UN-Aktuell

Zum Schutz der eigenen Identität

Ein Mitglied eines indigenen Volkes lächelt breit mit einem Hut auf dem Kopf und traditioneller Bekleidung

Indigene Völker müssen immer noch für die Anerkennung ihrer Menschenrechte kämpfen. UN Photo/F. Charton

Zum ersten Mal wird die Generalversammlung der Vereinten Nationen im Jahr 2014 eine Weltkonferenz über indigene Völker ausrichten. Die Konferenz wird als Plenartagung auf hoher Ebene stattfinden und bildet den Abschluss der Zweiten Internationalen Dekade der indigenen Völker der Welt (2005-2014).

Der Vorschlag zur Organisation einer Weltkonferenz wurde unter anderem von Bolivien in die Generalversammlung eingebracht. Das Land hat seit dem Amtsantritt von Evo Morales im Jahr 2006 als erster Präsident Lateinamerikas mit indigener Abstimmung eine Vorreiterrolle im Kampf um den Schutz indigener Völker übernommen. Die Konferenz hat zum Ziel, hochrangige Vertreter der Mitgliedstaaten sowie indigener Völker zusammenzubringen um gemeinsam Perspektiven und Vorgehensweisen für die Verwirklichung der Rechte indigener Völker zu entwickeln.

Brasilien Präsidenti Evo Morales spricht
Boliviens Präsident Evo Morales setzt sich für den Schutz indigener Völker ein. UN Photo/Paulo Filgueiras

Indigene Organisationen mussten lange für die Anerkennung ihrer Menschenrechte, insbesondere des Rechts auf Selbstbestimmung, kämpfen. Bis heute wird die Bedeutung ihres Schutzes und ihrer Bedürfnisse von der Weltöffentlichkeit nur am Rande wahrgenommen. Erst im Jahr 2007 verabschiedete die Generalversammlung nach mehr als 20 Jahren andauernden Verhandlungen zwischen Regierungen und indigenen Völkern die Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte der indigenen Völker. Die Resolution stellt die bislang umfassendste internationale Erklärung zu den Rechten der geschätzten 370 Millionen Indigenen weltweit dar.

Neben der Erklärung der Vereinten Nationen gilt das Übereinkommen Nr. 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (International Labor Organisation, ILO) über indigene und in Stämmen lebende Völker als wichtigstes internationales Instrument zum Schutz der Menschenrechte indigener Völker. Bislang haben allerdings erst 22 Staaten die Konvention ratifiziert – auch die Bundesregierung verweigert die Unterzeichnung des Übereinkommens, das im Gegensatz zu der UN-Erklärung rechtsverbindlich ist.

Ein Mitglied eines indigenen Volkes bläst in ein Horn aus Muschel vor einer reich verzierten Wand, er ist bemalt und oberkörperfrei
Seit 1994 feiern die Vereinten Nationen am 9. August den Internationalen Tag der indigenen Völker. UN Photos/Eva Keller

Die Vereinten Nationen bemühen sich intensiv, die Weltöffentlichkeit für die Belange indigener Völker zu sensibilisieren und haben zu diesem Zweck den 9. August als Internationalen Tag der indigenen Völker der Welt ausgerufen. Die von der Generalversammlung am 20. Dezember 2004 ausgerufene Zweite Internationale Dekade der indigenen Völker der Welt hat darüber hinaus zum Ziel, die internationale Zusammenarbeit bei der Lösung der Probleme zu verstärken, denen sich indigene Völker beispielsweise auf den Gebieten der Kultur, der Bildung, der Gesundheit, der Menschenrechte, der Umwelt oder der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung gegenübersehen.

Auch deutsche Organisationen nehmen den 9. August zum Anlass, auf die immer noch problematische Situation indigener Völker aufmerksam zu machen. Die Gesellschaft für bedrohte Völker weist in einer Pressemitteilung darauf hin, dass Jäger und Sammler, Hirten, Fischer und Kleinbauern verschiedener Länder in Asien, Afrika und Südamerika durch die Errichtung von Staudämmen und die anschließende Überflutung ihres Landes die Existenzgrundlage verlieren und somit mit großer Wahrscheinlichkeit ins Elend getrieben werden. Survival, eine Organisation, die ihre Arbeit den Rechten indigener Völker weltweit widmet, stellt auf ihrer Internetseite wissenswerte Fakten über verschiedene indigene Völker zusammen.

