Genf rückt ein Thema in den Mittelpunkt, das in der Klimadebatte vernachlässigt wird: Den Umgang mit den Folgen des Klimawandels.

Im Mittelpunkt der bisherigen Klimapolitik steht die Erreichung des "Zwei-Grad-Ziels" bis zum Ende des Jahrhunderts. Ich persönlich habe mit diesem Ziel drei konkrete Probleme. Erstens gibt es inzwischen ernstzunehmende wissenschaftliche Hinweise, die zeigen, dass uns die Fokussierung politischer Maßnahmen auf die Reduktion von Kohlendioxid diesem Ziel nicht näher bringen wird. Zweitens kann kein Politiker, der heute Entscheidungen trifft, für die langfristigen Konsequenzen der heute getroffenen Entscheidungen zur Verantwortung gezogen werden. Dies betrifft sowohl die Zielerreichungskontrolle als auch einen möglicherweise übertriebenen Mitteleinsatz, der die Prosperität unserer Volkswirtschaften gefährdet. Drittens zeigen die Erfahrungen mit dem Kyoto-Protokoll, dass es sehr schwierig ist, die Weltgemeinschaft hinter ein völkerrechtlich verbindliches Abkommen über die Reduktion von Kohlendioxid zu versammeln. Ganz realistisch betrachtet, muss man "Kyoto" sogar als Fehlschlag bezeichnen, denn die CO2-Welt ist heute so, als hätte es dieses Abkommen nie gegeben.

Einige sind der Ansicht, wir müssten beides tun: Klimawandel bekämpfen und uns an die klimatischen Veränderungen anpassen. Unter der Maßgabe, die Umweltpolitiker gern übersehen, bin ich für einen effizienten Mitteleinsatz: Wir können jeden Dollar oder Euro immer nur einmal ausgeben. Politiker müssen sich gerade bei Klimakonferenzen in Erinnerung rufen, dass es die von ihren Bevölkerungen erwirtschafteten Mittel sind, über deren Verteilung sie entscheiden. Deshalb plädiere ich für Augenmaß. Wir müssen Energie effizient einsetzen und Ressourcen schonen. Ich wehre mich aber gegen den politischen Eifer, der Reduktion von Kohlendioxid alles andere unter zu ordnen.  

Daher ist meine Anregung für die bevorstehende Genfer Konferenz: Identifizieren wir die konkreten Risiken, denen Menschen in Folge klimatischer Veränderungen ausgesetzt sind und organisieren wir Hilfe. Diese Hilfe sollte auf zwei Wegen stattfinden: Schutz vor Gefahren durch extreme Wetterphänomene, wie Überschwemmungen und starke Stürme.

Die zweite Hilfe ist der Aufbau selbst tragender wirtschaftlicher Strukturen. Denn es sind heute vor allem die besonders Armen, die den Naturgewalten schutzlos ausgeliefert sind. Außerdem sollten einige Fehlentscheidungen in Folge der übertriebenen Klimadebatte auch auf internationaler Ebene zur Sprache kommen, um korrigiert zu werden: Der künstlich verstärkte Hunger nach Energie aus Agrarrohstoffen durch falsche Anreize wie Quoten hat zu einer gefährlichen Konkurrenz zwischen Nahrungsmittel- und Treibstoffproduktion geführt. Die Folge: Mehr Menschen hungern. Diese fatale Konsequenz politischer Entscheidungen im Gefolge der Klimapolitik muss uns für künftige politische Entscheidungen eine Lehre sein!

Wir sollten in Erwägung ziehen, dass nicht die Bekämpfung des Klimawandels im Mittelpunkt stehen sollte, sondern die Anpassung an unvermeidliche Klimaänderungen die wichtigere Aufgabe ist.