UN-Aktuell

„Wasser, Wasser überall – wenn wir es nur miteinander teilen“

Kleine Boote auf dem Wasser, viele Blechhütten direkt am Fluss

Der Mekong fließt durch China, Laos, Thailand und Kambodscha, bevor er Vietnam erreicht, wo er eine unverzichtbare Lebensgrundlage bildet. Dass der Fluss mehrere Anrainerstaaten hat, bietet Anlass zu Konflikten, eröffnet aber auch Chancen zur Zusammenar

„Wasser, Wasser überall – wenn wir es nur miteinander teilen.“ So lautet der Slogan für das Internationale Jahr der Wasserkooperation 2013

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Der Slogan stammt von der Inderin Mega Kumar und wurde von der UNESCO aus mehr als 12.000 Vorschlägen ausgewählt. In einer Botschaft zur Eröffnung des Internationalen Jahres der Wasserkooperation wies UN-Generalsekretär Ban Ki-moon darauf hin, dass die Konkurrenz um Wasser zwischen Ackerbauern und Viehzüchtern, Industrie und Landwirtschaft, Städten und ländlichen Gebieten zunimmt. Auch über Ländergrenzen hinweg sei eine stärkere Zusammenarbeit bei der Nutzung des Wassers erforderlich: „Lasst uns die Rechte auf Wasser fördern, weniger Wasser verschwenden und kluge politische Lösungen finden, damit alle Nutzer einen fairen Anteil erhalten. Lasst uns in das Wasser investieren. Wasser ist Leben.“

Grenzüberschreitende Gewässer – zwischen Konfrontation und enger Zusammenarbeit

„Wasser ist nicht nur irgendein Gegenstand unter vielen anderen“, betonte die UNESCO-Generalsekretärin Irina Bokova bei der Veranstaltung zu Beginn des Internationalen Jahres am 12. Februar in Paris.

Fotostrecke: Wasserkooperation als Schlüssel für Entwicklung

„Es ist ein zentraler Gegenstand der internationalen Zusammenarbeit.“ Sie verwies darauf, dass es weltweit etwa 300 Einzugsgebiete von Gewässern gibt, die sich mehrere Länder teilen. Das von den Vereinten Nationen anerkannte Menschenrecht auf Wasser lasse sich nur verwirklichen, wenn die jeweils an einem Gewässer liegenden Länder zusammenarbeiten.

Hamrokhon Zarifi, der Außenminister von Tadschikistan, hob in Paris hervor: „Wir müssen die Wasserdiplomatie verstärken, um die Millenniums-Entwicklungsziele bis 2015 zu erreichen. Nur eine enge Zusammenarbeit ermöglicht das Erreichen der Ziele im Wasserbereich, der Umwelt und der Wirtschaft ... Wir müssen dieses Jahr zu einem Jahr der Stärkung des gegenseitigen Verständnisses, der Zusammenarbeit und des Dialogs machen.“

Der Aralsee ist aufgrund einer starken Übernutzung in den letzten Jahrzehnten so stark geschrumpft, dass jetzt verrostende Fischerboote auf dem Trockenen liegen und nur noch in großer Entfernung die Reste des einst riesigen Sees zu entdecken sind. Deshalb besteht ein großer Bedarf für eine Zusammenarbeit der fünf Länder am See und seinen Hauptzuflüssen. Foto: UN Photo/Eskinder Debebe

Tadschikistan hatte 2010 in der UN-Generalversammlung die Initiative für das Internationale Jahr der Wasserkooperation ergriffen. Das Land erlebt in den letzten Jahren, wie schwierig die Situation aller beteiligten Länder wird, wenn eine solche Zusammenarbeit fehlt. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion waren am Aralsee und seinen Zuflüssen fünf neue Staaten entstanden, die sich seit Jahren im Streit befinden über die Nutzung des knappen Wassers und der mit Staudämmen gewonnenen Elektrizität. Die fortbestehende Übernutzung der Wasserressourcen führt dazu, dass der Aralsee weiter schrumpft und zu verschwinden droht.

Bei der Eröffnung des Internationalen Jahres wurde aber auch darauf hingewiesen, dass es viele Beispiele dafür gibt, dass Anrainerstaaten von grenzüberschreitenden Flüssen und Seen zum gemeinsamen Wohl und zur Förderung des Friedens zusammenarbeiten, zum Beispiel an Mekong, Nil und Rhein. Besonders bemerkenswert ist die Kooperation von Indien und Pakistan bei der Nutzung des Wassers des Indus. Diese Zusammenarbeit besteht seit 1960 und funktioniert trotz aller Konflikte und sogar Kriege zwischen beiden Ländern.