Stephen Corry, Direktor von Survival International, stellt die Bedeutung des Internationalen Tages heraus: "Dieser Tag, ausgerufen von den Vereinten Nationen, ist eine wichtige Gelegenheit für die Welt, indigene Völker und ihr Recht auf Überleben und Selbstbestimmung anzuerkennen. Wir hoffen, mit diesen ungewöhnlichen Fakten das Verständnis und den Respekt für indigene Völker – und ihren beeindruckenden Beitrag zur Vielfalt der Welt – zu fördern."

Die DGVN widmet sich in einem umfangreichen Themenschwerpunkt allen Fragen und Hintergrundinformationen zu indigenen Völkern.

Katja Philipps

Porträt des Generalsekretärs Ban Ki-moon
UN-Generalsekretär Ban Ki-moon.

Botschaft des Generalsekretärs für den Internationalen Tag der indigenen Völker der Welt 9. August 2011

Am internationalen Tag der indigenen Völker der Welt bekräftigen wir die Rechte von indigenen Völkern sowie unsere gemeinsame Verpflichtung, die Werte wie Gleichheit, Gerechtigkeit und Würde für alle Menschen zu fördern.

Indigene Völker zeichnen sich durch eine bemerkenswerte Vielfalt aus – 5000 verschiedene Bevölkerungsgruppen in rund 90 Staaten. Sie machen mit etwa 370 Millionen Menschen mehr als fünf Prozent der Weltbevölkerung aus. Zusammen sind sie die Bewahrer eines wertvollen und häufig vom Verschwinden bedrohten Kulturerbes. Ihre Kreativität und Innovationen begegnen uns in der Kunst, Literatur und Wissenschaft. Diese Beiträge werden durch das Motto des diesjährigen Internationalen Tages hervorgehoben: „Indigene Kulturformen: Geschichten und Kulturen zelebrieren, unsere eigene Zukunft gestalten.“

Indigene Völker stehen vor vielen Herausforderungen, wenn es darum geht, die eigene Identität sowie Traditionen und Bräuche zu wahren. Ihre kulturellen Beiträge werden zuweilen ausgebeutet und kommerzialisiert. Dabei erfahren sie nur geringe oder gar keine Anerkennung. Wir müssen härter daran arbeiten, die Rechte von indigenen Völkern zur Kontrolle ihres geistigen Eigentums zu wahren und zu stärken, und ihnen dabei helfen, ihr kulturelles Erbe zu beschützen und weiterzuentwickeln. Wir müssen sicherstellen, dass indigene Völker auf gerechte Weise für ihr Kulturerbe und ihr traditionelles Wissen entschädigt werden, das letztendlich für uns alle von Nutzen ist.

Ich ermutige alle Mitgliedstaaten, konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um die Herausforderungen, mit denen indigene Völker konfrontiert sind, anzugehen. Dies umfasst unter anderem die Marginalisierung, extreme Armut sowie den Verlust von Land, Hoheitsgebiet und Ressourcen. Staaten sollten sich darüber hinaus verpflichten, die schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen zu beenden, denen indigene Völker in vielen Teilen der Welt ausgesetzt sind.

Mit Blick auf die Weltkonferenz über indigene Völker im Jahr 2014, fordere ich alle Mitgliedstaaten auf, in uneingeschränkter Partnerschaft mit indigenen Völkern zusammenzuarbeiten, um konkrete Ideen und Handlungsvorschläge für dieses wichtige Zusammenkommen zu entwickeln.

Lasst uns zusammen die Geschichten, die Kultur und die Einzigartigkeit der indigenen Völker auf der ganzen Welt feiern und diese anerkennen. Lasst uns gleichzeitig daran arbeiten, ihre Rechte zu stärken und ihr Streben zu unterstützen.

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