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UN-aktuell | 26.09.2007

"Soziale Sicherung muss ganz oben auf die Agenda"

 

Internationale Fachtagung betont hohen Stellenwert sozialer Sicherungssysteme


Soziale Absicherung ist ein Menschenrecht und in zahlreichen internationalen Abkommen verankert. In vielen Entwicklungs- oder Schwellenländern wie z.B. Indien verfügen nur die wenigsten Menschen über eine Rente und vertrauen daher darauf, dass ihre Kinder sie im Alter unterstützen. Arbeitslosigkeit und Migration führen jedoch vermehrt dazu, dass der eigene Nachwuchs dieser informellen Verpflichtung nicht mehr nachkommen kann. Und wer beispielsweise im Jemen erkrankt, muss die Arztrechnung aus eigener Tasche bezahlen. Viele verkaufen ihr Hab und Gut und suchen häufig erst Hilfe auf, wenn es schon zu spät ist – für viele wird die Krankheit somit zur Armutsfalle.

In den letzten Jahren wird nun das Thema „Soziale Sicherheit“ auch gerade wegen der demographischen Entwicklung und der Dynamik der Globalisierung in vielen Ländern aktuell. Deshalb stellt sich die Frage, welche Strategien und Instrumente ein Mindestmaß an sozialer Sicherheit gewährleisten, und wie die Internationale Zusammenarbeit in diesem Bereich organisiert werden soll. Eine Absicherung im Krankheitsfall, die Vorsorge für das Alter und andere Formen der sozialen Sicherheit tragen zur strukturellen Armutsvermeidung und der Sicherstellung einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung bei.

Experten für soziale Sicherung wie Walter Riester MdB, Rüdiger Krech (GTZ) und Michael Cichon (ILO) sprachen auf der internationalen Fachtagung „Soziale Sicherungssysteme in Entwicklungs- und Schwellenländern: Utopie oder Strategie zur Armutsbekämpfung und Friedenssicherung?“am 18./19.9. 2007 in Berlin, veranstaltet von der DGVN in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Die Tagung analysierte die Bedeutung der sozialen Sicherungssysteme und präsentierte konkrete Modelle an Beispielen aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Dabei wurden die Rolle der UN und der bilateralen Kooperation aufgezeigt sowie die Herausforderungen für die Entwicklungszusammenarbeit identifiziert.

 

Podiumsdiskussion

Soziale Sicherungssysteme in Entwicklungs- und Schwellenländern als Strategie zur Armutsbekämpfung, gesellschaftlichen Stablisierung und Friedenssicherung: Was kann die Entwicklungszusammenarbeit leisten?

v.l.n.r.: (Bild vergrößern durch Click)
Prof. Dr. D. Rajasekhar
Dr. Katja Hujo
Moderation: Ramesh Jaura
Walter Riester, MdB, Bundesminister a. D.
Monika Hoffmann-Kühnel, Entwicklungspolitische Referentin für Ostafrika, Evangelischer Entwicklungsdienst e. V. (EED)
Dr. Rüdiger Krech

 

Referenten:

 
Dr. Michael Cichon,
Direktor für Soziale Sicherheit, International Labour Organisation (ILO), warb auf der internationalen Fachtagung am  18. Sept. 2007 in Berlin für eine internationale Konvention für sozoale Grundleistungen im Rahmen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO):

 
 

"Investitionen in soziale Sicherungssysteme dürfen nicht länger als Wachstumshindernis gesehen werden."

Präsentation von Dr. Michael Cichon
-> Soziale Sicherheit als Grundpfeiler einer neuen Entwicklungsstrategie

 

 

Weitere Vorträge und Präsentationen (PDF):

-> Soziale Sicherungssysteme in den Ländern des Südens im Wandel,
Prof. Dr. Katharina Müller, Professorin für Sozialpolitik, Hochschule Mannheim
- Zusammenfassung (deutsch)

 

-> Demographischer Wandel in en Ländern des Südens als Herausforderung für die Sozialsysteme,
Prof. Dr. Ralf E. Ulrich
, Direktor des Isntituts für Bevölkerungs- und Gesundheitsforschung, Universität Bielefeld

 

-> Der Beitrag sozialer Sicherung für soziale Entwicklung und Armutsbekämpfung,
Dr. Katja Hujo, Research Coordinator of the Social Policy and Development Programme, United Nations Research Institute for Social Development (UNRISD)

 

-> Finanzierungsmöglichkeiten für soziale Sicherung,
Dr. Christina Behrendt, Expertin Social Security, International Labour Organisation (ILO)
- Zusammenfassung (deutsch)
- Abstract (english)

 

-> Social Transfers - Eine Investition in die Armen Afrikas,
Dr. Stephen Kidd
, Chef der Politikabteilung von HelpAge
- Abstract (english)

 

-> Social Security in India: Status, Issues and Ways Forward,
Prof. Dr. D. Rajasekhar
, Leiter des Centre for Decentralisation & Development (CDD), Institute for Social and Economic Change, Bangalore

 

-> Sozio-ökonomische Entwicklung und soziale Sicherungssysteme in China,
Dr. Jens Geissler
, EPOS Health Consultants, Bad Homburg
- Abstract (english)

 

-> Umfassende soziale Absicherung trotz Privatisierung: Erfahrungen aus dem Schwellenland Chile,
Dr. Dr. Jens Holst
, Internist, Gesundheitswissenschaftler und selbstständiger Berater
- Zusammenfassung (deutsch)

 

->Potentiale der deutschen Entwicklungszusammenarbeit zur Förderung sozialer Sicherung in Asien,
Dr. Rüdiger Krech
, Kompetenzfeldleiter Soziale Sicherung, Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH
- Zusammenfassung (deutsch)

 

Karin Kortmann, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), auf der internationalen Fachtagung am  18. Sept. 2007 in Berlin:

"Soziale Sicherung muss ganz oben auf unserer Agenda stehen. Denn: Es  stellt sich heute nicht mehr die Frage des 'Ob', sondern des 'Wie' des Auf- und Ausbaus entsprechender Systeme."

"Wir dürfen bei all den technischen Ansätzen unserer Arbeit nicht vergessen: Soziale Sicherung ist ein Menschenrecht! Soziale Sicherung ist eine Pflicht! Soziale  Sicherung ist der Schlüssel zur Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele."

Vortragsrede von Karin Kortmann:
-> Soziale Sicherungssysteme in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit


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