Flutkatastrophe in Pakistan drängt UN zum größten Hilfsappell ihrer Geschichte

Die Vereinten Nationen haben am 17. September 2010, den bisher größten Hilfsappell gestartet, den die UN in ihrer 65-jährigen Geschichte jemals veröffentlicht hat. Insgesamt 2,07 Mrd. US-Dollar sollen für die Flutopfer in Pakistan eingesammelt werden. Nach UN-Angaben könnte man mit diesen Zusagen 14 Mio. Menschen für ein Jahr mit dem Nötigsten versorgen. Mehrere Länder haben in diesem Zusammenhang ihre Unterstützung bekräftigt und neue finanzielle Zusagen gemacht. 

Erst im Frühjahr 2010 erging der bis dahin größte Hilfsaufruf für 1,49 Mrd. US-Dollar nach dem Erdbeben in Haiti. Allein für das Jahr 2010 wurden über Hilfsappelle 11 Mrd. US-Dollar angefragt.

Die jetzige Anfrage umfasst 483 Projekte, welche von 15 UN-Organisationen, der Internationalen Organisation für Migration und 156 nationalen und internationalen Nichtregierungsorganisationen ausgeführt werden sollen. In den rund 2 Mrd. US-Dollar sind bereits die 460 Mio. US-Dollar inbegriffen, die am 11. August über den "Pakistan Intial Floods Emergency Repsonse Plan" angefragt wurden.  Insgesamt waren bis zum 05. Oktober 2010 schon 33 Prozent der geforderten Summe eingegangen. Die Katastrophe wird Pakistan in seiner wirtschaftlichen Entwicklung um mehrere Jahre zurückwerfen. Zum Beispiel werden die von der Flut betroffenen Bauern bis 2012 auf Hilfe angewiesen sein, wenn sie nicht bis November ihre Felder bestellt haben.

UN-Untergeneralsekretärin für humanitäre Angelegenheiten und Nothilfekoordinatorin Valerie Amos lobte die bisherigen Zusagen, die die Länder allein dieses Jahr gemacht haben. Jedoch belaufen sich die eingegangen Gelder nur auf rund 5 Mrd. US-Dollar, nicht einmal die Hälfte der angefragten 11 Mrd. US-Dollar.

(Christian Rehmer)


Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Haiti

Die Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Haiti (MINUSTAH) trat am ersten Juni 2004 mit der Sicherheitsratresolution 1542 in Kraft. Das Mandat wurde seither regelmäßig verlängert und gleichzeitig wurde die Anzahl von Soldaten und Polizisten stetig erhöht. Durch die Resolution 1927 (Juni 2010) sollen 680 weitere uniformierte Kräfte eingesetzt werden. Die Mission soll Sicherheit und Stabilität für die Übergangsregierung gewährleisten und den Aufbau einer neuen demokratisch gewählten Regierung überwachen. Für den Zeitraum Juli 2010 bis Januar 2011 bewilligte die Generalversammlung ein Budget von etwa 380 Mio. US-Dollar.

Aufgrund des Erbebens in Haiti hat MINUSTAH bereits über 158 Todesopfer gemeldet. Mit der neuen Resolution kommen weitere Polizisten von MINUSTAH ins Land, um in den Erdbebenregionen Aufbauhilfe zu leisten.

Zahlen zu MINUSTAH

Personal (Stand 31. Mai 2010)

  - 11.578 uniformierte Kräfte im Einsatz in Haiti:

- 8.609 Soldaten
- 2.969 Polizisten

  - 473 internationales ziviles Personal
  - 1.235 lokales ziviles Personal
  - 208 UN-Freiwillige

Mit Resolution 1908 vom 19. Januar 2010 wird die Zahl der uniformierten Kräfte um 2.000 Soldaten und 1.500 Polizisten erhöht. Weitere 680 Polizeikräfte wurden mit Resolution 1927 vom 04. Juni 2010 bewilligt. 

Literaturhinweis:

Artikel zur Vertiefung in die Thematik: Dr. Wolfgang Weisbrod-Weber "Haitis historische Chance - Warum die internationale Gemeinschaft helfen muss", Zeitschrift Vereint Nationen 5/06.