UN-Aktuell Internationales Jahr der Wasserkooperation

Wegweisende afrikanische Initiative für den Meeresschutz

Regierungsmitglieder aus Namibia, Angola und Südafrika tauschen die unterzeichneten "Benguela Current Convention" Dokumente unterainander aus, im Hintergrund stehen weitere Personen

Unterzeichnung der „Benguela Current Convention“ durch Regierungsmitglieder aus Angola, Namibia und Südafrika. Foto: BCC/GEF

Im „Internationalen Jahr der Wasserkooperation” haben drei Staaten im südlichen Afrika einen überzeugenden Beweis dafür erbracht, dass Wasser nicht nur Konflikte schafft, sondern auch Zusammenarbeit ermöglicht. Sie unterzeichneten am 18. März 2013 die „Benguela Current Convention“.

Der „Benguela Current“ („Benguelastrom“) ist eine kalte Meeresströmung, die vom Kap der Guten Hoffnung entlang der Küsten von Namibia und Angola durch den Südatlantik fließt. Das Zusammentreffen des Benguelastroms mit warmem Meerwasser aus tropischen Zonen lässt eines der ökologisch wertvollsten Ozeangebiete auf der Welt entstehen. Es ist zugleich eine Region, in der Ölförderung, Diamantengewinnung, Schifffahrt und Fischerei nicht nur eine große ökonomische Bedeutung haben, sondern auch mit ökologischen Risiken verbunden sind.

Gemeinsame Umweltschutzinitiativen

Trotz der massiven jeweiligen Eigeninteressen haben Südafrika, Namibia und Angola bereits Anfang 2007 eine Kommission eingerichtet, um gemeinsam eine nachhaltige Nutzung dieses Meeresgebietes sicherzustellen. Aus einem unverbindlichen Gremium werden nun eine dauerhafte zwischenstaatliche Kommission und eine Organisation mit dem Mandat zur Förderung zum langfristigen Schutz, zur Wiederherstellung, zur Verbesserung und zur nachhaltigen Nutzung des ökologisch wertvollen Meeresgebietes. Vorgesehen sind unter anderem die Harmonisierung von Gesetzen und die gemeinsame Überwachung des Fischfangs. Ziele wie der Schutz der biologischen Vielfalt sollen also in konkrete politische Maßnahmen umgesetzt werden. Ergänzend dazu ist Mitte April 2013 ein Programm zur ökologischen Wiederherstellung und nachhaltigen Nutzung der angolanischen Küstenregionen ins Leben gerufen worden, an dem sich neben Angola selbst auch die EU und UN-Einrichtungen beteiligen.

Vitale Wirtschaftsinteressen und der Wille zur vertrauensvollen Zusammenarbeit

Bei der „Benguela Current Convention“ geht es für die Länder um viel. So hängen 98 Prozent der Regierungseinnahmen und fast die gesamten Deviseneinnahmen Angolas vom Öl- und Gasexport ab. Entsprechend sensibel ist die jetzt erfolgte Unterzeichnung eines Abkommens, durch das eine gemeinsame Kommission der drei Länder die Aufgabe erhält, die umweltschonende Nutzung der natürlichen Ressourcen der küstennahen Meeresgebiete zu überwachen.

„Dies ist der ideale und wirksamste Weg, um einen nachhaltigen Umgang mit dem großen Meeres-Ökosystem des Benguelastroms zu erreichen und die nachhaltige Zukunft der Menschen sicherzustellen, die von diesem Ökosystem leben.“

Mario do Valle Ribeiro, Leiter des Büros des UN-Entwicklungsprogramms in Angola

Namibia hat sich mit dem Abkommen verpflichtet, die Förderung von Diamanten in den Uferzonen und in tieferen Meereszonen ökologisch verantwortungsbewusst zu betreiben. Dabei geht es um mehr als die Hälfte der Diamantengewinnung des Landes und die vermutlich reichsten Diamantenvorkommen der Welt. Für Südafrika spielt u. a. der Fischfang im Südatlantik eine wichtige Rolle.

Dass die drei Staaten trotz der großen ökonomischen Eigeninteressen eine ganze Reihe von vertraglichen Verpflichtungen zur Bewahrung der sensiblen Ökosysteme eingegangen sind, ist Ausdruck des gewachsenen gegenseitigen Vertrauens. Unterstützt wird dieser Prozess unter anderem vom UN-Entwicklungsprogramm UNDP, der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO und der Globalen Umweltfazilität GEF.

Edna Molewa, die Wasser- und Umweltministerin Südafrikas, sagte beim Vertragsabschluss über die Zusammenarbeit: „Die historische Unterzeichnung der ‚Benguela Current Convention‘ bildet den Kulminationspunkt vieler Jahre der Forschung, der Konsultation und der Verhandlungen. Sie alle sind in einem Geist des Vertrauens und der Zusammenarbeit durchgeführt worden. Die Unterzeichnung dieses einzigartigen multilateralen Abkommens ist der nächste logische Schritt nach fast zwei Jahrzehnten der Zusammenarbeit von Südafrika, Namibia und Angola.“

Weitere Informationen zu dieser Zusammenarbeit finden Sie auf der Website der Benguela Current Commission.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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