Grüne Wirtschaft, Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit

Grüne WirtschaftUmweltschutzSoziale Gerechtigkeit

Ziel der Grünen Wirtschaft ist es, ökonomisches Wirtschaften mit ökologischer Tragfähigkeit in einem sozial gerechteren System zu verbinden. Grüne Wirtschaft bietet ein Alternativmodell zu bisherigen Vorstellungen des Wirtschaftens.

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Um einer weiteren Ausbeutung der Erde vorzubeugen und den Klimawandel zu bekämpfen, muss nachhaltige Entwicklung ihre Auswirkungen auf die Umwelt des Menschen beachten.

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Nachhaltige Entwicklung muss mit der Wahrung der Interessen zukünftiger Generationen im Gleichgewicht stehen. Ihre Ergebnisse müssen auf gerechten und partizipatorischen Prozessen beruhen und die Grenzen des Ökosystems achten.

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Südafrika: Die Wirtschaft Südafrikas stützt sich zunehmend auf den Abbau von Kohle. Die Provinz Mpumalanga ist vom Kohleabbau gezeichnet. Der Tagebau hat die Felder wortwörtlich ausgelöscht. Die Auswirkungen auf die Umwelt sind verheerend. UN Photo/G
Südafrika: Die Wirtschaft Südafrikas stützt sich zunehmend auf den Abbau von Kohle. Die Provinz Mpumalanga ist vom Kohleabbau gezeichnet. Der Tagebau hat die Felder wortwörtlich ausgelöscht. Die Auswirkungen auf die Umwelt sind verheerend. UN Photo/Gill Fickling

Was ist Grüne Wirtschaft?

Das UN-Umweltprogramm (UNEP) definiert Grüne Wirtschaft als "eine Wirtschaft, die menschliches Wohlergehen steigert und mehr Gerechtigkeit schafft, während gleichzeitig Umweltrisiken und ökologische Knappheiten erheblich verringert werden." In ihrer Green Economy Initiative definiert UNEP drei Komponenten:

  • Eine ökologische und ressourcenschonende Wachstumsstrategie durch gezielte "grüne Investitionen", z.B. in erneuerbare Energien, Maßnahmen zur Stärkung der Ressourceneffizienz, die zu mehr sozialer Gerechtigkeit führt.
  • Durch nachhaltige Investitionen sollen sogenannte Ökosystemdienstleistungen, wie zum Beispiel die Bereitstellung von Trink- und Süßwasser, frischer Luft und anderer Naturgüter, einen Marktwert bekommen, der sich in entsprechenden Preisen widerspiegelt. Dadurch sollen Wachstum und verschwenderischer Ressourcenverbrauch entkoppelt werden.
  • Die drei Säulen der Nachhaltigkeit - Ökonomie, Ökologie und Soziales - dürfen nur noch gemeinsam betrachtet und müssen ausbalanciert werden.

In Towards a Green Economy analysiert UNEP die positiven Effekte einer umwelt- und ressourcenschonenden Investitionsstrategie: Verstärkte umweltbezogene Investitionen in zehn Schlüsselsektoren (Landwirtschaft, Bauwesen, Energieversorgung, Fischerei, Forstwirtschaft, Industrie, Tourismus, Transportwesen, Abfall- und Wasserwirtschaft) führen neben Wirtschaftswachstum auch zu mehr Beschäftigung und sozialer Gerechtigkeit. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) betont, dass eine Grüne Wirtschaft in Entwicklungsländern zwischen 15 und 60 Millionen Arbeitsplätze schaffen könnte.

Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), beschäftigt sich mit ressourcen- und umweltschonenden Wachstumsstrategien. In ihrem Bericht „Auf dem Weg zu umweltverträglichem Wachstum" heißt es dazu: „Umweltverträgliches Wachstum bedeutet, Wirtschaftswachstum und Entwicklung zu fördern und gleichzeitig sicherzustellen, dass Naturgüter weiter die Ressourcen und Umweltleistungen liefern können, die Voraussetzung für unser Wohlergehen sind."

Die Handels- und Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen (UNCTAD) beschäftigt sich mit dem Thema. Mit ihrer Initiative „Der Weg zu Rio+20: Für eine entwicklungsgeleitete Grüne Wirtschaft" startete UNCTAD Aktivitäten, die vor allem die Entwicklungsaspekte der Grünen Wirtschaft für Entwicklungsländer hervorheben. Dabei betont UNCTAD, dass alle Regionen und Länder gleichermaßen in das Konzept der Grünen Wirtschaft miteinbezogen werden müssen.

