Denkanstöße und Weichenstellung: Die Erwartungen der KfW and die WCC3

Beitrag von Uwe Ohls, KfW-Entwicklungsbank

Unser globales Klimasystem verändert sich – mit schwerwiegenden Folgen: Durch die Erwärmung der Erde entstehen deutlich mehr extreme Wettersituationen, steigen die Meeresspiegel, sterben Arten aus, erleiden menschliche Gemeinschaften immense Schäden. Die Folgen des Klimawandels bedrohen die Entwicklungsländer schon heute am stärksten.

Treibhausgase zu reduzieren und die Entwicklungsländer bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels zu unterstützen, diese Ziele berühren viele Förderbereiche der KfW Entwicklungsbank – von der Energie- und Wasserversorgung, der Stadtentwicklung und Mobilität bis zur Biodiversität, der Landwirtschaft und der Abfallwirtschaft.

Die Frage danach, wie sich Klimawandel auf das Projektportfolio der KfW Entwicklungsbank auswirkt, spielt eine wichtige Rolle bei unserer Projektplanung. Klima ist ein Querschnittsthema und Klimaarbeit bedeutet, vernetzt zu denken. Im Rahmen des so genannten Klima-Mainstreaming entwickeln wir zur Zeit Instrumente, die es ermöglichen, Klimaschutz und Anpassung in allen Sektoren hinreichend zu berücksichtigen. Alle Vorhaben werden systematisch daraufhin untersucht, ob sie einen Beitrag zu Klimaschutz und Klimawandel-Anpassung leisten.

Unsere Partnerländer darin zu stärken, mit extremen Wetterereignissen und veränderten klimatischen Bedingungen zu leben, ohne dass es zu Rückschritten bei Armutsbekämpfung und Wirtschaftsentwicklung kommt, ist eine offensichtliche Aufgabe. Darüber hinaus müssen wir uns bei der Auslegung von Wasserkraftwerken und Windparks schon heute Gedanken über ein sich änderndes Wasserangebot oder Windregime machen, denn bei solchen Infrastrukturprojekten mit langen Laufzeiten wird Klimawandel ohne Frage eine Rolle spielen. Zugegebenerweise suchen wir für die Berücksichtigung dieser Aspekte noch nach optimalen Lösungen. Wir benötigen Instrumente, die den Partnern erlauben, klimawandelbedingten Risiken schon bei der Planung von Vorhaben entgegen zu wirken. Das kann zum Beispiel heißen, den Standort, die Größe und den Betrieb eines Kraftwerks oder einer Deponie den veränderten Bedingungen anzupassen.

Da die regionalen oder lokalen Folgen des Klimawandels bis jetzt nur unzureichend erforscht sind – die Prognosen  weisen große Streuungen auf, und es bestehen noch hohe räumliche und zeitliche Unsicherheiten -, setzt die KfW Entwicklungsbank bei der Anpassung an den Klimawandel bis zur Vorlage gesicherter Erkenntnisse auf so genannte "no-regret"- Maßnahmen, die auch bei unklarer Datenlage sinnvoll sind.  Das sind beispielsweise Vorhaben zum Schutz von Wassereinzugsgebieten, Projekte gegen Wasserverluste und Nahrungsmittelknappheit. Ende 2007 dienten bereits 39 Prozent aller laufenden Vorhaben im Portfolio der KfW Entwicklungsbank der Vermeidung von Treibhausgasemissionen oder der Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Dadurch tragen wir dem Anspruch der Bundesregierung auf eine Vorreiterrolle der deutschen Entwicklungszusammenarbeit beim Klima- und Umweltschutz Rechnung. Das klimarelevante Portfolio beziffert sich auf 6,85 Milliarden Euro und erstreckt sich vor allem auf die Sektoren Energie, Wasserwirtschaft, Landwirtschaft, Umwelt und Transport.

Die KfW Entwicklungsbank hat dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) eine Erweiterung der Fazilität für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz zu einer Klima- und Umweltschutzinitiative vorgeschlagen. Zwischen 2008 und 2011 sollen für klima- und umweltrelevante Investitionen in Entwicklungsländern mindestens 2,4 Milliarden Euro als zinsgünstige Darlehen und Zuschüsse bereitstehen. Die Mittel sollen vor allem eingesetzt werden für Investitionen in den Ausbau von erneuerbaren Energien und zur Steigerung der Energieeffizienz, die Förderung von industriellem Umweltschutz, energiesparende Mobilität, eine ökologische Entwicklung von Ballungsräumen und natürlich für die Anpassung an den Klimawandel, d.h. Investitionen in Stadtentwässerung, Integriertes Wasserressourcenmanagement und Hochwasserschutz, klimaresistente Infrastruktur sowie Umstellung der Land- und Forstwirtschaft. Zusätzlich wurde im Jahr 2008 die Zusammenarbeit mit dem Bundesumweltministerium im Rahmen der Internationaler Klimaschutzinitiative aufgenommen.

Bereits die beiden vorangegangenen Klimakonferenzen haben gezeigt, dass von Veranstaltungen dieser Art wichtige Impulse ausgehen können. Solche Effekte erwarten wir uns auch dieses Mal. In diesem Sinne hoffe ich, dass uns die Konferenz weitere Denkanstöße gibt und – wo nötig – die richtigen Weichen gestellt werden. Daran ist nach all dem, was wir über frühere Weltklimakonferenzen wissen, auch nicht zu zweifeln. Der Zugang zu verlässlichen Klimaprognosen ist für die Planung unserer zukünftigen Vorhaben von immensem Wert. Ich möchte der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen ganz herzlich für ihre Initiative danken, die öffentliche Diskussion über die anstehende Konferenz anzuregen.

All denjenigen, die sich eingehender für die Berührungspunkte der KfW Entwicklungsbank mit Fragen des Klimawandels in den unterschiedlichen Sektoren interessieren, empfehle ich einen Blick auf die Klimaseite unserer Homepage.