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Anja Papenfuß
Editorial: Globale Finanz- und Wirtschaftskrisen bewältigen (S. 97)
Heribert Dieter
Die Renaissance des Internationalen Währungsfonds
Ist der IWF den neuen Herausforderungen gewachsen? (S. 99)
Nach Jahren des schleichenden Bedeutungsverlustes erlebt der Internationale Währungsfonds (IWF) inmitten der Weltfinanzkrise eine Renaissance. Vor allem die Rettungsaktion für Griechenland stellt für den Fonds eine einmalige Chance, aber zugleich ein hohes Risiko, dar. Gelingt die Sanierung der griechischen Wirtschaft und Staatsfinanzen mit Hilfe des IWF, wird der Fonds zum Zentrum der internationaler Finanzarchitektur werden. Ein wichtiger Schritt dahin ist, dass der IWF einige alte Paradigmen, etwa die Ablehnung von Kapitalverkehrskontrollen, aufgegeben hat.
Frank Schröder · Jürgen Stetten
Mythos Weltwirtschaftsrat
Die Rolle der Vereinten Nationen in Wirtschaftsfragen bleibt unklar (S. 104)
Die gegenwärtige globale Finanz- und Wirtschaftskrise hat gezeigt, dass es an globalen Strukturen mangelt, mit deren Hilfe derartige Krisen bewältigt werden können. Als neues Gremium scheint sich die G-20 zu etablieren. In den Vereinten Nationen war der Wirtschafts- und Sozialrat (ECOSOC) für diese Aufgabe vorgesehen, doch konnte er sie nie erfüllen. Den UN in Wirtschafts- und Finanzfragen eine größere Rolle zuzuweisen, wurde zwar immer wieder gefordert, scheiterte aber bislang am Widerstand der Industrieländer. Weder ein neuer Weltwirtschaftskoordinationsrat noch eine Aufwertung des ECOSOC werden ernsthaft diskutiert. Eine Expertengruppe, ähnlich dem Weltklimarat, scheint noch der realistischste Vorschlag zu sein. Angesichts der gegebenen machtpolitischen Konstellationen werden die UN wohl nochauf absehbare Zeit in Wirtschafts- und Finanzfragen keine führende Rolle einnehmen, obwohl sie in den neunziger Jahren mit den Weltkonferenzen ihre Fähigkeit dazu unter Beweis gestellt haben.
Heiner Flassbeck · Laurissa Mühlich
Gehört der regionalen Währungskooperation die Zukunft?
Neue regionale Finanzregime als Antwort auf weltweite Ungleichgewichte (S. 110)
Die gegenwärtige Unordnung des internationalen Finanzsystems ist durch starke Schwankungen der Wechselkurse internationaler Schlüsselwährungen sowie volatile kurzfristige Kapitalströme gekennzeichnet. Insbesondere für Entwicklungs- und Schwellenländer ist es unter diesen Bedingungen schwierig, eine wachstumsorientierte makroökonomische Politik zu verfolgen. Der vorliegende Beitrag beschreibt, wie regionale Währungskooperation ein Schutzschild gegen externe Schocks sein kann und wie sie die Verwirklichung wettbewerbsfähiger realer Wechselkurse unterstützen kann. Voraussetzung dafür ist, dass es der Region als Ganzes gelingt, wettbewerbsfähige reale Wechselkurse und niedrige, aber positive reale Zinsniveaus zu erreichen oder beizubehalten.
Thorsten Benner · Philipp Rotmann
Zehn Jahre Brahimi-Bericht
Die UN-Friedenssicherung steht weiterhin vor großen Herausforderungen (S. 115)
Im August 2000 stellte die von Lakhdar Brahimi geleitete ›Sachverständigengruppe für die Friedensmissionen der Vereinten Nationen‹ ihre Schlussfolgerungen vor. Der ›Brahimi-Bericht‹ formulierte ambitionierte Ziele: robustere Doktrin, realistischere Mandate, schneller verfügbare Einsatzkräfte sowie eine grundlegende Stärkung der UN-Verwaltung. Zehn Jahre später ist die Bilanz gemischt. Trotz der beträchtlichen Professionalisierung des UN-Sekretariats steht das Instrument Friedenssicherung vorungelösten politischen Herausforderungen.
Christian R. Manahl
Friedenserhaltung im Grenzbereich
Robuste Friedenssicherung und der Schutz der Zivilbevölkerung am Beispiel der UN-Mission in Kongo (S. 120)
Der vom UN-Sicherheitsrat vorgeschriebene Schutz der Zivilbevölkerung stellt an Friedensmissionen neue Anforderungen. Er erfordert die bessere Analyse von Bedrohungsszenarien, verstärkte Präsenz in schwer zugänglichen Konfliktgebieten und eine bessere Kommunikation mit der lokalen Bevölkerung. Für die UN-Mission in Kongo kommt die Zusammenarbeit mit einem problematischen Partner, der Regierungsarmee, hinzu, die sich aus verschiedenen ehemaligen Rebellengruppen zusammensetzt und zahlreiche mutmaßliche Kriegsverbrecher in ihre Ränge aufgenommen hat. Unter diesen Umständen ist eine Verbesserung der Menschenrechtslage nur mittelfristig möglich, durch die Verbindung von Schutzmaßnahmen mit einer umfassenden Armeereform sowie einer schrittweisen Stärkung der Militärgerichtsbarkeit.
AUS DEM BEREICH DER VEREINTEN NATIONEN
»Allgemeines
Anja Papenfuß
Generalversammlung | 63. Tagung 2008/2009 (S. 127)
»Politik und Sicherheit
Katharina Höne
Sicherheitsrat | Tätigkeit 2009 (S. 130)
»Sozialfragen und Menschenrechte
Christa Wichterich
Frauenrechtskommission | 54. Tagung 2010 (S. 133)
Buchbesprechungen (S. 135)
Manuel Fröhlich
Friederike Bauer
Stiftung Entwicklung und Frieden (Hrsg.): Globale Trends 2010. Frieden – Entwicklung – Umwelt, Frankfurt/M.: Fischer 2010
Dokumente der Vereinten Nationen (S. 139)
Wiederkehrende Gedenkanlässe | Übersicht (S. 141)
English Abstracts (S. 143)
Impressum (S. 144)