Internationales Jahr der familienbetriebenen Landwirtschaft 2014

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat das Jahr 2014 zum Internationalen Jahr der familienbetriebenen Landwirtschaft (International Year of Family Farming - IYFF 2014) ernannt (A/Res/66/222). Dadurch soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass kleinbäuerliche Familienbetriebe einen erheblichen Beitrag zur Ernährungssicherung, Armutsbekämpfung und vor allem zur nachhaltigen Lebensmittelproduktion leisten. Aus diesem Grund soll eine politische Unterstützung für die Förderung nachhaltiger Agrarsysteme von bäuerlichen Familienbetrieben weltweit mobilisiert werden.

Was versteht man unter landwirtschaftlichen Familienbetrieben?

Der Begriff "landwirtschaftlicher Familienbetrieb" erstreckt sich auf alle familienbasierten landwirtschaftlichen Aktivitäten. Solche Betriebe werden von Familien geführt, überwiegend von Familienangehörigen als Arbeitskräfte bewirtschaftet und beinhalten die Forstwirtschaft, Fischerei, Weidewirtschaft sowie die Aquakultur. In Entwicklungsländern stellen kleinbäuerliche Familienbetriebe die Hauptform der Landwirtschaft im Nahrungsproduktionssektor dar.

Der Schlüssel zur Minderung von Armut und Steigerung der weltweiten Ernährungssicherheit

Durch das Internationale Jahr der familienbetriebenen Landwirtschaft soll das Bewusstsein nicht nur dafür gestärkt werden, dass kleinbäuerliche Familienbetriebe eine bedeutende Rolle im Kampf gegen Armut und Hunger spielen, sondern vor allem auch für die Bedeutung solcher Familienbetriebe für den Schutz unserer Umwelt und der nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen. Kleinbauern stellen einen der wichtigsten Förderer und Anreger der ökologisch nachhaltigen Lebensmittelproduktion dar. Durch den umweltverträglichen Anbau wird dem Klimawandel und seiner verheerenden Folgen entgegengewirkt.

Etwa 500 Millionen kleinbäuerliche Familienbetriebe in Entwicklungsländern sind in der Lage genügend Nahrung für knapp zwei Milliarden Menschen zu produzieren. Das entspricht fast einem Drittel der Weltbevölkerung. Gerade in Entwicklungsländern tragen kleinbäuerliche Familienbetriebe außerdem einen Großteil zur wirtschaftlichen Entwicklung im landwirtschaftlichen Sektor bei, stehen allerdings ganz am Ende der Ausbeutungskette und leben meist in Armut.

  • Ein Feld bei Sonnenuntergang. In der Mitte eine Person mit einem Ochsenpflug.

    Familienbetriebene Landwirtschaft

  • Ein Mann und eine Frau auf einem landwirtschaftlichen Nutzfahrzeug.

    Familienbetriebene Landwirtschaft

  • Drei Frauen mit Hüten sitzen in einem Feld und ernten.

    Familienbetriebene Landwirtschaft

  • Ein Mann hat in seiner hand Weizenkörner

    Familienbetriebene Landwirtschaft

  • Drei Frauen, ein Mann und ein Kind legen ihre Ernte auf eine Schubkarre.

    Familienbetriebene Landwirtschaft

  • Eine ältere Frau mit einem Eimer in der Hand auf einem Feld.

    Familienbetriebene Landwirtschaft

  • Zwei Männer mit einem Pferdepflug.

    Familienbetriebene Landwirtschaft

Investition in eine nachhaltige und sichere Zukunft

Die Investition in familienbetriebene Landwirtschaft ist eine Investition in eine nachhaltige und sichere Zukunft für die Lebensmittelproduktion. Doch nicht nur die Ernhährungssicherheit und die nachhaltige Lebensmittelproduktion muss verbessert werden, sondern auch die Kleinbauerinnen und Kleinbauern selbst sollen statt Ausbeutung Unterstützung, Anerkennung und Rückhalt erfahren.

Bäuerliche Familienbetriebe stehen besonders in Entwicklungsländern vor massiven Problemen. Trotz ihres großen Potanzials fehlt es ihnen an Kapital, Beratung, Kenntnissen, entsprechender Agrartechnik sowie an geeigneten Anbau- und Weideflächen. Genauso haben kleinbäuerliche Betriebe in entwickelten Ländern mit Problemen zu kämpfen und können sich meist schwer über Wasser halten.

Die kleinbäuerlichen Strukturen vieler Länder werden durch die Landnahme großer Konzerne verdrängt. Aufgrund der wachsenden Weltbevölkerung, steigender Landnutzungskonflikte sowie dem Klimawandel, wird landwirtschaftlicher Boden zunehmend zu einem knappen Gut und rückt daher verstärkt ins ökonomische Interesse. Private Investoren und Investorinnen als auch große Agrarkonzerne erkaufen sich deshalb landwirtschaftliche Flächen. Dort werden Exportgüter angebaut, die der Ernährungssicherung der Investorländer dienen. Den Kleinbauern vor Ort wird somit die Chance genommen, sich auszuweiten und durchzusetzen. Weshalb das ein großes Problem darstellt, welche Ursachen das Land Grabbing hat und welche Folgen es herbeiführt, erfahren Sie hier.

Die UN-Agrarexperten sind sich einig, dass die vielen Millionen Familienbetriebe einen noch weitaus bedeutenderen Beitrag zur Entwicklung und Ernährungssicherheit leisten könnten, wenn diese Probleme gelöst und die Hindernisse beseitigt würden.

