Geschichte der Nachhaltigkeit - Zeitleiste

  • Konferenz der Vereinten Nationen über die Umwelt des Menschen

    Konferenz der Vereinten Nationen über die Umwelt des Menschen

  • Bericht: Unsere gemeinsame Zukunft

    Bericht: Unsere gemeinsame Zukunft

  • Konferenz über Umwelt und Entwicklung

    Konferenz über Umwelt und Entwicklung

  • Konferenz für nachhaltige Entwicklung

    Konferenz für nachhaltige Entwicklung

  • Weltgipfel über nachhaltige Entwicklung

    Weltgipfel über nachhaltige Entwicklung

1972 Stockholm: Konferenz der Vereinten Nationen über die Umwelt des Menschen

Die erste Konferenz fand 1972 im Folkets Hus (zu deutsch Volkshaus) in Stockholm statt. UN Photo/Yutaka Nagata
Die erste Konferenz fand 1972 im Folkets Hus (zu deutsch Volkshaus) in Stockholm statt. UN Photo/Yutaka Nagata

Die erschreckenden Auswirkungen u.a. von Ölkatastrophen rückten das Thema Umwelt des Menschen in den 50er und 60er Jahren ins Zentrum öffentlicher Debatten. Zahlreiche Umweltkatastrophen in Industireländern führten 1972 zur Konferenz der Vereinten Nationen über die Umwelt des Menschen 1972 in Stockholm. Sie  ist der Grundstein der globalen Umweltpolitik und beschloss die Gründung des UN-Umweltprogramms (UNEP). Der Beginn dieser Konferenz, der 5. Juni, ist heute noch der Internationale Tag der Umwelt.

Erstmals wurden Umweltschutz und Entwicklung in einen Kontext gebracht. Es fand eine Annäherung zwischen den Industrieländern, die sich für Maßnahmen und Regelungen zur Begrenzung industrieller Umweltverschmutzung einsetzten, und den Entwicklungsländern, deren Fokus auf der Bekämpfung der Armut lag, statt: Der Widerspruch zwischen Umweltschutz und Entwicklung wurde aufgebrochen.  "Armut ist der größte Umweltverschmutzer" wurde zum Leitmotiv der Konferenz.

In der Stockholm-Deklaration bekennt sich die Weltgemeinschaft erstmals zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Umweltschutz. Dem Recht der Staaten auf Nutzung der eigenen Ressourcen wird die Pflicht gegenüber gestellt, dafür zu sorgen, dass durch Tätigkeiten innerhalb des eigenen Hoheitsgebietes anderen Staaten kein Schaden zugefügt werden darf. Auf Vorschlag der Stockholmer Konferenz wurde im gleichen Jahr durch die UN-Vollversammlung das UN-Umweltprogramm (UNEP) mit Sitz in Nairobi/Kenia, gegründet.

Quelle:  Zeitschrift VEREINTE NATIONEN 4/1972

1987: Brundtlandt-Bericht

Gro Harlem Brundtland UN Photo/Evan Schneider
Gro Harlem Brundtland war Vorsitzende der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung, die den sogenannten Brundtland-Bericht verfasste. UN Photo/Evan Schneider

Im Dezember 1983 beschloss die UN-Generalversammlung die Einrichtung einer Kommission für Umwelt und Entwicklung unter dem Vorsitz der früheren norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland. Der 1987 veröffentlichte Bericht der Kommission „Unsere gemeinsame Zukunft“, besser bekannt als Brundtland-Bericht, markiert einen Meilenstein in der globalen Umweltpolitik und verhalf dem Konzept der „Nachhaltigen Entwicklung“ zu seinem Durchbruch.

Der Bericht machte deutlich, dass die globale Umweltkrise auf Grund von Armut, der Wirtschaftskrise im Süden und wachstumsbedingtem Ressourcenverbrauch eine Bedrohung für die gesamte Menschheit sei und Verhaltensänderungen zwingend notwendig seien.

Eine Zukunft sozialer und wirtschaftlicher Sicherheit für alle Menschen sei auch unter Berücksichtigung der Grenzen des Planeten durch nachhaltige Entwicklung möglich. Senkung der Armut und Vermeidung der Ressourcen- und Umweltzerstörung schließen sich demnach nicht aus.

