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UNESCO ernennt 26 neue Welterbestätten

Zwei Vertreter der UNESCO stehen vor einem UNESCO Welterbe in Mali, einer Grabstätte, bestehend aus einem Lehmturm mit Holzpflöcken. Daneben steht ein Einheimischer

UN Vertreter besuchen die unversehrten Grabstätten in Mali 2010. UN Photo/UNDP

Vergangene Woche hat das UNESCO-Welterbekomitee auf seiner 36. Tagung in St. Petersburg 26 neue Welterbestätten ernannt. Darunter sind die Geburtskirche Jesu Christi in Palästina und das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth. Damit stehen nun 962 Stätten auf der UNESCO-Welterbeliste. Ein Aufschrei des Entsetzens lösten die mutwilligen Zerstörungen von geschützten Welterbestätten in Mali aus. Radikale Islamisten beschädigten in Timbuktu im Norden des Landes jahrtausendealte  Mausoleen islamischer Heiliger.

Die Geburtskirche Jesu Christi in Bethlehem wurde neben der Welterbeliste auch auf die Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt – ein Politikum, nachdem vergangenes Jahr erst Palästina der UNESCO beigetreten war und daraufhin die USA ihre Zahlungen an die UNESCO einstellte. Um auf die Rote Liste zu kommen, hatten die Palästinenser einen Eilantrag stellen müssen. Dieser wird erst dann genehmigt, wenn Bauwerke von akuter Baufälligkeit betroffen oder Naturdenkmäler bedroht sind. Fachleute des Internationalen Rats für Denkmalpflege (Icomos) und westliche Diplomaten hatten daraufhin Zweifel an der Dringlichkeit des Eilverfahrens geäußert. Trotzdem wurde der Antrag mit 13 Ja-, sechs Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen angenommen.

Palästina konnte seine Position stärken

Damit hat Palästina seine Durchsetzungsfähigkeit bewiesen und aus seiner Sicht einen weiteren Schritt in Richtung Anerkennung als unabhängiger Staat bei den Vereinten Nationen getan. Auf der anderen Seite zogen die Palästinenser einen zweiten Eilantrag für das Dorf Battir bei Jerusalem zurück. In diesem sollte es um den Schutz jahrtausende alter Terrassen und Bewässerungskanäle gehen, die von dem Bau der israelischen Sperrmauer bedroht sind.

Ein herber Schlag ereilte die UN-Kulturorganisation am zweiten Juli: An diesem Tag zerstörten in Timbuktu die Al-Quaida nahe stehende Organisation „Ansar al Din“ mit Spitzhacken die bereits seit 1988 auf der Welterbeliste stehende Sidi-Yahya-Moschee und mehrere Mausoleen islamischer Heiliger. Die UNESCO verurteilte diese Taten als „verabscheuenswürdig“. Die radikalen Islamisten haben seit April die Macht in Timbuktu übernommen. Sie rechtfertigten die Übergriffe damit, dass nach ihrer Doktrin keine Heiligen, außer Allah, verehrt werden dürften.

Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung will die westafrikanische Staatengemeinschaft ECOWAS nun 3000 Einsatzkräfte nach Mali schicken. Der Sicherheitsrat zögert in dieser Angelegenheit noch, da ein Eingreifen von außen die Konflikte in der Sahara weiter verschärfen könnte.

UNESCO erkennt weitere Biosphärenreservate an

Der Int. Koordinationsrat des UNESCO-Programms „Der Mensch und die Biosphäre“ hat am 11. Juli zusätzlich 20 Gebiete auf unterschiedlichen Kontinenten als neue Biosphärenreservate anerkannt. Darunter sind die spanische Kanareninsel La Gomera und Biosphärenreservate im Inselstaat Sao Tome und Principe. Damit gehören nun 599 Gebiete in 117 Ländern zur Liste der UNESCO Biosphärenreservate. Voraussetzung für eine Aufnahme ist, dass die Bewohner der Reservate im Einklang mit der Natur leben und wirtschaften. Somit wird das Thema Nachhaltigkeit gefördert.

Raija Hawly

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