UN-Aktuell Internationales Jahr der Wasserkooperation

Wasser in der Post-2015-Entwicklungsagenda

Ein Mann in einem Entwicklungsland holt Wasser aus einer dünnen Leitung in einem wüstenähnlichen trockenen Gebiet

Nur 2,5 Prozent der weltweiten Wasserressourcen bestehen aus Süßwasser. Aufgrund des Klimawandels und des weltweiten Bevölkerungswachstums wird der nachhaltige Umgang mit dem knappen Gut immer wichtiger. UN Foto/Carl Purcell

Im Jahr 2000 vereinbarte die internationale Gemeinschaft die Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs), als Leitfaden für eine globale Entwicklungspolitik. Bis 2015 soll unter anderem mehr für die Ärmsten und Unterprivilegierten unternommen, der Umweltschutz gestärkt, mehr Kindern eine Schulbildung ermöglicht und die Müttersterblichkeit gesenkt werden. Noch gut zwei Jahre bleiben, um die ambitionierten Ziele zu erreichen. Vor allem in Subsahara-Afrika liegen die meisten Staaten jedoch weit zurück. Wenn überhaupt, dann werden nur vereinzelt Ziele erreicht. Dennoch war es möglich, eine gewisse Dynamik zu entwickeln, die durch die Zusammenarbeit der UN mit Regierungen, Zivilgesellschaft und anderen Partnern in einigen Regionen zu Fortschritten geführt hat. Damit dieses Momentum auch über das Zieldatum 2015 hinaus bestehen bleibt, beschlossen die Vereinten Nationen auf dem Rio+20-Gipfel, die Ausarbeitung neuer nachhaltiger Entwicklungsziele (SDGs).

Im Januar 2013 wurde eine offene Arbeitsgruppe (OWG) eingerichtet, die Vorschläge für die neuen Entwicklungsziele ausarbeiten soll. Neben dem Vorsitz der Gruppe, bestehend aus Ungarn und Kenia, arbeiten immer mindestens 30 weitere Mitgliedstaaten mit. Um eine möglichst umfassende Teilhabe vieler Institutionen zu ermöglichen, wechseln die Teilnehmer nach einem Rotationsprinzip, die Gruppe befindet sich immer im Wandel. Während der Sitzungen wird die OWG von Experten und Wissenschaftlern beraten, um das Erstellen einer Prioritätenliste zu erleichtern.

Porträtbild von Michel Jarraud der energisch zu sprechen scheint
Michel Jarraud ist Vorsitzender von UN-Water und außerdem Generalsekretär der Weltorganisation für Meteorologie (WMO). UN Foto/Jean-Marc Ferré

Zur dritten Sitzung der Arbeitsgruppe (22.-24. Mai 2013) standen die Themen Wasser und Abwasser erstmalig im Vordergrund. Michel Jarraud, derzeitiger Vorsitzender von UN-Water, hielt eine überzeugende Rede, bei der er den Bericht des Technical Support Team (TST) vorstellte. „Wasser steht im Zentrum nachhaltiger Entwicklung“ war einer der Kernbotschaften. Bei der Aufstellung neuer Entwicklungsziele sollten Wasser und sanitären Anlagen Priorität eingeräumt werden, so Jarraud. Die Experten des TST, welches aus über 60 UN-Einrichtungen besteht, schlugen daher vor, folgende Forderungen mit aufzunehmen:

  • einen fairen und universellen Zugang zu Trinkwasser, Hygiene und sanitären Einrichtungen;
  • ein nachhaltiges Management von Grund- und Oberflächenwasser, welches menschliche Bedürfnisse befriedigt ohne Ökosysteme zu gefährden;
  • eine Behandlung sämtlichen Wassers und Abwassers, bevor es in die Natur zurückgelangt, um Verschmutzung vorzubeugen und eine weitere Verwendung zu ermöglichen.

Die Wasserproblematik gewinnt noch einmal an Bedeutung, weil bisher vor allem die globale Armutsbekämpfung und die nachhaltige Entwicklung im Zentrum der neuen Entwicklungsziele steht. Wasser kann das Bindeglied sein, zwischen universellen internationalen Zielen und nationalen bzw. lokalen Realitäten. Auch eine Umfrage unter 63 Mitgliedstaaten bestätigt dies. Wasser und sanitäre Anlagen liegen derzeit auf Platz zwei der Prioritätenliste, hinter Ernährungssicherung.

Auch eine zweite, vom UN-Generalsekretär eingesetzte Arbeitsgruppe setzte Wasser auf die neue Entwicklungsagenda. Das "High-level Panel of Eminent Persons on the Post-2015 UN Development Agenda", dem u.a. der ehemalige deutsche Bundespräsident Horst Köhler und die Premierminister Indonesiens, Liberias und Großbritanniens angehören, schlägt als Ziel Nr. 6 den universellen Zugang zu Wasser und sanitären Anlagen vor. In ihrem Bericht fordert die Gruppe außerdem:

  • Zugang zu sauberem Trinkwasser in Wohnstätten, Schulen, Gesundheitseinrichtungen und Flüchtlingslagern
  • ein Ende freier Darmentleerungen und den universellen Zugang zu Toiletten in Schulen und Arbeitsstätten
  • Anpassung des Verbrauchs von Trinkwasser an die Verfügbarkeit und die Erhöhung der Wassereffizienz in Landwirtschaft, Industrie und Städten
  • Behandlung sämtlichen kommunalen und industriellen Abwassers

Es wird erwartet, dass diese beiden Initiativen mit anderen zusammenfließen und eine neue globale Entwicklungsagenda entstehen lassen, bei der auch Wasser eine entscheidende Rolle spielen muss. Unter Federführung des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) werden in den nächsten Monaten eine Vielzahl an Treffen stattfinden, um die neuen Entwicklungsziele weiter zu präzisieren. Auf dem MDG_Gipfel 2013 im kommenden September wird sich zeigen, inwieweit das Thema Wasser und sanitäre Anlagen integriert wird. Die bisherigen Forderungen vieler Expertinnen und Experten machen jedoch deutlich, dass Wasser im Zentrum einer nachhaltigen Entwicklung stehen sollte.

Weitere Informationen:

Der Weg zu einer neuen globalen Partnerschaft

Bericht der Hochrangigen Gruppe namenhafter Persönlichkeiten über die Post-2015-Entwicklungsagenda (engl.)

Deutsche Kurzzusammenfassung des Berichts

The World We Want

Zum Themenschwerpunkt Internationales Jahr der Wasserkooperation

Florian Demmler

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