Voraussetzung dafür ist zunächst eine profunde Landreform zur Vergrößerung der Anbau- und Weideflächen der Familienbetriebe, an Stelle des Verkaufs dieser Flächen an kapitalstarke Unternehmen. Damit das Potenzial der kleinbäuerlichen Betriebe ausgeschöpft werden kann, brauchen sie neben ausreichend Land vor allem aber auch eine intensive Beratung hinsichtlich nachhaltiger Anbaumethoden sowie die Bereitstellung der entsprechenden Technologie, die Verfügbarkeit günstiger Kredite und vor allen Dingen den Zugang zu Märkten.

Stärkung der Rolle der Frau

Insbesondere Frauen erleiden Diskriminierung und Ablehnung in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft. Die Zahl der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte in Entwicklungsländern wird mit einem Anteil von etwa 43 Prozent durch Frauen vertreten, jedoch sind lediglich 20 Prozent aller Landbesitzer Frauen. Im Sinne des Internationalen Jahres der familienbetriebenen Landwirtschaft sollen deshalb gerade diese Frauen im Fokus stehen und ihre Rolle in der Landwirtschaft soll gestärkt werden.

  • Eine gebückte Frau bindet Gräser zusammen.

    Frauen in der Landwirtschaft

  • Eine ältere Frau erntet Maiskolben.

    Frauen in der Landwirtschaft

  • Mehrere Frauen in einer Reihe arbeiten in einem Weizenfeld.

    Frauen in der Landwirtschaft

  • Eine Frau ist mit der Ernte beschäftigt und guckt in die Kamera.

    Frauen in der Landwirtschaft

  • Im Vordergrund eine Frau in der Hocke beim Ernten. Im Hintegrund eine gebückte ältere Frau.

    Frauen in der Landwirtschaft

  • Eine Frau schüttet die Ernte in einen Korb. Die zweite Frau hält den Korb.

    Frauen in der Landwirtschaft

  • Zwei gebückte Frauen arbeiten in eine Feld und stehen mit den Füßen im Wasser.

    Frauen in der Landwirtschaft

Das Logo des Internationalen Jahres.

Gerd Sonnleitner, Ehrenpräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), wird UN-Sonderbotschafter

für das "internationale Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe"

Im November 2013 wurde der Ehrenpräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) zum UN-Sonderbotschafter für das "internationale Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe" berufen.

Die Presseerklärung des DBV finden Sie hier.

Video der FAO zum IYFF 2014

Initiatoren und Förderer des IYFF 2014

Angeregt wurde das Internationale Jahr der familienbetriebenen Landwirtschaft von Bauern-, Menschenrechts- und Entwicklungsorganisationen. Ziel ist es, die Gewährleistung des Menschenrechts auf Nahrung zu verwirklichen und das Erreichen einer ländlichen Entwicklung zu realisieren.

2011 hat die UN-Generalversammlung daher die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) beauftragt, die Durchführung dieses Internationalen Jahres in die Wege zu leiten. In enger Kooperation mit dem UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) und dem Internationalen Fond für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD), ging die FAO diese Aufgabe an.

Zusätzliche Unterstützung kommt vom World Rural Forum, in dem über 360 zivilgesellschaftliche Organisationen aus aller Welt zusammenarbeiten. Gemeinsam mit den UN-Sonderorganisationen und -programmen haben sie sich eine Reihe von Initiativen zur Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Situation der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern vorgenommen.

Probleme der Welternährung

Fotostrecke: Kleinbäuerliche Familienbetriebe - Hindernisse und Schwierigkeiten

Landwirtschaft in Deutschland

Auch bei uns in Deutschland spielt die familienbetriebene Landwirtschaft eine bedeutende Rolle. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat die wichtigsten Informationen zusammengefasst. 

"Landwirtschaft verstehen - Fakten und Hintergründe


Die "Zukunftsstiftung Landwirtschaft" hat in Kooperation mit unterschiedlichen NGOs eine Zusammenfassung des Weltagrarberichtes (IAASTD) veröffentlicht, der die große Bedeutung der familienbetriebenen Landwirtschaft weltweit unterstreicht.

"Wege aus der Hungerkrise"

Die junge Generation

Älterer Mann von der Seite, der am Feld steht.

In Deutschland ist jede(r) zweite Landwirt(in) älter als 45 Jahre. Viele Landwirte und Landwirtinnen arbeiten über das Alter von 65 Jahren weit hinaus. Während in allen anderen Erwerbsgruppen 40 Prozent aller Berufstätigen älter als 45 Jahre sind, beträgt die Zahl an über 45-jährigen in der Landwirtschaft sogar 50 Prozent. Trotzdem zählen die Deutschen im europäischen Vergleich zu den jüngsten Landwirten/innen. Ganze 34 Prozent aller Landwirte/innen in der EU sind älter als 65 Jahre und lediglich 6 Prozent sind jünger als 35 Jahre. Nicht viele junge Menschen möchten und können die Schwierigkeiten der kleinbäuerlichen Landwirtschaft auf sich nehmen. Gerade deshalb sind Verbände und Einrichtungen wie beispielsweise der Bund der Deutschen Landjugend besonders wichtig. Sie sind bestrebt, die Berufsperspektiven junger Menschen in der Landwirtschaft zu verbessern.