Internationale Debatte

UNDP: Mehr Gleichheit nötig zum Erreichen der Millenniumsziele

Es sind bedeutende Erfolge bei der Verwirklichung der Millenniums-Entwicklungsziele erzielt worden, aber in vielen Ländern kommt man nur langsam voran. Gleichzeitig gibt es bei der Umsetzung der Ziele große Unterschiede innerhalb dieser Länder. Dies betonte Helen Clark, die Administratorin des UN-Entwicklungsprogramms UNDP, am 4. Februar 2010 in New York bei einer gemeinsamen Sitzung der Vorstände von UNDP, UN-Bevölkerungsfonds UNFPA, UN-Kinderhilfsprogramm UNICEF, UN Women und Welternährungsprogramm WFP. Mehr Gleichheit und Gerechtigkeit sind aber erforderlich, wenn man der Verwirklichung der Ziele näher kommen will, ist die Verantwortliche des UN-Entwicklungsprogramms überzeugt.
„In unserer zunehmend globalisierten Welt werden zu viele Menschen draußen vor gelassen – sie haben keine Möglichkeit, vom wirtschaftlichen Wachstum zu profitieren oder Zugang zu den Dienstleistungen zu erhalten, die sie benötigen, um ihr Leben zu verbessern.“ Diese Analyse von Helen Clark beruht auf den Erfahrungen des UN-Entwicklungsprogramms in der Zusammenarbeit mit vielen Ländern im Süden der Welt bei der Verwirklichung der Millenniums-Entwicklungsziele: „Zu oft erreichen die Vorteile des Wirtschaftswachstums die ethnischen oder religiösen Minderheiten, die indigene Bevölkerung, die Frauen, die Behinderten, die Armen in ländlichen Gebieten und andere Menschen nicht, die sich tatsächlich oder bildlich gesprochen am Ende der Straße befinden.“

Ungleichheit behindert eine nachhaltige Entwicklung

Der jüngste „Bericht über die menschliche Entwicklung“ hat gezeigt, führte Helen Clark weiter aus, dass die Ungleichheit in den Ländern am größten ist, wo der Grad menschlicher Entwicklung am niedrigsten ist. In Ländern mit krassen Einkommensunterschieden und sozialer Ungerechtigkeit ist die Wahrscheinlichkeit sozialer Konflikte hoch, diese Länder sind international wenig konkurrenzfähig und die staatliche Finanzpolitik ist wenig effektiv. Gesellschaften mit krasser sozialer Ungleichheit, so die Feststellung von UNDP, betreiben zudem eine eher nicht-nachhaltige Politik der wirtschaftlichen Entwicklung, weil der Einfluss bestimmter Gruppen dazu führt, dass weniger Geld in Vorhaben investiert wird, die dem Wohle breiter Bevölkerungskreise dient.
Helen Clark zog aus dieser Analyse die Konsequenz: „Es ist jetzt notwendig, einen stärkeren Schwerpunkt auf Fragen von Ungleichheit und Ungerechtigkeit zu legen, um Fortschritte bei den Millenniumszielen zu erreichen. Es muss denen mehr Beachtung geschenkt werden, die bisher von den Entwicklungserfolgen ausgeschlossen wurden.“ Kritisch stellte die Leiterin des UN-Entwicklungsprogramms fest, dass bei der Formulierung verschiedener Millenniumsziele eine größere Gleichheit zu wenig im Blick war. Als ein Beispiel erwähnte sie die angestrebte Halbierung der Zahl der Menschen, die in extremer Armut leben und unter Hunger leiden. Selbst wenn diese Ziele bis 2015 erreicht werden sollten, würden Hunderte Millionen Menschen weiterhin unter den Bedingungen von extremer Armut und Hunger leben. Es habe sich auch gezeigt, dass ein höheres Prokopfeinkommen nicht automatisch zur Verminderung der Armut und zu mehr Investitionen in Bildung, Gesundheit und Wohnungsbau führt. Es seien deshalb politische Strategien erforderlich, die wirtschaftliches Wachstum mit einer positiven menschlichen Entwicklung und einer größeren Gleichheit verbinden.

„Ein besseres Leben für Milliarden Menschen“

In der Diskussion darüber, was auf die Millenniums-Entwicklungsziele folgen soll, muss nach Auffassung von Helen Clark die Frage einer größeren Gleichheit und Gerechtigkeit stärker im Mittelpunkt stehen. Dies betrifft vor allem die vollständige Beseitigung von extremer Armut und die vollständige Überwindung von Hunger. Ein nachhaltiges und alle einbeziehendes Wachstum sei geboten, und dazu gehöre es, den ärmsten Teil der Bevölkerung im Rahmen eines sozialen Sicherungssystems zu unterstützen. Es sei deshalb zu begrüßen, dass viele Regierungen in Entwicklungsländern damit begonnen haben, soziale Sicherungssysteme aufzubauen.
Außerdem betonte Helen Clark in ihrer Ansprache die Bedeutung von Investitionen in Landwirtschaft und die ländliche Entwicklung, in Produktionsbetriebe, die Arbeitsplätze mit angemessenen Arbeitsbedingungen schaffen, in Bildung und Gesundheit und in den Zugang zu Energie, um die Millenniumsziele und eine größere Gleichheit zu erreichen. Die UNDP-Verantwortliche stellte außerdem dar, wie das UN-Entwicklungsprogramm sich dafür engagiert, Entwicklungsländer dabei zu unterstützen, diese Ziele zu erreichen. Sie beendete ihre Ansprache mit der Feststellung: „Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine Politik, die Gleichheit und Gerechtigkeit fördert, den Fortschritt bei den Millenniums-Entwicklungszielen voranbringen wird. Für alle diese Ziele zu erreichen, führt zu einem besseren Leben für Milliarden Menschen.“
Den vollständigen Text der Ansprache finden Sie hier.
(Frank Kürschner-Pelkmann)

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