Vier Probleme durch Abholzung

Waldrodung ist verheerend für Klima, Biodiversität, Verteilungsgerechtigkeit und indigene Menschen

 

Schon die Hälfte der weltweiten Wälder wurde durch die Menschheit abgeholzt – und die Abholzung geht weiter: Alle zwei Sekunden wird Waldfläche in der Größe eines Fußballfeldes vernichtet. Im dicht besiedelten Europa gibt es quasi keine natürlichen Urwälder mehr. In Asien, Afrika und Südamerika gibt es zwar noch Urwälder, doch sie werden täglich kleiner. Allein seit dem Jahr 2000 wurden 40 Millionen Hektar Urwald zerstört und schon innerhalb von zwanzig Jahren könnte ein Drittel der heute noch existierenden Urwälder verschwunden sein.

Die Wälder verschwinden unumkehrbar. Dieser Verlust von einmaliger Natur allein ist schlimm. Doch wesentlich dramatischer sind die Probleme, die durch die Abholzung verursacht bzw. verstärkt werden: Klimawandel, Rückgang der Biodiversität, Gefährdung von indigenen Völkern und Ausbeutung von Menschen. Doch warum genau führt Waldrodung zu diesen Problemen?

 

Klimawandel

Studien zeigen, dass Abholzung schon heute die Ursache für bis zu 20 % der klimaschädlichen Emissionen ist – und der Anteil steigt weiter. Waldschutz ist deshalb eine der wichtigsten Maßnahmen für eine nachhaltige Klimapolitik.

Der Grund für die große Bedeutung des Waldes für das Klima ist seine Funktion im weltweiten CO2-Kreislauf. Kohlenstoffdioxid ist ein Treibhausgas – steigt sein Anteil in der Atmosphäre, führt dies zu Erderwärmung. Die Funktion der Wälder im CO2-Kreislauf ist eine doppelte: Umwandlung und Speicherung. Die Pflanzen wandeln während ihrer Photosynthese CO2 in Sauerstoff um und sind ein riesiger CO2-Speicher. Sie senken damit den CO2-Anteil in der Luft zugunsten des Sauerstoffanteils. Der wichtigste Ort für die Photosynthese sind die Regenwälder in Asien und Südamerika, die für XX% der weltweiten Kohlendioxidumwandlung sorgen. Abholzung durch Brandrodung verursacht enorme Emissionen, weil das gespeicherte CO2 bei der Verbrennung freigesetzt wird. Wenn gerodete Wälder weiterverarbeitet werden, beispielsweise zu Möbeln, bleibt das CO2 noch im Holz gespeichert und wird erst freigesetzt, wenn das Holz irgendwann verbrannt wird.

Entscheidende Einflussgrößen auf die CO2-Bilanz von Waldrodung sind deshalb einerseits, ob und wann das in den Bäumen gespeicherte CO2 freigesetzt wird. Durch Wiederverwendung von altem Holz und Recycling von Papier kann Kohlenstoffdioxid länger gebunden werden. Andererseits ist ein wichtiger Faktor für die CO2-Bilanz, ob geeignete Wiederaufforstung betrieben wird. Künstliche Monokulturen, beispielsweise Palmölplantagen oder Felder mit Energiepflanzen, haben eine geringere Photosyntheseleistung und können deshalb weniger CO2 umwandeln als diversifizierte und naturähnliche Wälder.

Abholzung führt zu Klimawandel. Mehr Informationen zu den verschiedenen Aspekten und Ursachen des Klimawandels finden Sie auch auf dem DGVN-Portal www.klimawandel-bekaempfen.de.

 

Biodiversität

Die Artenvielfalt ist massiv bedroht. Durch menschliche Nutzung der Natur ist die Quote des Artensterbens 100 bis 1000 mal höher als der natürliche Verlust – alle 12 Minuten stirbt eine Art aus. Eine Hauptursache für die abnehmende Biodiversität ist die Abholzung der Wälder.

Wälder allgemein und Regenwälder im Speziellen sind Biotope mit der höchsten Artenvielfalt. Sie sind der Lebensraum für eine Vielzahl von Arten, die allein aufgrund ihrer Existenz schützenswert sind. Weil jede Art auch eine bestimmte Funktion in ihrem Lebensraum hat, sind durch das Artensterben sogar ganze Biosysteme gefährdet. Darüber hinaus hat die Artenvielfalt auch ganz direkten Nutzen für die Menschheit: Sie stellt einen großen Genpool zur Verfügung, der für die Entwicklung von Medikamenten genutzt werden kann. Der Urwald wird deshalb oft auch als größte Apotheke der Welt bezeichnet.

Mehr Informationen zur Biodiversität und den Maßnahmen der UN zu ihrem Schutz finden Sie auf dem Themenschwerpunkt Biodiversität.

 

Gefährdung von indigenen Völkern

60 Millionen indigene Menschen leben in völliger Abhängigkeit vom Wald – durch Abholzung und die wirtschaftliche Ausbeutung der Wälder sind sie extrem gefährdet. Ihre gesamte Lebensform ist untrennbar mit dem Wald verbunden. Indigene Völker leben in enger Symbiose von und mit dem Wald – sie nutzen ihn nachhaltig, ohne ihn zu zerstören.

Indigene Völker haben das Recht darauf, ihre traditionelle Lebensform zu bewahren. Diese Rechte sind in der Deklaration über die Rechte indigener Völker und der ILO-Konvention 169 festgehalten – und werden vielerorts durch die Waldrodung systemtisch verletzt.

Mehr Informationen über Indigene Völker, ihre Rechte und die Rolle der UN bei deren Schutz finden Sie auf dem Themenschwerpunkt Indigene Völker.

 

Gerechtigkeit und Armut

Der Umgang mit dem Wald hat nicht nur Folgen für Klima und Umwelt, sondern ist auch eine soziale Frage. Waldrodung hat auf drei verschiedenen Arten mit Gerechtigkeit und Armut zu tun.

Erstens leben laut Weltbank ungefähr 350 Millionen Menschen im Wald oder in der Nähe von Waldgebieten, die wirtschaftlich direkt vom Wald abhängig sind. Diese Menschen betreiben entweder Subsistenzwirtschaft oder Handel in kleinem Maßstab mit Waldprodukten – von Lebensmitteln bis Kunsterzeugnissen. Abholzung entzieht diesen Menschen ihre Lebensgrundlage und kann deshalb zu Armut führen.

Zweitens sind ungefähr 1,6 Milliarden Menschen wirtschaftlich vom Wald abhängig, weil sie in der Waldindustrie und den damit zusammenhängenden Wirtschaftszweigen arbeiten. Darunter fallen Beschäftige, die direkt in der holzverarbeitenden Industrie arbeiten, beispielsweise in Sägewerken oder in der Papierindustrie. Nachhaltige Waldnutzung ist deshalb nicht nur eine ökologische, sondern auch eine soziale Frage. Sie muss so organisiert sein, dass sie nicht nur umweltverträglich ist, sondern auch so, dass die Beschäftigten ausreichende Einkommen erzielen und unter menschenwürdigen Bedingungen arbeiten.

Drittens ist gerechte Waldnutzung ein globales Problem, denn beim Wald geht es um die Erhaltung eines globalen öffentlichen Guts. Sein positiver Einfluss auf Klima und Artenreichtum ist bedeutsam für den ganzen Planeten. Der Frage, wer die Kosten für den Waldschutz tragen soll – Regierungen oder Unternehmen, Industrienationen oder Länder mit großen Waldflächen – ist der entscheidende Streitpunkt bei internationalen Verhandlungen, wie etwa über das Waldschutzabkommen REDD.