Konflikte & Brennpunkte

Vorbereitungen für UN-Blauhelmeinsatz in Mali

UN-Blauhelme könnten in Mali für Ruhe und Sicherheit sorgen und zurückkehrende Tuareg vor Racheakten der Bevölkerung schützen. UN Photo/Staton Winter

UN-Blauhelme könnten in Mali für Ruhe und Sicherheit sorgen und zurückkehrende Tuareg vor Racheakten der Bevölkerung schützen. UN Photo/Staton Winter

Der französische Truppeneinsatz in Mali steht kurz vor der letzten Phase. Ende April sollen die ersten Soldaten das Land verlassen und durch Streitkräfte der afrikanisch geführten internationalen Unterstützungsmission (AFISMA) ersetzt werden. Gleichzeitig befinden sich derzeit mehrere UN-Vertreter in Mali, um Möglichkeiten einer zukünftigen UN-Präsenz auszuloten. In der malischen Stadt Koulikoro beginnen währenddessen erste Sanitätssoldaten der Bundeswehr ihre Mission.

Ca. 4000 französische Soldaten befinden sich noch immer im Einsatz im Norden Malis. Islamistische Rebellen, die sich noch im Januar auf dem Vormarsch in Richtung Süden befanden, wurden mittlerweile aus dem Großteil des Landes Vertrieben. Immer wieder kommt es jedoch zu heftigen Kämpfen, auch in bereits befreiten Städten wie Gao und Timbuktu. An der Seite der französischen Soldaten kämpfen weiterhin malische und tschadische Einheiten. Über das Ausmaß des Krieges ist jedoch wenig bekannt. Journalisten ist es weiterhin verboten, sich in die Nähe der Kämpfe zu begeben. Während Ende April die ersten französischen Soldaten abgezogen werden sollen, begann die Bundeswehr mit ihrer geplanten Ausbildungsmission. Bis zu 330 Soldaten sollen in den nächsten Monaten malische Sicherheitskräfte für den Einsatz trainieren. 

Die humanitäre Situation bleibt indes angespannt. Mehr als 400.000 Menschen sind in den letzten Monaten aus dem Norden des Landes geflohen. Viele der Flüchtlinge warten mittlerweile darauf, wieder in ihre Heimatregionen zurückzukehren. Die Gesamtzahl der von den Kämpfen betroffenen Menschen liegt indes bei ca. fünf Millionen. Tausende sind über die Grenzen in die Nachbarländer Malis geflohen. Vor allem in Burkina Faso und Mauretanien wird die Masse der Vertriebenen deutlich. Die meisten der Flüchtenden sind Kinder, Frauen und Angehörige der Tuareg, dessen Versuch der Loslösung des malischen Nordens erst zur heutigen Lage führte. Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) eröffnete in den letzten Wochen mehrere neue Flüchtlingslager, da die Zahl der Flüchtenden trotz der französisch-malischen Erfolge zunächst nicht abnahm.

Sicherheitsrat berät über UN-Blauhelmeinsatz

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen forderte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon dazu auf, die Eckpunkte einer möglichen Friedensmission abzustimmen. In seinem nun vorgelegten Bericht schätzt Ban die Zahl der nötigen Truppen für einen Friedenseinsatz auf ca. 11.200 Soldaten und 1440 Polizisten. Daneben soll eine schnelle Eingreiftruppe für zusätzlichen Schutz sorgen und bei einer erneuten Bedrohung islamistischer Rebellen offensiv vorgehen. Als größte Gefahr der Blauhelme schätzt Ban Ki-moon die zersplitterten terroristischen Gruppen ein, die sich immer noch an der Grenze zu Algerien und Niger befinden. Aber auch selbstgebaute Bomben, Landminen und der Transit von Waffen würden einen Blauhelmeinsatz vor erhebliche Probleme stellen. Einer gewissen Zahl an Kämpfern gelinge es zudem, sich unerkannt zwischen der Bevölkerung Schutz zu verschaffen, um jederzeit gewaltsam in Erscheinung zu treten, so Ban.

Offizielle Stimmen aus dem Sekretariat der Vereinten Nationen sprechen bereits von einem möglichen Beginn der Mission im Juli. Welche Rolle dabei die afrikanisch geführte internationale Unterstützungsmission (AFISMA) spielen soll blieb zunächst offen. Die 15 Mitglieder des UN-Sicherheitsrats müssen einer UN-Präsenz in Mali jedoch zunächst zustimmen. Ein entsprechender Antrag liegt derzeit noch nicht vor.

Viele Flüchtlinge finden Zuflucht im Nachbarland Burkina Faso. Diese Familie möchte bald in ihre Heimatstadt Mopti zurückkehren. UNHCR Photo/H.Reichenberger
Viele Flüchtlinge finden Zuflucht im Nachbarland Burkina Faso. Diese Familie möchte bald in ihre Heimatstadt Mopti zurückkehren. UNHCR Photo/H.Reichenberger

Der demokratische Wiederaufbau Malis rückt dennoch langsam in den Vordergrund. Das gescheiterte politische System steht vor einem Umbruch. Immer noch durchzieht Korruption alle Sphären des öffentlichen Lebens in Mali. Die für Juli geplante Wahl soll einen Wendepunkt in der Geschichte des Landes darstellen. Die Arbeit des Übergangspräsidenten Dioncounda Traoré soll dann durch einen demokratisch gewählten Nachfolger fortgesetzt werden. Kritiker der Wahl bemängeln jedoch, dass die Flüchtlingssituation im Land noch keine Abstimmung zulasse. Ob sich die Lage bis Juli weiter entspannen wird, hängt nun auch vom Engagement der Vereinten Nationen ab.

Das UN-Kinderhilfswerk (UNICEF) warnte indes vor den Gefahren, denen die zurückkehrenden Bewohner der Gemeinden im Zentrum und Norden Malis ausgesetzt sind. Zurückgelassene Munition und Blindgänger sind vor allem für Kinder eine Gefahr. Offiziell wurden seit April letzten Jahres 60 Menschen Opfer von explodierenden Überresten des Krieges, zwei Drittel davon waren Kinder. UNICEF versucht nun durch Aufklärungskampagnen auf die verborgenen Gefahren aufmerksam zu machen.

Weitere Informationen:

UN Basisinformationen 41 - UN-Sicherheitsrat und Friedenssicherung

Konflikte & Brennpunkte - UN stützen Militäraktion in Mali

Florian Demmler

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