Die hochrangige Nachhaltigkeitskommission des UN-Generalsekretärs, spricht in ihrem Bericht von grünem Wachstum als Katalysator für nachhaltige Entwicklung. Grünes Wachstum wird von ihr als eine langfristige Wachstumsstrategie definiert, die soziale und ökologische Kosten mit einbezieht und sicherstellt, dass Investitionen den Grundstein für eine bessere nachhaltige Entwicklung in der Zukunft legen.

Windkraftanlagen vor der Küste Dänemarks. Auch die schlanken Türme sind mittlerweile nicht mehr unumstritten. UN Photo/Eskinder Debebe
Dänemark. Windkraftanlagen vor der dänischen Küste. Auch die schlanken Türme sind mittlerweile nicht mehr unumstritten. UN Photo/Eskinder Debebe

Kritik am Konzept der Grünen Wirtschaft

Babara Unmüßig von der Heinrich-Böll-Stiftung bezeichnet die grüne Wirtschaft nach UNEP und OECD in ihrem Beitrag für die Zeitschrift VEREINTE NATIONEN als Konzept mit begrenzter Reichweite: „Es ist nichts, das den konventionellen Imperativ nach Wachstum grundsätzlich in Frage stellte." UNEP grenze sein Konzept nicht deutlich genug von traditionellen nicht-nachhaltigen Wachstumsstrategien ab. Oliver Hoedeman, Co-Direktor des Corporate Europe Observatory, bezeichnet die Grüne Wirtschaft als „greenwashing" des bisherigen Wirtschaftssystems.

Die Reflection Group kritisiert, dass die Idee der grünen Wirtschaft lediglich die Symptome Probleme bekämpfe. Ihrer Meinung nach sind fundamentale Änderungen in drei Bereichen notwendig. Die Leitkonzepte des Wirtschaftssystems und die Indikatoren der Entwicklungsmessung müssen sich verändern. Die Fiskal- und Steuerpolitik muss soziale Ungleichheit abbauen und zugleich Umweltschäden vermeiden und nachhaltiges Wirtschaften fördern. Gleichzeitig fordert sie die Veränderungen von Institutionen und Regierungsmechanismen.

All diese Kritiken laufen darauf hinaus, dass die gegenwärtige Interpretation des Drei-Säulen-Modells fehlgeleitet ist. In einer Studie kritisiert das Wuppertal Institut, dass durch die Überbetonung des Wirtschaftlichen das ursprüngliche Gleichgewicht der drei Säulen verschoben wurde. Dadurch kann "unter dem Siegel von 'Nachhaltigkeit' das Business as usual ungerührt fortgesetzt werden."

Usbekistan. Der Aralsee schrumpft seit 1960 beständig, seine Zuflüsse werden für die Landwirtschaft abgeleitet. Die Fischer der Hafenstadt Muynak mussten ihre Boote schon vor Jahren aufgeben. Seit 2010 fördert die usbekische Regierung auch Gas in der
Usbekistan. Der Aralsee schrumpft seit 1960 beständig, seine Zuflüsse werden für die Landwirtschaft abgeleitet. Die Fischer der Hafenstadt Muynak mussten ihre Boote schon vor Jahren aufgeben. Seit 2010 fördert die usbekische Regierung auch Gas in der Region. Noch immer übertrumpfen wirtschaftliche Überlegungen ökologische Bedenken. UN Photo/Eskinder Debebe

Ökologische Nachhaltigkeit

Um die Erhaltung und Regeneration der Erde zu gewährleisten, sind zahlreiche Änderungen im vorherrschenden Wirtschaftssystem notwendig. Die negativen Konsequenzen des Klimawandels wie Ströme von Klimaflüchtlingen und Umweltkatastrophen können durch ein "weiter so" nicht abgewendet werden. Dazu gehören Maßnahmen, die die Waldgebiete und Wasserreserven dieses Planeten schützen und den weiteren Artenschwund verlangsamen und schließlich stoppen.

Die Verschärfung alter Konflikte und Entstehung neuer Konflikte ist gleichermaßen problematisch. Das UN Umweltprogramm geht davon aus, dass gerade in der Sahelzone der Klimawandel eine zentrale Rolle in Konflikten spielt. Zum Beispiel gilt die Überfischung somalischer Gewässer durch andere Länder als wichtige Ursache der Piraterie vor dem Horn von Afrika.

