UN werfen Firmen Raubbau vor
15. Juli 2010. Die 3.000 größten Wirtschaftskonzerne verursachen jährlich einen Schaden für die Umwelt in Höhe von 1,7 Billionen Euro. Dies geht aus einem
UNEP-Bericht hervor, der am Dienstag in London vorgestellt wurde. Raubbau und Missbrauch natürlicher Ressourcen führen zu Luftverschmutzung, Wasserverseuchung und Artensterben. Die aktuelle Ölkastastrophe im Golf von Mexiko ist nur eines von zahlreichen Beispielen.
Dabei haben nur zwei der 100 größten Unternehmen den Erhalt der Ökosysteme zu einem strategischen Ziel erklärt. Während in Lateinamerika und Afrika etwa die Hälfte aller Konzernchefs den Erhalt der Biodiversität als wichtigen Faktor für das Wirtschaftswachstum ansieht, sind dies in Europa nur 18 Prozent.
UNEP-Chef Achim
Steiner kritisierte im
Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung, dass viele Konzerne noch immer davon ausgingen, dass natürliche Ressourcen unerschöpflich seien. Als Grund für die Ignoranz vieler Unternehmen nennt er die mangelnden Folgen der Umweltschäden für die Unternehmensbilanz. Die Konsequenzen für die Artenvielfalt jedoch sind gravierend: Jedes Jahr gehen zwölf Millionen Hektar landwirtschaftlicher Fläche verloren; täglich sterben bis zu 130 Arten aus: Der Bericht spricht von einem globalen Massensterben.
Steiner fordert Regierungen und Unternehmen daher zum Umdenken auf. Neben dem Klimaschutz solle auch der Schutz der Ökosysteme oberste Priorität erhalten. Der Bericht empfiehlt, gemeinsame Standards und Maßstäbe für die Beurteilung der Auswirkungen von Firmen auf die Ökosysteme zu entwickeln. Diese sollten in die Firmenbilanz eingehen. Zudem müsse die Nutzung und Verschmutzung der Natur durch Steuern und Abgaben einen Preis erhalten, erklärt Steiner. Der Bericht geht davon aus, dass bei besseren Bewertungs- und Beurteilungsverfahren auch die Firmenchefs mehr Wert auf Nachhaltigkeit legen würden.
Erfreulich sei, so
Steiner am Dienstag in London, dass der Verlust natürlicher Ressourcen bereits immer mehr in das Bewusstsein der Konsumenten rücke. Der Erfolg von Unternehmen hänge damit in Zukunft stark davon ab, wie umweltverträglich diese ihre Aktivitäten betreiben. Schon jetzt gaben in der UNEP-Studie 80 Prozent der Befragten weltweit an, dass sie Produkte von Firmen, die ethische Regeln missachten, boykottieren würden.
(Miriam Tereick)