Folgen des Klimwandels und regionale Anpassung

Beitrag zur Dritten Weltklimakonferenz von Thilo Hoppe, Mitglied des Bundestags und Vorsitzender des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Bei der Diskussion um die Folgen des Klimawandels wird eines immer deutlicher: Sie werden die Staaten am härtesten treffen, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben und die zudem die schlechteste Ausgangslage haben, um notwendige Anpassungsmaßnahmen in die Wege zu leiten. Die Umsetzung der Millennium Development Goals (MDG) bis zum Jahr 2015 wird also auch durch die schon jetzt spürbaren Klimaveränderungen erschwert.

Der Kampf gegen den Hunger ist hier nur ein Beispiel unter vielen: Während in einigen Regionen Ernten anhaltenden Dürren zum Opfer fallen, sind es anderswo sinnflutartige Regenfälle, die die Ernten regelrecht wegspülen. Für die kommenden Jahre und Jahrzehnte rechnen Wissenschaftler mit erheblichen Ernteverlusten, gerade auch in Regionen, die diese schwerlich durch den Zukauf von Lebensmitteln ausgleichen können. Damit wird die Unterstützung einer umwelt- und klimaangepassten Landwirtschaft vor allem in Afrika eine Aufgabe, die eine stärkere Zusammenarbeit erforderlich macht.

Durch den Klimawandel ist mit einem Anstieg der Meeresspiegel und der Zunahme von Wetterextremen zu rechnen. Ganze Länder, wie etwa die kleinen Inselstaaten im Pazifik oder in der Karibik, sind in ihrer Existenz gefährdet. Im bevölkerungsreichen Bangladesch drohen unkontrollierbare Überschwemmungen. Die 150 Millionen Menschen, die dort leben, erzeugen nur ein Zwanzigstel der deutschen CO2 Emissionen und trotzdem werden sie deutlich mehr unter dem Klimawandel leiden als wir. Bangladesch emittiert nicht nur viel weniger als Deutschland, sondern hat auch viel weniger Mittel zur Verfügung, um seine Bevölkerung durch bessere Deiche zu schützen.

Da wir, die Industrieländer, die Hauptverantwortlichen des Klimawandels sind, müssen wir auch die Hauptverantwortung übernehmen – und dies in mehreren Bereichen: Zum einen müssen die Emissionen der Industrieländer drastisch gesenkt werden. Darüber hinaus müssen wir einen erheblichen Beitrag zur Emissionssenkung in den Schwellen- und Entwicklungsländern leisten. Der Clean Development Mechanism (CDM) des Kyoto-Abkommens ist ein Instrument hierfür, das aber bei weitem nicht ausreicht.

Rund 20 Prozent der weltweiten CO2 Emissionen entstehen durch Abholzung und Brandrodung von Wäldern. Das entspricht den jährlichen Emissionen der USA. Wenn die Entwaldung vor allem in den großen Waldgebieten der Tropen verringert würde, wäre dies ein großer Beitrag zur weltweiten Emissionssenkung. Damit der Walderhalt auch ökonomisch attraktiv für Länder wie Brasilien, Indonesien und den Kongo wird, müssen die internationale Gemeinschaft und die Industrieländer den Walderhalt unterstützen und entlohnen.  

Im Grundsatz ist bereits anerkannt, dass ein Schutz nur gelingen wird, wenn waldreiche Staaten für den Erhalt finanziell kompensiert werden. Eine herausragende Rolle spielen hierbei die Indigenen und Kleinbauern, die im und vom Wald leben. Sie erfüllen eine „Umweltdienstleistung“, auf die wir alle angewiesen sind, die aber in unserem marktwirtschaftlichen System nicht berechnet und bezahlt wird. Auf der Klimakonferenz in Bali im Dezember 2007 wurde eine Waldpartnerschaft ins Leben gerufen, um einen effizienten Schutz der Wälder zu entwickeln. Als Instrument dient ein erster Fonds: die Forest Carbon Partnership Facility. Ziel der Partnerschaft ist es, ein Kompensationsregime für vermiedene Entwaldung zu etablieren. Das heißt, Länder mit großen Waldgebieten bekommen Kompensationszahlungen, wenn sie für den Walderhalt erhalten.

Laut Sir Nicholas Stern, der durch den von ihm verfassten Stern Review on the Economics of Climate Change bekannt wurde, ist der Tropenwaldschutz eine der günstigsten Formen des Klimaschutzes. Die Kosten für einen effizienten Schutz beliefen sich auf zirka 15 Millarden US Dollar jährlich. Im Vergleich zu dem was in anderen Bereichen eingesetzt werden müsste, um die gleichen Emissionseinsparungen zu erreichen, sind die Kosten deutlich niedriger.

Die Industrieländer stehen aber auch in der Verantwortung, andere Staaten bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen und diese Anpassung in wesentlichen Teilen zu finanzieren. Die Gelder für die Anpassung der Entwicklungs- und Schwellenländer sowie für die Vermeidung von Emissionen in diesen Ländern können aber nicht allein aus den Kassen der Entwicklungsfinanzierung kommen. Denn diese Mittel werden für die Umsetzung der MDGs gebraucht, also für den Kampf gegen Hunger, Armut und AIDS, um nur einige Themen zu nennen. Vielmehr ist eine solidarische Finanzierung erforderlich, die auf innovative Finanzierungsinstrumente wie die Kerosinsteuer oder die Flugticketabgabe und die Versteigerung von Emissionszertifikaten setzt.

Bei den Projekten und Programmen der Entwicklungszusammenarbeit wird es in Zukunft darauf ankommen, diese so zu gestalten, dass sie „klimasicher“ sind. Das heißt, dass künftige Klimaveränderungen bei der Planung bedacht werden, etwa Gletscherschmelzen beim Bau von Wasserkraftwerken in Nepal. Es heißt aber auch, dass sich die  Entwicklungszusammenarbeit  davon verabschieden muss, klimaschädliche  Projekte, wie den Bau von Kohlekraftwerken, zu unterstützen.

Um Projekte und Programme „klimasicher“ gestalten zu können, müssen wir mehr darüber wissen, wie sich der Klimawandel in verschiedenen Regionen auswirken wird. Ein Schwerpunkt der internationalen Zusammenarbeit muss daher der Auf- und Ausbau von Forschungskapazitäten und Frühwarnsystemen in den betroffenen Ländern sein. So ist gerade in Afrika mehr Forschung notwendig, um die landwirtschaftliche Produktion von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern an den Klimawandel anzupassen. Und diese Anpassung ist unerlässlich, denn 70 Prozent der Bevölkerung Afrikas arbeiten in der Landwirtschaft und leben von ihr.