UN-Aktuell Entwicklungspolitik

Weitere Fortschritte bei der menschlichen Entwicklung

Säulendiagramm,

1990-2014 stieg die Zahl der Menschen in Ländern mit höherer menschlicher Entwicklung. Die Zahl der Menschen in Ländern mit niedrigerer menschlicher Entwicklung sank. (Datengrundlage: 156 Länder. Quelle: HDR 2015, Grafik 2.1)

Die menschliche Entwicklung, gemessen am Index der menschlichen Entwicklung („Human Development Index“ – HDI), macht stetige Fortschritte. In fast 25 Jahren ist der globale HDI-Wert um mehr als 20 Prozent gestiegen, der Wert der am wenigsten entwickelten Länder um mehr als 40 Prozent. Alle Weltregionen haben Zugewinne verzeichnet. Das geht aus den Statistiken im neuen Bericht über die menschliche Entwicklung 2015 hervor, der wieder das bekannte HDI-Länderranking enthält. Zudem zeigen die Statistiken darüber hinausgehende aktuelle Veränderungen und Entwicklungstrends auf.

Der Bericht, herausgegeben vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) und in deutscher Ausgabe von der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN) zeigt auch, dass sich die Geschwindigkeit der Fortschritte in den letzten 15 Jahren abgeschwächt hat. Während im Zeitraum 2000 bis 2010 in Entwicklungsländern noch ein HDI-Wachstum von 1,2 Prozent pro Jahr zu verzeichnen war, lag es 2010-2014 nur noch bei 0,7 Prozent jährlich.

Der Index im diesjährigen „Human Development Report“ erfasst 188 Länder, der Südsudan ist neu hinzugekommen. Der HDI ist eine Messgröße des menschlichen Wohlergehens. Er basiert auf den jeweils aktuellsten international vergleichbaren Daten zu Gesundheit, Bildung und Einkommen.

Kaum Differenzen bei den Spitzenreitern

Zwischen 1990 und 2014 hat sich die Anzahl der Menschen in Ländern mit sehr hohen Werten beim Index der menschlichen Entwicklung mehr als verdoppelt, von 0,5 auf 1,2 Milliarden Menschen. 34 Länder sind in die Kategorie sehr hoher menschlicher Entwicklung aufgestiegen. Im neuen HDI-Ranking bleiben Norwegen und Australien an der Spitze, Deutschland weiterhin auf Platz 6. Deutlich ist: Während die Abstände zwischen den Ländern in den Top 10 recht klein sind, bestehen zwischen den Ländern mit der niedrigsten menschlichen Entwicklung deutlich größere Unterschiede.

Index der menschlichen Entwicklung 2014

"Top 10"

1 Norwegen
2 Australien
3 Schweiz
4 Dänemark
5 Niederlande
6 Deutschland
6 Irland
8 Vereinigte Staaten
9 Kanada
9 Neuseeland

"Bottom 10"

179 Mali
180 Mosambik
181 Sierra Leone
182 Guinea
183 Burkina Faso
184 Burundi
185 Tschad
186 Eritrea
187 Zentralafrikanische Republik
188 Niger

Größere Unterschiede bei den Ärmsten

Die Länder mit dem niedrigsten Grad menschlicher Entwicklung sind diesmal Niger und die Zentralafrikanische Republik. Ebenfalls zu den Ländern am unteren Ende der Rangliste zählen Eritrea, Tschad und Burundi. Gravierende Rückschritte bei der menschlichen Entwicklung ließen Libyen um 27 und Syrien um 15 Rangplätze zurückfallen.

Insgesamt ist die Anzahl der Menschen in Ländern mit niedriger menschlicher Entwicklung um mehr als 60 Prozent zurückgegangen, von 3,2 auf 1,2 Milliarden. 19 Länder sind aus dieser Kategorie aufgestiegen. Zwar weist Afrika südlich der Sahara als Region den niedrigsten HDI-Wert auf, doch zwölf Länder haben inzwischen HDI-Werte auf dem Niveau mittlerer menschlicher Entwicklung (zum Beispiel Botswana, Gabun, Namibia, Kongo, Äquatorialguinea, Sambia und Ghana) oder sogar hoher menschlicher Entwicklung (die Seychellen und Mauritius).

Wachstum und menschliche Entwicklung

Eine wichtige Erkenntnis aus den Daten ist auch, dass sich Wirtschaftswachstum nicht automatisch in höhere menschliche Entwicklung umsetzt. Zum Beispiel haben Äquatorialguinea und Chile ein ähnliches Einkommensniveau, doch in ihrer menschlichen Entwicklung unterscheiden sie sich mit HDI-Werten von 0.587 und 0.832 erheblich. Gabun und Indonesien haben dagegen gleiche HDI-Werte, aber sehr unterschiedliche Einkommensniveaus. Einige Länder erreichen auch ohne hohes Einkommen hohe HDI-Werte. Neuseeland liegt beim HDI zum Beispiel auf Rang 9, beim Bruttonationaleinkommen pro Kopf aber auf Platz 32.

Der Bericht mit dem Titel „Arbeit und menschliche Entwicklung“ empfiehlt, einen Schwerpunkt auf menschenwürdige Arbeitsbedingungen zu setzen, um die Fortschritte bei der menschlichen Entwicklung weiter voranzutreiben.

Bericht bestellen

Download des Volltextes

Christina Kamp

Grafik: Diagramm zu Fortschritten beim Index der menschlichen Entwicklung
Insgesamt verliefen die Fortschritte beim HDI seit 1990 recht stetig. (Quelle: HDR 2015, Grafik 2.1, Berechnungen des HDR-Büros)