Vereinte Nationen & int. Organisationen

Wer verwaltet die Klimagelder?

Nachfolgend veröffentlichen wir einen Beitrag von Bonian Golmohammadi, dem Generalsekretär des Weltverbandes der UN-Gesellschaften (World Federation of United Nations Associations – WFUNA):

Wenn auf der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen, die am Montag begann, eine Einigung erreicht wird, dann werden viele Regierungen erhebliche Finanzhilfen für den Klimaschutz in armen Ländern anbieten. Die führenden europäischen Politiker erklärten sich schon auf ihrem Treffen im November bereit, Beiträge zu einem Fonds zu leisten, um die Entwicklungsländer bei der Bekämpfung des Klimawandels zu unterstützen. Diese Beiträge sollen bis zum Jahr 2020 etwa 100 Milliarden Euro pro Jahr erreichen, wobei eine Anschubfinanzierung von 5-7 Milliarden Euro pro Jahr bis 2012 vorgeschlagen wurde. Finanzmittel in diesem Umfang müssen von einer erfahrenen Einrichtung berechenbar, rechenschaftspflichtig und transparent verwaltet werden. Es wäre logisch, die Vereinten Nationen damit zu beauftragen.

Erstens verfügen die Vereinten Nationen über den Aktionsradius und die Legitimität, die es ermöglichen werden, den Ländern mit den größten Bedürfnissen raschen Zugang zu diesen Finanzströmen zu eröffnen und die bereitgestellten Mittel im Rahmen sorgfältig gesteuerter Programme mit nachgewiesenen Erfolgsergebnissen zu investieren. So ist allein das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) in über 160 Ländern im Einsatz. Mit einem beispiellosen Netzwerk von Personal und Experten innerhalb dieser Länder und einem noch breiteren Netzwerk von Entwicklungspartnern in allen Regionen und Bereichen sind die Vereinten Nationen in der einzigartigen Lage, sicherstellen zu können, dass die Mittel gegen den Klimawandel dorthin gelangen, wo sie am meisten gebraucht werden, und dass sie effektiv verwaltet werden.

Zweitens besitzen die Vereinten Nationen nachweislich Erfahrung mit der erfolgreichen Verwaltung solcher Gelder. Durch den UN-Treuhandfonds mehrerer Geber sind die erforderlichen Finanzmechanismen bereits vorhanden. Die Vereinten Nationen verwalten heute schon Finanzmittel zur Erzielung von Ergebnissen auf internationaler Ebene, wie etwa den Fonds für die Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele und den Friedenskonsolidierungsfonds. Mit ihrer Verwaltung von über vier Milliarden Dollar an Treuhandmitteln haben sich die Vereinten Nationen als führende Fondsmanagement-Einrichtung erwiesen.

Drittens darf keine Zeit verloren werden. Es sind die Vereinten Nationen, die über die dringend erforderliche Kapazität zur raschen Auszahlung der für den Klimaschutz bereitgestellten Finanzhilfen verfügen. Mit den jetzt schon vorhandenen Mechanismen sind die Vereinten Nationen in der Lage, den Ländern die benötigten Finanzmittel rasch zuzuleiten, damit sie sofort damit beginnen können, auf einen kohlenstoffarmen, klimaverträglichen Entwicklungspfad umzuschwenken. Zweifellos ist im Hinblick auf den Klimawandel Eile geboten, daher müssen die Finanzströme effizient und unverzüglich in Gang gebracht werden.

Schließlich verfügen die Vereinten Nationen über die Fachkenntnisse, um der Herausforderung des Klimawandels mit einem entwicklungsbasierten Ansatz zu begegnen. Der Klimawandel, zweifellos eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, ist kein isoliertes Phänomen. Er hängt aufs engste mit einer nachhaltigen menschlichen Entwicklung zusammen. Ohne umgehende Maßnahmen gegen das Klimaproblem werden Jahrzehnte des Entwicklungsfortschritts und der Anstrengungen zur Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele untergraben.

Sicher gibt es auch bei den Vereinten Nationen Mängel und Schwächen im Finanzbereich. Es müssen Schritte unternommen werden, um die Effizienz und die Koordinierung im gesamten System zu verbessern, sodass Finanzmittel wirksamer eingesetzt und Maßnahmen noch zügiger durchgeführt werden können. Trotz dieser Unzulänglichkeiten haben die Vereinten Nationen jedoch bemerkenswerte und beispiellose Leistungen aufzuweisen.

Die Vereinten Nationen sollten nicht als einziger Fondsmanager der Klima-Finanzmittel auftreten. Vielmehr müssen sie eine wichtige Rolle bei der Verwaltung dieser Gelder in Zusammenarbeit mit anderen Partnern übernehmen. Die Vereinten Nationen haben in der Vergangenheit bereits erfolgreich mit Organisationen wie der Weltbank und der Globalen Umweltfazilität (GEF) zusammengearbeitet und würden es sicher in gleicher Weise bei der Verwaltung eines Klimawandel-Fonds tun. Diese Art der Zusammenarbeit hätte den zusätzlichen Vorteil, dass sie die vorhandenen Spannungen, die aus der dominierenden Rolle der G20 bei den Entscheidungsprozessen der Weltbank und des GEF herrühren, reduzieren würde, weil mit den Vereinten Nationen ein Partner hinzukäme, der sowohl die großen als auch die kleinen Staaten vertritt.

In Anbetracht der umfassenden Natur des Klimadilemmas, ganz zu schweigen von der Komplexität unserer globalisierten Welt und der Notwendigkeit eines raschen Handelns, gibt es kein anderes System, das besser dafür geeignet wäre, als Lenkungsmechanismus für die Finanzmittel zugunsten des Klimaschutzes zu dienen. Kurz gesagt, die Vereinten Nationen sollten in manchen Bereichen die Führungsrolle übernehmen, aber an keiner Stelle außer Acht gelassen werden.

Wenn dieses Problem in Kopenhagen erörtert wird, müssen wir unbedingt unsere Regierungsvertreter dazu ermutigen, Lösungen vorzuschlagen, die den Vereinten Nationen eine zentrale Rolle bei der Verwaltung der für den Klimaschutz bereitgestellten Finanzmittel zuweisen. Den Vereinten Nationen diese Rolle zu verweigern, wäre schädlich für die globale Gesellschaft und ein erhebliches Hindernis für eine nachhaltige Entwicklung.

Bonian Golmohammadi ist der Generalsekretär des Weltverbandes der UN-Gesellschaften (World Federation of United Nations Associations – WFUNA), einer zivilgesellschaftlichen Organisation, die nationale Gesellschaften für die Vereinten Nationen (UNAs) in über 100 Ländern vertritt. Golmohammadi war acht Jahre lang Generalsekretär der UNA-Schweden. Unter seiner Leitung erhöhte die UNA-Schweden ihr Budget von 1 auf 5 Millionen Dollar und verdreifachte die Zahl ihrer Vollzeitmitarbeiter. Golmohammadi sitzt in verschiedenen Beratungsgremien für das schwedische Entwicklungsministerium, internationale Entwicklungsorganisationen und zivilgesellschaftliche Organisationen. Er ist Mitglied der schwedischen UNESCO-Komission. Auf der UN-Konferenz über Entwicklungsfinanzierung in Monterrey im Jahr 2002 gehörte er der schwedischen Regierungsdelegation an. Vor seiner Tätigkeit für UNA-Schweden arbeitete Golmohammadi in privaten Unternehmen in der Tschechischen Republik, unter anderem in einem Verlag und einer Immobilienfirma.   

Übersetzung aus dem Englischen: Gabi Lassen

Foto: WFUNA

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