Zeitschrift VEREINTE NATIONEN aktuell

Wo steht die WHO heute?

Copyright: WHO/P. Virot

Weltweite Impfkampagnen, der Kampf gegen HIV/Aids, Malaria und Influenza-Pandemien und das Anti-Tabak-Übereinkommen: Jahrzehntelang nahm die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in der internationalen Gesundheitspolitik unangefochten die Führungsrolle ein. Doch seit den neunziger Jahren sind neue, finanzstarke Spieler hinzugekommen. Einige der Kernaufgaben der WHO haben öffentlich-private Partnerschaften wie die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung übernommen. Das unglückliche Management der Schweinegrippe-Pandemie in den Jahren 2009/2010 und eine massive Finanzkrise im Jahr 2011 ließen die Stimmen nach einer Reform der Organisation immer lauter werden.

Wo steht die WHO heute? Dieser Frage gehen vier Autorinnen und Autoren im aktuellen Heft der Zeitschrift Vereinte Nationen 5/2012 - Die WHO im globalen Gesundheitssystem nach. Yves Beigbeder zeichnet in seinem Beitrag Die Weltgesundheitsorganisation im Wandel. ›Gesundheit für alle‹ bleibt oberstes Ziel die Geschichte der Organisation nach und erläutert die aktuellen und künftigen Herausforderungen. Cornelia Ulbert macht die WHO selbst für einige der Probleme verantwortlich. Soll eine Reform erfolgreich sein, müssen die Mitgliedstaaten sich auf eine Agenda einigen und ausreichend Mittel zur Verfügung stellen. Marc Engelhardt ist der Ansicht, dass zwei der wesentlichen Kernaufgaben bereits heute vernachlässigt werden: Qualitätssicherung bei lebenswichtigen Arzneimitteln und der Zugang zur medizinischen Grundversorgung. Für den Sonderberichterstatter über das Recht auf Gesundheit Anand Grover liegen die größten Herausforderungen in der Praxis. Dazu gehören die Kriminalisierung von Sexarbeit, Homosexualität und Abtreibung, das Problem des mangelnden Zugangs zu Gesundheitsdiensten und die Zunahme der Prävalenz nichtübertragbarer Krankheiten.

Zum aktuellen Heft VN 5/2012