Gendergerechtigkeit & Frauenrechte (SDG 5) Friedenssicherung

Zugang zu natürlichen Ressourcen für Frauen

Eine lächelnde Afrikanerin mit Stock und Getreide in der Hand

Frauen sichern auch unter schwierigsten natürlichen Bedingungen ein Überleben ihrer Familien, Foto: UNEP/Grant Wroe-Street

Gerade in Ländern, in denen gewaltsame Konflikte ausgetragen wurden oder werden, haben Frauen kaum Zugang zu und Kontrolle über natürliche Ressourcen. Ändert sich dies, steigen die Aussichten auf Frieden und Wiederaufbau. Das ist ein zentrales Ergebnis eines gerade erschienenen Berichtes der Vereinten Nationen mit dem Titel „Women and Natural Resources – Unlocking the Peacebuildung Potential“ (Frauen und natürliche Ressourcen – das friedenstiftende Potenzial freisetzen). 

Bei der Präsentation des Berichtes sagte Phumzile Mlambo-Ngcuka, die Exekutivsekretärin von „UN Women“: „Frauen tragen in vielerlei Hinsicht die Hauptlast von Konflikten. Sie müssen häufig allein für ihre Familien und Gemeinschaften sorgen und sind diejenigen, die sich für Frieden und Wiederaufbau einsetzen.“ Darin müssen sie gestärkt werden: „Nachhaltig genutzte natürliche Ressourcen sind der Grundpfeiler von Entwicklung. Die volle Partizipation von Frauen und ihr Zugang zu natürlichen Ressourcen sind dringende Prioritäten für den Wiederaufbau friedlicher Gesellschaften.“ 

Bedrohter Zugang zu natürlichen Ressourcen

Bisher sind Frauen in Krisensituationen häufig Bedrohungen und Gewalt ausgesetzt, wenn sie dringend benötigte natürliche Ressourcen beschaffen. Ein Beispiel ist die Bürgerkriegsregion Dafur im Sudan, wo Frauen vielfach angegriffen und vergewaltigt werden, wenn sie die Flüchtlingslager verlassen, um Brennholz und Wasser zu holen. Judy Cheng-Hopkins, die stellvertretende Generalsekretärin des „United Nations Peacebuilding Support Office – PBSO)“ (Büro zur Unterstützung von Friedenskonsolidierung der Vereinen Nationen) hat festgestellt: „Frauen werden überall auf unserem Globus weiterhin ihre Rechte genommen und dies besonders in Ländern, die gewaltsame Konflikte durchzustehen haben.“

Oft wird unterschätzt, wie hoch der Anteil von Frauen an der produktiven Nutzung von natürlichen Ressourcen ist. Im westafrikanischen Sierra Leone zum Beispiel tragen Frauen bis zu 90 % zur nicht-industriellen Goldförderung bei. Achim Steiner, der Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms UNEP, hat festgestellt: „Auf der praktischen Ebene bilden in Situationen, in denen Frieden geschaffen werden soll, die Frauen die Mehrheit derer, die Ressourcen nutzen und verwalten. Aber diese Verantwortung findet selten ihre Entsprechung auf der politischen oder wirtschaftlichen Ebene.“ So wurde zum Beispiel in die Friedensverträge in Timor-Leste und in Bougainville (Papua-Neuguinea) versäumt, den Zugang von Frauen zu Land und ihre Rechte auf Land aufzunehmen. 

Nach dem Ende der Auseinandersetzung in der indonesischen Unruheregion Aceh wurde der traditionell von Männern kontrollierte Anbau von landwirtschaftlichen Produkten für den Verkauf gefördert, während der Anbau von Nahrungsmitteln, eine Aufgabe der Frauen, bei der Unterstützung weitgehend ausgeklammert blieb. 

Frieden schaffen durch Stärkung des Zugangs von Frauen zu natürlichen Ressourcen

Die Nutzung natürlicher Ressourcen kann Frauen in Konfliktsituationen in großem Umfang nachhaltige Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen, ist Jordan Ryan vom UN-Entwicklungsprogramm UNDP überzeugt: „Aber in der Wirklichkeit haben die Frauen oft nicht die Gelegenheit, solche Möglichkeiten auch tatsächlich zu nutzen. Zu den Barrieren, die Frauen daran hindern, aus diesen Ressourcen Nutzen zu ziehen, gehören ihr niedriger Alphabetisierungsgrad, ihre Marginalisierung und ihre begrenzte Mobilität. Dies gilt es zu ändern.“ 

Der UN-Bericht belässt es nicht bei der Analyse des unzureichenden Zugangs von Frauen zu natürlichen Ressourcen in Konfliktsituationen, sondern zeigt auch Wege auf, wie Frauen durch einen verantwortungsbewussten Umgang mit natürlichen Ressourcen zur Schaffung von Frieden beitragen können. Erforderlich sind ihre stärkere Mitwirkung an Entscheidungsprozessen über den Umgang mit diesen Ressourcen, ihr Schutz bei der Beschaffung der Ressourcen in Krisensituationen und die Schaffung von Bedingungen, damit sie die Ressourcen produktiv und nachhaltig nutzen können. Im UN-Bericht wird festgestellt: „Einer der bisher nicht beachteten Ausgangspunkte für die Stärkung der Frauenbeteiligung an der Schaffung von Frieden betrifft die Art und Weise, in der sie natürliche Ressourcen nutzen, verwalten, Entscheidungen treffen und Vorteile daraus ziehen.“

Der Bericht von UNEP, UN Women,  UNDP und PBSO kann als pdf-Datei heruntergeladen werden.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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