Es ist also klar, warum ein Gleichgewicht zwischen ökonomischen und ökologischen Überlegungen gefunden werden muss, wenn eine nachhaltige Entwicklung erreicht werden soll. Bleibt die Frage, wie auf diese Herausforderung reagiert werden kann.

UNEP hebt mehrere Bereiche hervor, die dringend angegangen werden müssen. Das Umweltprogramm widmet sich jedem Bereich mit einem eigenen Schwerpunkt in der Planung und Umsetzung von Programmen und Projekten.

  • Die Folgen des Klimawandels müssen minimiert werden;
  • Konsum und Produktion müssen nachhaltiger gestaltet werden, und zwar in Industrie- und Entwicklungsländern gleichermaßen;
  • Internationale Regelungen müssen auf regionale, nationale und lokale Ebene übertragen und durchgeführt werden;
  • Natürliche Ressourcen müssen so verwendet werden, dass sowohl menschliche Bedürfnisse erfüllt werden, als auch ökologische Nachhaltigkeit garantiert ist.

Steffen Bauer und Silke Weinlich vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) betonen die Notwendigkeit institutioneller Reformen auf UN-Ebene. Einer der wenigen Erfolge der Rio+20 Konferenz war die Aufstockung des UNEP-Budgets.

Das Wuppertal Institut benennt drei Hürden, die auf dem Weg zu nachhaltiger Entwicklung überwunden werden müssen.

  • Entkopplung: Wirtschaftswachstum muss künftig von Ressourcenverbrauch unabhängig möglich sein;
  • Konsistenz: Die Produktion und der Konsum von Gütern muss umweltverträglich gestaltet werden;
  • Suffizienz: Neben einer effizienteren Nutzung von Ressourcen muss eine Selbstbeschränkung stattfinden. Dazu zählt auch, dass Staaten den Ressourcenverbrauch stärker regulieren.
Pakistan. Im Hunza Tal verdienen die meisten Menschen ihren Lebensunterhalt mit dem Anbau von Äpfeln, Pfirsichen und Walnüssen. Traditionell wird das Wasser von den Gletschern des Karakorum in sogennanten Nalas über Terrasen verteilt, um die Felder zu
Pakistan. Im Hunza Tal verdienen die meisten Menschen ihren Lebensunterhalt mit dem Anbau von Äpfeln, Pfirsichen und Walnüssen. Traditionell wird das Wasser von den Gletschern des Karakorum in sogenannten Nalas über Terrassen verteilt, um die Felder zu bewässern. DGVN/Florian Dorner

Soziale Gerechtigkeit

"Eigentlich passen [Piraten] doch perfekt in die neoliberale Wirtschaftswelt", stellt der Historiker Ralph Klein fest. Die somalischen Fischer passen sich also nur dieser Welt an. Soziale Gerechtigkeit würde aber bedeuten, dass traditionelle Lebenswelten geschützt und Gewinne gerecht verteilt werden.

Der Bericht über die menschliche Entwicklung 2011 betont vier Komponenten eines neuen Bewusstseins für mehr Gerechtigkeit:

  • Es müssen Strategien gefunden werden, um Emissionen zu reduzieren und die Folgen des Klimawandels zu mindern. Dabei dürfen aber Gerechtigkeitskonzepte keine untergeordnete Rolle spielen;
  • Öffentlich-Private Partnerschaften müssen gezielt in umweltfreundliche Technologien investieren;
  • Um öffentliche Mittel gerecht zu verteilen benötigen wir einen internationalen Fond zu Förderung grüner Technologien;
  • Außerdem müssen Maßnahmen effektiv umgesetzt, überwacht, rückgemeldet und überprüft werden, um die Rechenschaftspflicht gegenüber den Menschen sicher zu stellen.

Während das UN-Entwicklungsprogramm die Umverteilung öffentlicher Ausgaben in den Vordergrund rückt, verfolgen viele Zivilgesellschaftliche Gruppen gleichzeitig einen zweiten Weg.

Vor allem indigene Völker sind oft die ersten Opfer des gegenwärtigen Wirtschaftssystems. Dabei ist ihre Art Waren anzubauen, zu produzieren und zu konsumieren oft sehr nachhaltig. Sie fordern daher, dass kulturelle Vielfalt als vierte Säule der nachhaltigen Entwicklung anerkannt werden sollte. Die Weiterentwicklung nachhaltgier Technologien, vor allem im Bereich der Energie, zeigen Wege, wie ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit zusammen das Leben der Menschen verbessern und dabei ihre kulturelle Rechte schützen kann.