UN-Aktuell

Vereinte Nationen unterstützen nachhaltige Geldanlagen

Kofi Annan steht mit vielen menschen auf einem Podium der New Yorker Börse und eröffnet die UN-Principles of Responsible Investment

Kofi Annan bei der Einführung der UN PRI auf der New Yorker Börse 2006. UN Photo/Evan Schneider

„UN Principles for Responsible Investment“, kurz UN PRI. Dies ist die Bezeichnung für sechs rechtlich nicht bindende Prinzipien, die zu einem verantwortlicheren Umgang mit Geldanlagen führen sollen. Entwickelt wurden sie im Jahr 2005 auf einem Treffen des damaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan mit einer Gruppe der weltweit größten Finanzinvestoren. Inzwischen haben sich über 1000 Großinvestoren, Vermögensverwalter und Finanzdienstleister aus allen Kontinenten mit einem Anlagevolumen von mehr als 32 Billionen US-Dollar (Stand Mai 2012) zu den sechs Prinzipien verpflichtet.

Im Kern geht es darum, dass Investoren sich bereit erklären, ihre Investitionsentscheidungen an strengen Kriterien zu orientieren - sog. ESG Kriterien. ESG ist die englische Abkürzung für „Environmental, Social and Cooperate Governance Issues“, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Unternehmen verpflichten sich, umwelttechnische und soziale Faktoren sowie Aspekte der guten Unternehmensführung in ihren gesamten Investitionsentscheidungen zu berücksichtigen: So würden z.B. Investitionen im Nahrungsmittelbereich, die am Ende zu Nahrungsengpässen in armen Ländern führen, den Prinzipien zuwiderlaufen. Andererseits entspräche die Berücksichtigung der Rechte von Naturvölkern an ihrem Land bei Investitionen im Agrarbereich den Kriterien. Das Finanzsystem soll so auf eine ökologisch und sozial nachhaltigere Grundlage gestellt werden.

Größere Gewinne durch nachhaltige Geldanalgen

Im Einzelnen streben die Teilnehmer der Initiative nicht nur danach, ESG-Kriterien bei ihren Investmentanalysen und -entscheidungen einzubinden. Sie wollen auch den ernsthaften Versuch unternehmen, die Prinzipien bei ihren Investmentpartnern und in der Investitionsindustrie bekannt zu machen und dafür zu werben.

Für ihre Anstrengungen erhoffen sich die Investoren auch größere Gewinne und geringere Investitionsrisiken. Dahinter steht der Gedanke, dass neben rein finanziellen Faktoren auch die  Berücksichtigung anderer Einflussgrößen das Risiko verkleinern kann, dass Investoren und ihre Kunden aufgrund einer Falschanlage Geld verlieren.

Um die Prinzipien durchzusetzen erhalten die Teilnehmer Hilfe von der „PRI Initiative“ mit Sitz in London. Diese kooperiert wiederum mit der Finanzinitiative des UN-Umweltprogramms (UNEP) und dem UN Global Compact. Zudem muss ein Mitgliedsbeitrag gezahlt werden.
Mittlerweile haben über 1000 Vermögensbesitzer, Investmentmanager und Investmentanbieter die Prinzipien unterschrieben.

Greenwashing anstelle von ernsthafter Einführung der UN PRI?

Allerdings bleibt die Frage, wie effektiv eine freiwillige Selbstverpflichtung ist, um ein nachhaltigeres Investitionsgebaren und letztlich auch ein nachhaltigeres Wirtschaftssystem zu erreichen. Bisher folgen auf Verstöße keine rechtlichen Sanktionen. Allerdings können Teilnehmer ausgeschlossen werden, wenn sie nicht regelmäßig über ihre Versuche, die Prinzipien einzuhalten, berichten. So wurden nach Angaben des Lexikons der Nachhaltigkeit seit 2009 bereits mehrere Unternehmen zum Austritt gezwungen. Dadurch versucht die Initiative wohl zu verdeutlichen, dass sie nicht für das sog. „Greenwashing“ missbraucht werden will. Zudem besteht die Gefahr einer negativen öffentlichen Medienberichterstattung über Prinzipienverstöße, die Investoren davor zurückschreckt,  gegen die Einhaltung der Prinzipien zu verstoßen.

James Gifford – geschäftsführender Direktor der Initiative – unterstreicht im Jahresbericht 2012, dass durch Best-Practice Ansätze und Fallstudien im Bereich des verantwortungsvollen Investments, Teilnehmer der Initiative noch stärker bei der Umsetzung der Prinzipien unterstützt werden sollen. Zusätzlich wurden Bericht- und Bewertungsmechanismen in Bezug auf die Umsetzung der Prinzipien in Unternehmen verändert, um mehr Transparenz zu schaffen. Ebenfalls vorgesehen ist ein Forschungsprojekt, das den Einfluss der Einbeziehung von ESG Kriterien auf die Leistung von Investmentportfolios untersucht.

In Deutschland listet die Initiative momentan 31 Unterzeichner auf, darunter die Munich Re, die Allianz SE oder die Deutsche Bundesstiftung Umwelt. Außerdem gründete die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) im Mai letzten Jahres ein deutsches PRI Netzwerk. „Die PRI ist eine sehr gute Plattform, um den Nachhaltigkeitsgedanken auch am Kapitalmarkt zu verankern (…)“ begründete Dr. Michael Schulze, Abteilungsleiter im Treasury der KfW, den Schritt.

Raija Hawly

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