Nach dem Brundtland-Bericht enthält die Definition von nachhaltiger Entwicklung folgende Elemente:

  • Kontrolle des Bevölkerungswachstums
  • Erfüllung der Grundbedürfnisse
  • qualitatives Wachstum
  • Förderung des technologischen Fortschritts
  • Preispolitik, die die Rohstoffknappheit einbezieht
  • Globale Politik, die ökologische und ökonomische Strategien in Einklang bringen
  • qualifizierte Arbeitsplätze
  • Bildung
Quelle:  Zeitschrift VEREINTE NATIONEN 3/1983

1992 Rio: Konferenz über Umwelt und Entwicklung

Rio de Janeiro. UN Photo/Michos Tzovaras
Rio de Janeiro. UN Photo/Michos Tzovaras

Der Brundtland-Bericht löste in den folgenden Jahren einen regen Verhandlungsprozess in den Vereinten Nationen aus. Dieser erreichte seinen Höhepunkt 1992 mit der UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro. In Rio wurden erstmals die Themen Entwicklung und Umwelt gemeinsam diskutiert.

Ergebnisse der Konferenz:

  • Agenda 21, ein Aktionsprogramm mit detaillierten Handlungsaufträgen für gesellschaftlich und wirtschaftlich dauerhafte und umweltgerechte Entwicklung im 21. Jahrhundert
  • Erklärung über Umwelt und Entwicklung: 27 Grundsätze für Politik, Wirtschaft, Gesetzgebung und Wissenschaft zum Schutz der Umwelt und Förderung einer nachhaltigen Entwicklung
  • Klimarahmenkonvention 
  • Biodiversitätskonvention 
  • Wüstenkonvention
  • Walderklärung mit Grundsätzen zur Waldhaltung und -bewirtschaftung
  • Gründung der Kommission für Nachhaltige Entwicklung (CSD) zur Überwachung der Umsetzung der Konferenzergebnisse und zur Implementierung der Agenda 21, die 1993 zum ersten Mal tagte.

Die Erklärung von Rio verknüpft drei Aspekte nachhaltiger Entwicklung miteinander: ökonomische Effizienz, soziale Gerechtigkeit und ökologische Tragfähigkeit. Die Industrieländer erkennen mit dem Prinzip der gemeinsamen aber unterschiedlichen Verantwortung erstmals an, dass ihre Produktionsweisen und Konsumarten Hauptursachen der globaler Probleme sind. Wirtschaftswachstum und Handelsliberalisierung werden allerdings weiter als einzige grundlegende Voraussetzung für Entwicklung gesehen.

Der Weltgipfel in Rio bildet den Ausgangspunkt des Diskurses über die Rolle nicht-staatlicher Akteure in der internationalen Politik, der sich in den Folgejahren fortsetzte. Die Agenda 21 fordert, dass „Regierungen und die Wirtschaft einschließlich der transnationalen Unternehmen […] verstärkt Partnerschaften bilden, um die Prinzipien und Kriterien einer nachhaltigen Entwicklung umzusetzen.“

Quelle: Zeitschrift VEREINTE NATIONEN 4/1992

2002 Johannesburg: Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung

Begrüßungszeremonie auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung. UN Photo/Eskinder Debebe
Begrüßungszeremonie auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung. UN Photo/Eskinder Debebe

Zehn Jahre nach dem Weltgipfel in Rio fand im Herbst 2002 in Johannesburg der Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung statt. Der Stand der in Rio beschlossenen Vereinbarungen sollte überprüft werden. Darüber hinaus sollten neue Maßnahmen verabschiedet werden und Bereiche, auf denen zusätzliche Anstrengungen notwendig sind, identifiziert werden.

Als Ergebnis wurden eine politische Erklärung der Staats- und Regierungschefs und der Johannesburg-Aktionsplan verabschiedet. Das Abschlussdokument gibt Prinzipien und Programme zur Umsetzung eines Leitbildes für nachhaltige Entwicklung vor. Erstmalig wurden quantitative Ziele in den Aktionsplan aufgenommen.

Der Aktionsplan umfasst unter anderem folgende Punkte:

  • Der Anteil der Menschen ohne Zugang zu sanitärer Versorgung und sicherem Zugang zu sauberem Trinkwasser soll bis 2015 halbiert werden.
  • Der Anteil erneuerbarer Energien am Primärenergieverbrauch soll deutlich erhöht werden.
  • Länder, die das Klimaschutz-Protokoll von Kyoto bisher nicht ratifiziert haben, sollen dies schnellstmöglichst tun.
  • Umweltschädliche Subventionen sollen abgebaut werden.
  • Das Artensterben in der Tier- und Pflanzenwelt soll bis zum Jahr 2010 verlangsamt werden.
  • Der Verlust der natürlichen Ressourcen soll gestoppt werden.
  • Die negativen Auswirkungen auf Mensch und Natur bei Produktion und Gebrauch von Chemikalien sollen bis 2020 minimiert werden.