Strategie zur Vermeidung von Konflikten

In den Vorbereitungsmaterialien der Vereinten Nationen für das Internationale Jahr der Wasserkooperation wird herausgestellt, welch großen Vorteile die Zusammenarbeit zwischen Ländern und innerhalb von Gesellschaften für die wirtschaftliche Entwicklung, den Schutz der Umwelt und die Förderung von Frieden hat: „Der Zugang zu Wasser kann eine Quelle des Konflikts bilden, aber auch ein Katalysator für eine Zusammenarbeit und die Entstehung von Frieden. Die Zusammenarbeit in einer ebenso praktischen wie lebenswichtigen Frage wie dem Wassermanagement kann dabei helfen, kulturelle, politische und soziale Spannungen zu überwinden und Vertrauen aufzubauen zwischen verschiedenen Gruppen, Gemeinschaften, Regionen und Staaten.“

Als Grundlage der Wasserzusammenarbeit sind nicht nur politische Erklärungen und Verträge erforderlich, sondern auch viele kleine Maßnahmen, die die Wasserknappheit vermindern und einen sorgsamen Umgang mit dem wertvollen Nass sicherstellen. Dies wurde bei der Vorbereitungskonferenz für das Internationale Jahr der Wasserkooperation in Zaragoza/Spanien vom 8. bis 10. Januar 2013 deutlich. Ohne die Verminderung des Wasserverbrauchs ist eine Verschärfung der bestehenden Konflikte kaum zu vermeiden. Dabei ist die Landwirtschaft von besonderer Bedeutung, weil auf diesen Bereich 70 Prozent und mehr der menschlichen Wassernutzung entfallen. In Zaragoza wurden Beispiele dafür vorgestellt, wie neue Bewässerungstechniken den Verbrauch drastisch senken können. Auch die Reinigung und Wiederverwendung von Wasser in Landwirtschaft, Industrie und Haushalten ist unverzichtbar. Hierfür wurden bei der Konferenz ebenfalls ermutigende Beispiele präsentiert. Der UN-Umweltfachmann Brice Lalonde betonte in Zaragoza: „Wir treten in das Zeitalter der Wiederverwendung des Wassers ein. Besonders in Städten ist diese Wiederverwendung zwingend erforderlich.“

Mega Kumar
Der Slogan des Internationalen Jahres der Wasserkooperation lautet „Wasser, Wasser überall – wenn wir es nur miteinander teilen“ und stammt von Mega Kumar aus Indien. Foto: UNESCO

Bei einer Pressekonferenz in New York zur Eröffnung des Internationalen Jahres betonte Ana Persic, Wissenschaftsexpertin der UNESCO, die Bedeutung eines verantwortungsbewussten Umgangs mit der knappen Ressource Wasser: „Wir wissen, dass Wasser unverzichtbar für menschliches Leben ist, aber es ist auch unverzichtbar für alles Leben auf der Erde, wenn wir diesen unseren Planeten schützen und nachhaltig mit ihm umgehen wollen.“ Sie wies damit auf eine Schwäche vieler internationaler Debatten über die Wassernutzung hin, die lediglich den Wasserbedarf und -verbrauch der Menschheit im Blick haben, aber die Pflanzen- und Tierwelt kaum berücksichtigen.

Eine einseitige Orientierung am menschlichen Wasserbedarf fügt der Natur schweren Schaden zu, was sich dann wiederum katastrophal auf das menschliche Leben auswirken kann. Die Feststellung von Ana Persic kann deshalb ein Anlass sein, beim Internationalen Jahr die angestrebte Wasserkooperation nicht nur auf Staaten und soziale Gruppen innerhalb von Gesellschaften zu beziehen, sondern auch die komplexen Wasserkreisläufe in der Natur und die Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit dem Ziel der Bewahrung der Tier- und Pflanzenwelt zu beachten.

Umstrittene Rolle des Privatsektors

Maude Barlow, die prominente kanadische Sprecherin der internationalen Bewegung gegen eine Privatisierung der Wasserversorgung, warnt vor einer Förderung von Privatisierungsbestrebungen im Rahmen des Internationalen Jahres:

Logo zum Internationalen Jahr der Wasserkooperation 2013

„Wir brauchen die Vereinten Nationen nicht, um eine Beteiligung des Privatsektors unter dem Deckmantel der ‚Kooperation‘ zu fördern, wo doch eben diese Unternehmen ihren Weg in Gesellschaften hinein erzwingen und riesige Gewinne mit Wasser und Sanitärversorgung machen, welche ein grundlegendes Recht darstellen.“ Gegenüber der Nachrichtenagentur IPS hat sie die UN aufgefordert: „Wir brauchen die Vereinten Nationen, um sicherzustellen, dass Regierungen ihren Verpflichtungen nachkommen, grundlegende Dienstleistungen zu erbringen, statt sie den transnationalen Unternehmen preiszugeben.“

Der diesjährige Weltwassertag am 22. März 2013 wird das Thema „Wasser und Zusammenarbeit“ haben. Die „Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen“ hat auf ihrem Internetportal einen Themenschwerpunkt zum „Internationalen Jahres der Wasserkooperation 2013“ gestaltet und wird regelmäßig über Aktivitäten und Debatten im Rahmen dieser Initiative der Vereinten Nationen berichten.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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