Meinung

Wer rettet die UNESCO? Eine Buchpräsentation

Das Bild zeigt den Präsidenten der Deutschen UNESCO-Kommission Walter Hirche, DGVN-Vorsitzenden Detlef Dzembritzki und Professor Hüfner. Sie sitzen vor Mikrofonen an einem Tisch. Hinter ihnen ist das DGVN-Logo zu sehen.

Diskussion über die UNESCO: Der Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission Walter Hirche, DGVN-Vorsitzender Detlef Dzembritzki und Professor Hüfner (v.l.n.r.). Foto: DGVN

Ein Kommentar von Dr. Angelika Hüfner

Am 17. Oktober veranstaltete die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN) in Zusammenarbeit mit dem Berliner Komitee für UNESCO- Arbeit eine Diskussion über die von Klaus Hüfner in seinem Buch „Wer rettet die UNESCO?“ vertretenen Thesen zu Gegenwart und Zukunft der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Die Gesprächs- und Diskussionsleitung hatte Detlev Dzembritzki, Vorsitzender der DGVN, übernommen.

Den mehr als 40 Gästen in der Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt wurden zunächst in knapper Form die wesentlichen Inhalte und Argumentationslinien des Buches durch den Autor vorgestellt. Es entgegnete der Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission, Walter Hirche. Auf dem Podium bestand sehr rasch Konsens darüber, dass die finanzielle Situation der UNESCO nach Einstellung der Zahlungen durch die USA alles andere als rosig ist. Auch darüber, dass die ökonomische Krise den Blick freigibt auf die grundlegende und existenzbedrohende Sinnkrise der UNESCO, bestand kein wirklicher Dissens. Darüber aber, welche Auswirkungen diese Krise kurz und mittelfristig haben wird und wie dieser Krise zu begegnen sei, gab es bei aller Freundlichkeit im Ton erhebliche Meinungsunterschiede.

So wurden die im Buch angesprochenen Möglichkeiten des finanziellen Ausgleichs durch andere Mitgliedstaaten relativ leichtfertig beiseite geschoben, ohne auf die drohende Abhängigkeit der UNESCO von einzelnen reichen Geldgebern einzugehen bzw. die Rolle der Generaldirektorin als Sparkommissarin zu beleuchten, die wichtige Projekte gerade auch im Bereich internationaler  Bildung – einem Alleinstellungsmerkmal der UNESCO – nicht weiter wird verfolgen können. Ebenso wenig wurde die kritische Position des Autors zur zunehmenden Politisierung der UNESCO und dem damit einhergehenden Verlust an Sachkompetenz in den Bereichen Wissenschaft, Bildung und Kultur geteilt. Auf freundliches Desinteresse fiel auch die vehement vorgetragene Forderung aus dem Publikum, das Leuchttumprojekt der UNESCO, die Welterbekonvention, finanziell so stark zu machen, dass es nicht mehr nur um die Frage der Anerkennung, sondern insbesondere auch um die Verantwortung für den Erhalt gehen muss - eine Forderung, die insbesondere arme Staaten betrifft, denen es nicht nur um wachsende Touristenzahlen, sondern schlicht um den Erhalt ihres Erbes geht.

Eine Rettung der UNESCO ist nach diesem Abend nicht wahrscheinlicher geworden.

Die Autorin, Dr. Angelika Hüfner, ist DGVN-Mitglied, promovierte Pädagogin und war zuletzt als stellvertretende Generalsekretärin bei der Kultusministerkonferenz tätig. Foto: DGVN/Keller

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