Es konnte allerdings keine Einigkeit hinsichtlich der Einführung erneuerbarer Energien oder innovativer Finanzierungsinstrumente gefunden werden. In vielen Bereichen wurden verbindliche Verpflichtungen abgelehnt und freiwillige Partnerschaften mit öffentlichen und privaten Akteuren angestrebt.

In den vergangenen Jahren hat sich die Diskussion über Entwicklung zunehmend fragmentiert. Nachhaltigkeit wurde durch die Konzentration auf die Millenniums-Entwicklungsziele, die sich vor allem auf die Bekämpfung von Armut und Hunger fokussieren, aus dem internationalen Dialog verdrängt. Die Finanzierung der Entwicklungszusammenarbeit wurde auf eigenständigen UN-Konferenzen in Monterrey (2002) und Doha (2008) behandelt. Die globale Umweltpolitik fand auf jährlichen Konferenzen der Vertragsstaaten der Klimakonvention statt. Nach dem Scheitern des Klimagipfels in Kopenhagen 2009 beschloss die UN-Generalversammlung, dass eine Konferenz für nachhaltige Entwicklung 2012 in Rio abgehalten werden soll, um „der Fragmentierung des Entwicklungsdiskurses durch die Integration von Umwelt-, Nachhaltigkeits- und Entwicklungsaspekten entgegen zu wirken.“

Quelle: Zeitschrift VEREINTE NATIONEN  5/2002 und 1/2009

Nach oben

2012 Rio de Janeiro: Konferenz der Vereinten Nationen über nachhaltige Entwicklung

Konferenz der Vereinten Nationen über nachhaltige Entwicklung
Konferenz der Vereinten Nationen über nachhaltige Entwicklung

2012 fand in Rio de Janeiro, Brasilien, der Weltgipfel über nachhaltige Entwicklung statt (Rio+20) - 20 Jahre nach dem ersten Rio-Gipfel über Umwelt und Entwicklung (UNCED). Die damalige Weltkonferenz weckte global Hoffnungen auf eine ökologisch nachhaltige und sozial gerechte Entwicklung. Die Erwartungen für Rio+20 waren hoch gesteckt, vor allem angesichts sich auftürmender globaler Probleme: Klimawandel und Umweltzerstörung, soziale Missstände und erdrückende Armut, Wirtschafts- und Finanzkrisen oder Ressourcenverknappung sollten als Motivation für den großen Wurf eigentlich ausreichen. Nach 20 Jahren Umweltpolitik erwarteten viele deutliche Verbesserungen.

Mit circa 50.000 Teilnehmern und über 100 Staats- und Regierungschefs war der Weltgipfel eine der größten Konferenzen in der Geschichte der Vereinten Nationen. Doch von der Aufbruchsstimmung des ersten Gipfels war nicht mehr viel übrig geblieben. Rio+20 wurde ein Gipfel der verpassten Gelegenheiten. Die Regierungen konnten sich auf keine verbindlichen Zielvereinbarungen einigen, nur radikale Verwässerungen des Abschlussdokuments verhinderten, dass die angereisten Delegationen mit leeren Händen heimfahren mussten. Das Schlussdokument enthält viel Öko-Lyrik und enttäuschte auf ganzer Linie. Innovationen und Verbesserungen in den Bereichen der Grünen Wirtschaft, der Umweltinstitutionen und der Nachhaltigkeitsziele blieben weitgehen aus. Es gibt lediglich zwei Lichtblicke: Die Mitgliedschaft im UN Umweltprogramm (UNEP) wurde universell und seine finanzielle Ausstattung deutlich verbessert. Die Hoffnungen ruhen aber besonders auf den Pionieren und Akteuren der Weltgesellschaft vor Ort. Die Verbindungen die hier aufgebaut wurden und in Zeiten von E-Mail und Co leichter aufrecht zu erhalten sind versprechen einen höheren Grad der Mobilisierung und mehr Absprachen zwischen zivilgesellschaftlichen Akteuren.

Quellen: Zeitschrift VEREINTE NATIONEN  1/2012

Nach oben